Feuerwehr Gießen
Ein Feuerwehrmann demonstriert den Einsatz einer hydraulischen Rettungsschere. Bei der Gießener Berufsfeuerwehr scheint die Stimmung derzeit zu brodeln. Bild © Imago

Gießener Feuerwehrleute haben anonym ihren Unmut über Zustände bei der Berufswehr geäußert. Angeblich suchen zehn von ihnen neue Jobs. Die Stadt spricht von Gerüchten - will drohende Stellenwechsel aber abwenden.

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Feuerwehr löscht LKW-Brand

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Ärger bei der Gießener Berufsfeuerwehr

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Bei der Berufsfeuerwehr in Gießen brodelt es: Von 60 Feuerwehrleuten sollen sich zehn nach neuen Stellen umschauen, weil sie unzufrieden mit den Arbeitsbedingungen sind. Mehrere Gießener Feuerwehrleute hatten sich anonym an Medien gewandt und in einem lokalen Bürgerforum geäußert. Zuerst hatte die Gießener Allgemeine über den Fall berichtet.

Feuerwehrmann: "Können nicht mehr alles"

Dem hr sagte ein Gießener Feuerwehrmann, dass ein Weggang von zehn oder mehr Kollegen nicht zu verkraften sei, die Arbeitsbelastung würde für alle anderen enorm steigen. Es fehle außerdem an Ausbildungszeit.

Zehn verschiedene Fahrzeugtypen müssten die Feuerwehrleute bedienen können. Auch als Notfallsanitäter oder Rettungsassistent gelte es, immer auf dem neusten Stand zu sein, sagte der Feuerwehrmann, der namentlich ungenannt bleiben will. "Für die Aus- und Weiterbildung haben wir alle drei Wochen einen Tag Zeit. Das reicht nicht. Es gibt jetzt schon Kollegen, die nicht mehr alles können und beherrschen."

Für Unmut sorgt unter den Feuerwehrleuten offenbar auch der Führungsstil: "Es fehlt die Wertschätzung unserer Arbeit und unserer Ideen", sagte der Feuerwehrmann dem hr. Auch in der Gießener Allgemeinen wurde dazu ein Feuerwehrmann deutlich. Er sprach von einem Führungsstil der "unprofessionell, emotional und entwürdigend" sei. Ärgerlich sei auch, dass ein von den Gießener Feuerwehrleuten gewünschtes Arbeitszeitmodell mit 24-Stunden-Diensten nicht umgesetzt werde.

Stadt: "Kein drohender Exodus"

Aus dem Büro der Oberbürgermeisterin von Gießen, Dietlind Grabe-Bolz (SPD), kamen klare Worte zum anonymen Aufstand der Feuerwehrleute: Man wisse nichts von einem "drohenden Exodus in der Feuerwehr", hieß es in einer Stellungnahme für den hr. Es stünde jedem frei, sich beruflich anders zu orientieren, das sei aber eine vertrauliche Sache zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber und nicht für die Öffentlichkeit bestimmt.

"Vor allem und erst recht gilt dies für die Beschäftigten selbst - sie würden sich damit nämlich selbst schaden", heißt es in der Stellungnahme. Außer Gerüchten und Unterstellungen gebe es keine Belege, dass es innerhalb der Feuerwehr schlechter laufe als in jeder anderen Arbeitseinheit: "Wir sehen keinen Anlass, die These des drohenden Untergangs oder des Ausblutens unserer Berufsfeuerwehr zu bestätigen."

Stadt will Kündigungen abwenden

Frank Mathes, Sprecher der Berufsfeuerwehr Gießen, wollte sich auf Anfrage des hr nicht zu den Anschuldigungen äußern. Er sagte aber zum Thema Ausbildung, dass es generell bei der Feuerwehr einen hohen Schulungsbedarf gebe, weil der technische Wandel immer weiter voranschreite. Solche Dinge würden aber mit Schulungsmaßnahmen abgedeckt. Ansonsten gelte bei allen Berufsfeuerwehren die gleiche Ausbildungsverordnung - und deren Durchführung werde entsprechend auch geprüft.

Die Stadt sicherte zu, sie werde "alles in der Macht liegende tun", um zu erfahren, ob ein Stellenwechsel abgewendet werden könne. Immerhin habe der Fachkräftemangel den öffentlichen Dienst längst erreicht, die Konkurrenz lukrativer Arbeitsangebote aus der freien Wirtschaft bringe zusätzliche Nachteile. Auf die Forderung nach der Umsetzung eines neuen Dienstplans mit 24 Stunden Diensten wurde auch eingegangen: Bis Oktober soll es dazu Erkenntnisse geben, die Umorgansation würde dann beschleunigt.