Aktenzeichen
Er war 30 Jahre lang das Gesicht der Sendung: Eduard Zimmermann, der frühere Moderator von "Aktenzeichen XY" (1972). Er starb 2009. Bild © Renate Schäfer/ZDF/dpa

In der Sendung "Aktenzeichen XY ungelöst" helfen die Zuschauer seit 50 Jahren bei der Jagd nach Verbrechern. Behandelt wurden auch brutale Kriminalfälle aus Hessen. Wir blicken auf drei besonders bewegende Fälle zurück.

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"Den Bildschirm zur Verbrechensbekämpfung einzusetzen. Das, meine Damen und Herren, ist der Sinn unserer neuen Sendereihe 'Aktenzeichen XY ungelöst'." Mit diesen Worten begrüßte Eduard Zimmermann am 20. Oktober 1967 die Zuschauer seiner neuen Krimisendung im ZDF.

In den vergangenen 50 Jahren wurden in über 500 Sendungen mehr als 4.500 ungeklärte Kriminalfälle untersucht. Davon spielten 509 Fälle in Hessen - 188 davon konnten mit Hilfe von Hinweisen der Fernsehzuschauer gelöst werden. Die Aufklärungsquote liegt in Hessen damit bei 37 Prozent. Wir stellen Ihnen drei Fälle vor, die Hessen besonders bewegt haben:

Der Discomord von Elz

Im Oktober 1994 werden zwei 16-jährige Mädchen aus Limburg tot im Wald gefunden, nackt und mit auffälligen Wunden am Körper. Das Verbrechen schockiert ganz Hessen: Jasmin und Yvonne werden nach einem Discobesuch entführt und mit Chloroform betäubt. Danach quält der Täter die Mädchen in seiner Wohnung mit einer Saugglocke. Sie sterben schließlich an einer tödlichen Dosis des Chloroforms.

Trotz eines Zeugenaufrufs bei "Aktenzeichen XY" tappen die Ermittler lange im Dunkeln. Erst 2001 kann der Fall mit Hilfe einer DNA-Analyse endlich gelöst werden. Die DNA-Spuren stammen von einer weißen Socke, die damals am Tatort gefunden wurde. Der Maurer Lutz K. wird verhaftet und gesteht die grausame Tat. Er wird vom Gericht als krankhaft pervers eingestuft, zu 15 Jahren Haft verurteilt und in der Psychiatrie untergebracht. Bei der Tat hat ihm seine Ehefrau geholfen, sie wird zu lebenslanger Haft verurteilt.

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Fußballfan im Rollstuhl

Im August 2012 wird der damals 23-jährige Mark Herbert in Offenbach brutal zusammengeschlagen und ist danach querschnittsgelähmt. Die Tat geschieht nach einem Spiel der 3. Liga zwischen den Kickers Offenbach und Borussia Dortmund II. Mark Herbert gerät mit einem anderen jungen Mann in Streit, es kommt zu einer Schlägerei. Der Täter prügelt und tritt auf Mark Herbert ein und stößt seinen Kopf gegen eine Mauer. Nach der Tat melden sich viele Zeugen bei der Polizei, doch alle wollen anonym bleiben. Die Polizei hat keine belastbaren Zeugenaussagen.

2015 bitten die Beamten bei "Aktenzeichen XY" noch einmal um Hinweise. Auch Mark Herbert wendet sich in einer Videobotschaft aus seinem Rollstuhl an die Zuschauer. Die Anteilnahme ist riesig: Die Zuschauer stocken die Belohnung der Polizei auf 35.000 Euro auf. Kurz nach der Sendung geht dann der entscheidende Hinweis ein. Der Täter Sven R. wird gestellt und später zu elf Jahren Haft verurteilt. Ohne die Unterstützung der Fernsehzuschauer wäre der Fall wahrscheinlich bis heute ungelöst.

Der Fall Würth

Im Juni 2015 wird der damals 50 Jahre alte Milliardärssohn Markus Würth entführt. Der geistig behinderte Mann lebte in einer betreuten Wohngemeinschaft in Schlitz (Vogelsberg). Der Entführer fordert drei Millionen Euro Lösegeld vom Vater, dem Unternehmer Reinhold Würth, der mit Schrauben, Dübeln und Werkzeug ein Milliarden-Vermögen gemacht hatte. Doch es kommt nicht zur Geldübergabe. Die Polizei findet Markus Würth lebend in einem Wald bei Würzburg, an einen Baum gefesselt.

Die Sendung "Aktenzeichen XY" berichtet zweimal über den Fall Würth, zuletzt diesen April. Mithilfe einer Tonbandaufnahme, auf der der Täter zu hören ist, erhoffen sich die Ermittler neue Hinweise. Die Polizei sucht nach einem 40- bis 52-jährigen Mann aus dem serbisch-montenegrinischen Raum. Nach der Sendung gehen rund 200 Hinweise von Zuschauern ein, der Täter konnte bisher aber nicht ermittelt werden.  

Sendung: hr-fernsehen, maintower, 20.10.2017, 18 Uhr