Peter Feldmann (l.) und Boris Rhein
Peter Feldmann (l.) jubelt, Boris Rhein (r.) nicht. Bild © picture-alliance/dpa

Der neue Oberbürgermeister von Frankfurt heißt Peter Feldmann. Der SPD-Politiker setzte sich in der Stichwahl gegen CDU-Kandidat Boris Rhein durch.

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Die Überraschung ist perfekt: Peter Feldmann hat die Oberbürgermeister-Wahl in Frankfurt gewonnen. Der SPD-Politiker erhielt in der Stichwahl 57,4 Prozent der Stimmen und setzte sich damit gegen den favorisierten Innenminister Boris Rhein (CDU) durch, der 42,6 Prozent erreichte. Feldmann tritt nun die Nachfolge von Petra Roth (CDU) an, deren Amtszeit am 30. Juni endet.

Niedrig war die Wahlbeteiligung: Bei bestem Frühlingswetter gingen nur 35,1 Prozent der insgesamt 464.172 Wahlberechtigten an die Urnen. Beim ersten Wahlgang vor zwei Wochen waren es noch 37,5 Prozent.

"Das ist so geil!"

Die Wahl Feldmanns ist eine Sensation, die wohl vor wenigen Wochen nur die engsten SPD-Anhänger für möglich gehalten hätten. Entsprechend ausgelassen feierten die Sozialdemokraten den neuen Rathauschef. Von den jubelnden Anhängern wurde der neue OB im Haus am Dom mit "Peter, Peter"-Sprechchören begrüßt. SPD-Landeschef Thorsten Schäfer-Gümbel fiel Feldmann um den Hals und rief: "Du bist der Held, du bist der Held. Das ist so geil, das ist so geil."

Auch Feldmann selbst war aus dem Häuschen: "Das ist der absolute Hammer. Ich habe damit nicht gerechnet. Damit hat – mit Verlaub – gar niemand gerechnet", sagte er mit seiner vom Wahlkampf immer noch hörbar angeschlagenen Stimme.

Der neue Rathauschef bedankte sich bei seiner Partei, aber auch bei Grünen, Flughafenausbaugegnern, Piraten und Gewerkschaften. "Vor zwölf Monaten hätte niemand daran geglaubt", kommentierte er den Wahlsieg. Es sei nicht um seine Person gegangen, sondern um seine Themen, sagte der 53-Jährige, bevor er sich in Richtung Römer verabschiedete: "Ich gehe jetzt mal da rüber und erschrecke die anderen."  

CDU tief enttäuscht

Ein Spaß, auf den man bei der CDU mit Sicherheit verzichten konnte. Die Stimmung bei den favorisierten Konservativen, die 17 Jahre lang das OB-Amt in Frankfurt inne hatten, war nach dem überraschenden Wahlausgang am Tiefpunkt. "Das ist ein klarer Wahlerfolg von Peter Feldmann. Da gibt es nichts herumzudeuteln", sagte ein niedergeschlagener Rhein.

Deutliche Worte fand auch Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU): "Reden wir nicht drum rum, das ist eine große Enttäuschung. Boris hat großartig gekämpft. Ich kann das Ergebnis noch nicht erklären, da werden wir länger brauchen. Glückwunsch an Feldmann, im Interesse der Stadt wünsche ich ihm eine erfolgreiche Arbeit."

Grüne höflich und trotzig

Wie erfolgreich der neue Rathauschef arbeiten kann, hängt auch von der Kooperationsbereitschaft von Schwarz-Grün im Römer ab. Die SPD ist im Magistrat nur drittstärkste Kraft, Feldmann hat also keine Mehrheit. Der Wahlsieger präsentierte sich in der hr-"hessenschau" bereits kompromissbereit: "Ich bin ein Mensch, der sehr kooperativ ist und mache nicht gegen, sondern mit dem derzeitigen Magistrat Politik", kündigte Feldmann an.

Die ersten Reaktionen der Frankfurter Grünen fielen am Wahlabend höflich und ein wenig trotzig aus: "Gratulation an Peter Feldmann", twitterte Vorstandssprecher Omid Nouripour. Bürgermeister und Planungsdezernent Olaf Cunitz sagte mit Blick auf die Römer-Koalition, er glaube, Schwarz und Grün würden "jetzt noch enger zusammenstehen". "Wir wollen uns nicht von Herrn Feldmann auseinanderdividieren lassen." Er sei eingeladen, seinen Teil zu einer erfolgreichen Kommunalpolitik beizutragen. Aber, so Cunitz: "Vieles von dem, was Feldmann versprochen hat, ist beim besten Willen nicht zu erreichen."

Offiziell hatten die Grünen zwar keine Wahlempfehlung ausgegeben, viele führende Frankfurter Parteimitglieder - unter ihnen Dezernenten wie Cunitz und Stadtverordnete - sprachen sich aber für Rhein vom Koalitionspartner CDU aus.