Am Tag des Prozessbeginns gegen die deutsch-türkische Journalistin Mesale Tolu haben Sympathisanten in Frankfurt für ihre Freilassung demonstriert. Sie sehen in der Anklage Willkür gegen eine Kritikerin des türkischen Präsidenten Erdogan.

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Rund 20 Fahrräder und 30 Autos fuhren am Mittwochnachmittag klingelnd und hupend und mit Polizeibegleitung vom Gutleutviertel über Sachsenhausen und Westend ins Bahnhofsviertel. Eine Sprecherin des Frankfurter Solidaritätskomitees "Freiheit für Mesale Tolu" forderte über Lautsprecher nicht nur die Entlassung der deutsch-türkischen Journalistin aus der Haft in einem Gefängnis bei Istanbul, sondern für alle politischen Gefangenen in der Türkei.

Die Protestaktion rollte just an dem Tag durch halb Frankfurt, an dem der Prozess gegen die 32 Jahre alte Reporterin der linksgerichteten Nachrichtenagentur ETHA begann. Zum Vorwurf, sie habe im Istanbuler Stadtteil Gazi einer verbotenen terroristischen Organisation vorgestanden, sagte sie: "Ich fordere meine Freilassung und meinen Freispruch", sagte sie. "Ich habe keine der genannten Straftaten begangen und habe keine Verbindung zu illegalen Organisationen."

Am Abend lehnte das Gericht in Silivri bei Istanbul ihre Freilassung ab. Das Gericht beschloss die Freilassung von acht Angeklagten, sechs weitere müssen in U-Haft bleiben, darunter Tolu.

Kleiner Sohn lebt bei Inhaftierter im Gefängnis

Mesut Duman vom Frankfurter Solidaritätskomitee für Mesale Tolu sagte zu hessenschau.de, die Vorwürfe beruhten auf den Angaben eines anonymen Zeugen. Sie seien rundum haltlos. Mit der Inhaftierung von Tolu und anderen Kritikern des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan wolle die Staatsführung die Opposition zum Schweigen bringen.

Die Journalistin wurde Ende April in ihrer Wohnung festgenommen und sitzt seither in Untersuchungshaft - wie ihr Kollege, der aus Flörsheim (Main-Taunus) stammende Welt-Korrespondent Deniz Yücel. Inzwischen lebt Tolus zweijähriger Sohn bei ihr im Gefängnis.

Der rollenden Protestaktion in Frankfurt sollen Autokorsos in weiteren deutschen Städten folgen. Mesale Tolu wurde in Ulm geboren und hat zwischen 2007 und 2012 Ethik und Spanisch an der Frankfurter Goethe-Uni studiert.

Vater: "Meine Tochter ist eine Geisel von Erdogan"

Ihr Vater Ali Reza Tolu sagte zu hr-iNFO: "Ich bin mir sicher, meine Tochter ist eine Geisel von Recep Tayyip Erdogan. Er verlangt von der Bundesregierung die Verfolgung der PKK-Mitglieder in Deutschland, die auf dieser Liste sind, die er der Bundesregierung gegeben hat. Er will die Auslieferung der Gülen-Anhänger, die hier Asyl wollen."

Ali Reza Tolu bat die Bundesregierung, sich dadurch nicht unter Druck setzen zu lassen. Er wolle für die Freilassung seiner Tochter kämpfen und glaube, sie werde erst freikommen, wenn das Verhältnis zwischen Deutschland und der Türkei sich wieder gebessert hat.