Bildkombo Auschwitz-Häftlinge und Tonband des Auschwitzprozesses
Zu den in die Liste aufgenommen Prozessakten gehören auch Tonbänder aus dem Auschwitz-Prozess. Bild © picture-alliance/dpa

Die Verfahrensunterlagen und Tonbandaufnahmen des 1. Frankfurter Auschwitz-Prozesses von 1963 sind Weltdokumentenerbe. Die UNESCO stimmte der Aufnahme in die Liste zu. Ein weiteres Dokument aus Hessen schaffte es ebenfalls.

Man nennt es das "Gedächtnis der Welt" - das UNESCO-Weltdokumentenerbe der Vereinten Nationen (UN). Bislang zählte es 348 historische Dokumente. Nun ist dieses Gedächtnis um einige hessische Erinnerungen reicher.

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Die Unterlagen und Tonbandaufzeichnungen zum 1. Frankfurter Auschwitz-Prozess wurden offiziell in die Liste des Weltdokumentenerbes aufgenommen. Das teilte Wissenschaftsminister Boris Rhein (CDU) am Montag mit. Ein in Paris tagendes internationales UN-Komitee hatte vergangene Woche in Paris beraten, die endgültige Entscheidung traf letztlich die Generaldirektorin der UN-Kulturorganisation.

Zäsur in der deutschen Nachkriegsgeschichte

Der Frankfurter Auschwitz-Prozess hatte am 20. Dezember 1963 im Römer begonnen und dauerte bis 1965. Er rollte die Verbrechen der SS im Konzentrationslager Auschwitz während der NS-Diktatur auf, die über eine Million Menschen das Leben kosteten. Der Prozess war eine Zäsur in der deutschen Nachkriegsgeschichte.

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Angeklagt waren zunächst 24, später 22 Mitglieder der SS. Der Prozess war das Ergebnis von Ermittlungen, die der Frankfurter Generalstaatsanwalt Fritz Bauer Jahre zuvor gegen viele Widerstände aufgenommen hatte.

Wissenschaftsminister Rhein: "Freue mich sehr"

Im Keller des Hauptstaatsarchivs in Wiesbaden lagern heute 456 Aktenbände mit rund 52.000 Seiten - konserviert bei 18 Grad, damit das Papier keinen Schaden nimmt. Auch 103 Tonbänder, auf denen unter anderem die Zeugenaussagen überlebender Auschwitz-Häftlinge zu hören sind, sind Teil des kulturellen Erbes.

"Ich freue mich sehr über die Aufnahme in das 'Memory of the World'-Register", sagte Rhein. "Die Anerkennung als UNESCO-Weltdokumentenerbe unterstreicht die einzigartige historische und gesellschaftliche Bedeutung der Unterlagen zum 1. Frankfurter Auschwitz-Prozess für die Nachkriegsgeschichte und Erinnerungskultur Deutschlands."

"Constitutio Antoniniana" ebenfalls in Liste aufgenommen

Und Rhein hat noch mehr Grund zur Freude: Der in der Uni-Bibliothek Gießen aufbewahrte Papyrus Gissensis I 40 wurde ebenfalls in die UNESCO-Liste aufgenommen. Er stammt aus dem Jahr 212 oder 213 nach Christus und ist das einzige erhaltene Exemplar der "Constitutio Antoniniana".

Mit dem Erlass garantierte der römische Kaiser Marcus Aurelius allen freien Bürgern des Römischen Reiches die gleichen Bürgerrechte. "Erstmals wurde ein einheitlicher Bürgerstatus für Millionen von Menschen unterschiedlicher Kulturen auf drei Kontinenten geschaffen", erläuterte der Minister. Lokale Rechtstraditionen seien dabei erhalten geblieben.

Bislang sieben hessische Dokumente in der Liste

Zum "Gedächtnis der Welt" gehörten bislang weltweit 348 Dokumente, 22 davon aus Deutschland. Darunter sind auch sieben Beiträge aus Hessen:

  • der literarische Nachlass von Johann Wolfgang von Goethe (heute in Weimar im Goethe-und-Schiller-Archiv)
  • das Lorscher Arzneibuch, das älteste medizinische Buch des abendländischen Mittelalters aus dem Kloster Lorsch (heute Staatsbibliothek Bamberg)
  • die Märchen der Brüder Grimm mit Notizen der Autoren in Kassel
  • der Stummfilm Metropolis von Fritz Lang, der von der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung in Wiesbaden restauriert wurde
  • ein kostbares Manuskript aus dem 11. Jahrhundert (genannt Reichenauer Handschrift) in der Landesbibliothek in Darmstadt.
  • eine Goldene Bulle aus dem 14. Jahrhundert in der Landesbibliothek in Darmstadt
  • die Archive des Internationalen Suchdienstes in Bad Arolsen, in dem die Schicksale von NS-Verfolgten dokumentiert sind