Collage aus einem Kassenrezept, das überreicht wird, und vielen Tabletten
Die Betrüger hatten es vor allem auf Wachstumshormone abgesehen. Bild © picture-alliance/dpa (Collage hessenschau.de)

Eine Serie von Betrugsversuchen mit gefälschten Rezepten beschäftigt die Darmstädter Polizei. Zweimal waren die Täter erfolgreich und ergaunerten bei den Apothekern Medikamente im Wert von Tausenden Euro.

Ihre Masche ist gut durchdacht: Ein Täter ruft in der Apotheke an und bestellt ein Medikament, das er während des Nachtdienstes abholen möchte. Nachts ist der Apotheker allein, kann bei Unsicherheiten bei keinem Kollegen nachfragen. Die Chancen, dass die Fälschung unerkannt bleibt, stehen gut.

So sind die Täter auch in einem Fall in Darmstadt vorgegangen. Dabei erschlichen sie das Wachstumshormon Norditropin, in einem weiteren Fall hatten sie es auf ein Krebsmedikament abgesehen. Beide Medikamente haben einen Wert von je 6.000 bis 8.000 Euro.

Sechs Mal versucht

Insgesamt sind der Polizei in Darmstadt und Umgebung inzwischen sechs Betrugsversuche seit Anfang Oktober bekannt, vier davon blieben erfolglos. "Die Medikamente, die über diese Rezepte bestellt wurden, waren in den meisten Fällen Wachstumshormone", sagt Andrea Löb vom Polizeipräsidium Südhessen. "Wir wissen, dass diese Hormone auch in der Bodybuilderszene eingesetzt werden."

In allen Fällen war auf den Rezepten derselbe Arzt angegeben, viel mehr kann die Polizei zu den Fälschungen noch nicht sagen. "Wir wissen nur, dass in zwei Fällen männliche Personen und in einem eine weibliche Person in die Apotheken kamen."

Doping- und Betäubungsmittel interessant

Die Betrugsversuche sind auch dem Apothekerverband Hessen bekannt. Dass offenbar vor allem Wachstumshormone im Fokus der Täter stehen, überrascht Sprecherin Katja Förster nicht: "Alles, was tendenziell in Richtung Betäubungsmittel oder Doping geht, würde ich als interessant für Rezeptfälscher betrachten, weil es sich gut auf dem Schwarz- und dem Drogenmarkt verkaufen lässt."

Wie groß der jährliche Schaden durch gefälschte Rezepte ist, kann der Verband nicht sagen. "Die Apotheken sind nicht verpflichtet, sich an uns zu wenden, wenn ein Verdacht besteht." Einige Rezeptfälschungen fallen erst bei den Krankenkassen auf.

Bei den beiden größten deutschen Krankenkassen ist das ein bekanntes Problem. Allein bei der Barmer GEK werden aktuell etwa 140 Fällen bundesweit untersucht, die Techniker Krankenkasse berichtet von etwa 20 gefälschten Rezepten pro Monat.

Apotheker bleiben auf Kosten sitzen

Die Betrüger haben es vor allem auf besonders teure Medikamente abgesehen. "Für den Apotheker ist das ein Drama - jedes Arzneimittel, das aufgrund eines gefälschten Rezepts ausgegeben wird, wird von den Krankenkassen nicht gezahlt." Der Verband warnt seine Mitglieder vor gefälschten Norditropin-Rezepten.

Aber die Fälschungen zu erkennen ist nicht immer einfach. "Wir hatten auch schon Fälle von gefälschten Rezepten, die uns von den Apotheken nach einem Verdacht zugesandt wurden und wir haben die Fälschung erstmal überhaupt nicht erkannt", sagt Förster. Um Rezepte zu fälschen, gebe es heute verschiedene Möglichkeiten, sagt Polizeisprecherin Andrea Löb. "Oft sind es Blanko-Rezepte, die irgendwo gestohlen werden".

Rückfragen verunsicherten Betrüger

Apothekern empfiehlt der Verband, die Rezepte ganz genau auf bestimmte Merkmale wie die Identifikationsnummer der Arztpraxis zu prüfen - und auf ihre Plausibiliät. In den vier Fällen, in denen die Apotheker den versuchten Betrug rechtzeitig erkannten, hatten sie Zweifel und stellten Rückfragen. Dadurch ließen sich die Betrüger verunsichern und brachen die Versuche ab.