Bildkombo Limburger Dom, Bischof Bätzing als Teufel
Ein Flyer zeigte Bischof Bätzing als Teufel. Bild © imago/Flyer Zentrum

Abtreibungsgegner machen Front gegen den Limburger Bischof Georg Bätzing. Nach einer ganzen Serie von Provokationen der Ultrakonservativen spricht das Bistum von Rufmord und kündigt rechtliche Schritte an.

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Bischof Georg Bätzing

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Flyer, Postkarten, Banner am Privathaus - Der Limburger Bischof Georg Bätzing sieht sich massiven Anfeindungen von Abtreibungsgegnern ausgesetzt. In viele Briefkästen der Domstadt wurden kürzlich Flyer und Postkarten eingeworfen, die das Kirchenoberhaupt als "Teufel" und "Komplize der Abtreibungsindustrie" verunglimpfen. "Bisher hat es der Bischof sportlich genommen", sagte Bistums-Sprecher Schnelle am Mittwoch, aber jetzt sei eine neue Qualität erreicht: "Das ist schon Rufmord."

Banner vor Bätzings Wohnung

Was war passiert? Am Privathaus des Bischofs wurde ein Banner von patriotpetition.org aufgestellt. Die unbekannten Betreiber des Internetportals lehnen Abtreibungen und Homo-Ehe oder "Gender-Lehrpläne in Hessen" ab und setzen sich "für kinderreiche Familien und frühe Elternschaft" ein. Die Seite mit dem Untertitel "Wir sind das Volk" verzichtet allerdings auf ein Impressum.

Auf dem Deckblatt des in Limburg verteilten Flyers wiederum ist eine leere Krippe zu sehen mit dem Text: "Maria hat Jesus abgetrieben. Und das Bistum Limburg hat ihr den Beratungsschein besorgt, der für den Schwangerschaftsabbruch notwendig ist". Zudem wurde das Weihnachtslied "Ihr Kinderlein kommet" so umgedichtet, dass es dem Bischof Beihilfe zur Tötung von ungeborenem Leben unterstellt.

Staatsanwaltschaft lehnt Ermittlungsverfahren ab

Als Verfasser dieses Pamphlets gibt sich die "Deutsche Zentrumspartei" zu erkennen, eine überwiegend katholische Kleinstpartei, die sich gegen jede Form der Abtreibung wendet. Ihr 90 Jahre alter Bundesvorsitzender Gerhard Woitzik war gerade erst mit einer Anzeige gegen Bätzing gescheitert.

Postkarte, die Bätzing verunglimpft
Eine voradressierte Postkarte mit Vorwürfen gegen Bätzing sollten die Limburger ans Bistum schicken. Bild © Bistum Limburg

Hintergrund der Klage war eine Liste mit Beratungsstellen für Menschen in Notlagen, die das Bistum auf seiner Internetseite veröffentlicht hatte. Dort war auch das Diakonische Werk Hochtaunus aufgelistet mit dem Hinweis, dass dort Beratungsscheine in der Schwangerenkonfliktberatung ausgestellt werden. Woitzik sah darin eine nach Paragraph 219a StGB verbotene Werbung für Abtreibungen. Auf der Grundlage dieses Paragraphen war kürzlich in Gießen eine Ärztin verurteilt worden.

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt konnte allerdings kein grob anstößiges oder auf Gewinnabsichten ausgerichtetes Verhalten im Angebot des Bistums erkennen und leitete folglich auch kein Ermittlungsverfahren ein. Das Bistum hat die Liste trotzdem inzwischen aus seinem Online-Angebot entfernt. Es sei im Vorfeld nicht aufgefallen, dass das Ausstellen des Beratungsscheins so explizit genannt wurde, was tatsächlich im Widerspruch zur katholischen Lehre stehe, begründete das Bistum den Schritt.

"Schutz des Lebens besonderes Anliegen"

Dass Bätzing Abtreibungen unterstütze, bezeichnete Sprecher Schnelle als Quatsch: "Das Bistum mit seinen Partnern macht sich für das Leben stark", sagte er hessenschau.de. Bei der Schwangerenberatung gehe es gerade darum, Leben zu ermöglichen und Frauen auch in schwierigen Situationen Mut zuzusprechen: "Dem Bischof ist der Schutz des Lebens ein besonderes Anliegen."

Auch eine weitere Unterstellung in dem Flyer wies Schnelle zurück: den Vorwurf nämlich, das Bistum ermögliche es, dass abgetriebene Föten in "Massengräbern" auf einem Wiesbadener Friedhof anonym "beseitigt" würden. Wahr sei vielmehr, dass sich pastorale Mitarbeiter gemeinsam mit dem Verein "Sternengarten e.V." für eine menschenwürdige Bestattung dieser Kinder einsetzten. "Damit gehen wir nicht hausieren", sagte Schnelle. Die Zeremonie sei aber öffentlich und keineswegs geheim.

Türsteher am Limburger Dom

Die Aktionen vom Weihnachtswochenende überschatten nun auch das "Fest der unschuldigen Kinder" am 28.Dezember. Den Familiengottesdienst im Limburger Dom werden voraussichtlich Türsteher bewachen. Schon beim Weihnachtsgottesdienst hatte es verstärkte Sicherheitsvorkehrungen gegeben.

Die im Fernsehen übertragene Messe werde regelmäßig von vielen Menschen gesehen, so Schnelle: "Ich hatte schon die Befürchtung, dass da Banner hochgehalten werden." Deshalb hätten anders als sonst auch uniformierte Polizisten Präsenz gezeigt. Das Bistum will nun rechtliche Schritte gegen die Urheber der Flyer und Postkarten prüfen: "Irgendwann hört es auf, lustig zu sein."