Bildkombo verwüstetes Café, Demo
Gegen die Verwüstung des Cafés demonstrierten am Abend viele Menschen. Bild © protestfotografie-ffm

Das Café einer Frankfurter Flüchtlings-Unterstützergruppe ist verwüstet worden. Die Täter hinterließen ein Schreiben mit Drohungen. Am Samstagabend demonstrierten 100 Menschen gegen den Anschlag. Der Staatsschutz ermittelt.

Unbekannte haben die Räume des Cafés der Frankfurter Gruppe Project Shelter im Stadtteil Bornheim angegriffen. Die Täter hätten ein rassistisches Bekennerschreiben hinterlassen, schreibt Project Shelter auf Facebook. Die antirassistische Gruppe engagiert sich seit zwei Jahren für Migranten, die keine Unterkunft haben und auf der Straße leben - viele der Aktivisten sind selbst Flüchtlinge.

Tür eingeschlagen und Teer versprüht

Die Verwüstungen seien bereits am Freitagnachmittag von Mitgliedern der Gruppe vorgefunden worden, teilte die Polizei am Samstagabend mit. In eine Scheibe der Tür des Bistros in der Berger Straße wurde ein Loch geschlagen. Die Wände im Innenraum wurden laut Polizei mit schwarzer Teerflüssigkeit besprüht.

Ein Mitglied von Project Shelter sagte hessenschau.de, dass die Täter offenbar nicht in die Räume eingedrungen seien. Sie hätten ein Bekennerschreiben hinterlassen, das "klar rassistisch motiviert" sei und Drohungen gegen die Gruppe Project Shelter enthalte.

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Die Tür des Bistros wurde eingeschlagen. Bild © protestfotografie-ffm

"Sie können unsere Fenster einwerfen, unser Bistro verwüsten und ihren rassistischen Mief verteilen. Los werden sie uns damit sicher nicht!", schrieb Project Shelter in seiner Stellungnahme auf Facebook. "Wir gehen davon aus, dass die Angreifer keine verwirrten Einzeltäter waren", sagte ein Sprecher hessenschau.de.

Spontane Demo gegen Angriff

Am Abend demonstrierten im Stadtteil Bornheim über 100 Menschen spontan gegen den Angriff. Sie marschierten mit Transparenten mit der Aufschrift "Refugees welcome" von der Höhenstraße über die Berger Straße vor das Café. Dort verteilten die Organisatoren Glühwein. Polizisten begleiteten den friedlichen Protest.

Nach der Kundgebung leitete die Polizei ein Ermittlungsverfahren wegen Sachbeschädigung ein. Zudem ermittelt der Staatsschutz, ob die Tat politisch motiviert war. Der Strafantrag sei durch Mitglieder der Gruppe gestellt worden. Ob das Bekennerschreiben öffentlich gemacht wird, wollen die Aktivisten noch abstimmen.

Erfolgreiche Besetzung

In dem Café treffen sich Aktivisten, aber auch die Nachbarschaft habe den Ort gut angenommen, sagte ein Mitglied der Gruppe. Viele kämen ins Café, das offen für alle sei. Project Shelter hat sich in den vergangenen zwei Jahren gegen Wohnungslosigkeit von Migranten engagiert und Unterkünfte organisiert.

Mehrfach hat die Gruppe auch kurzzeitig Häuser in Frankfurt besetzt, um für Wohnraum zu kämpfen. Versuche, mit der Stadt über geeignete Räume zu verhandeln, scheiterten. Auch die Räume in der Berger Straße besetzte die Gruppe zunächst, dann einigte man sich mit dem Besitzer. Seit etwa einem halben Jahr darf die Gruppe die Räume für ihr Bistro nutzen.