Das Urselbach Gymnasium steht vor dem Aus.
Das Urselbach Gymnasium steht vor dem Aus. Bild © Volker Siefert

Die Spenden blieben aus. Deshalb steht nun ein als Gülen-nahe geltendes Gymnasium in Oberursel vor dem Aus. Die Eltern wollen sich damit nicht abfinden. Sie kämpfen für den Erhalt der Schule.

Das Aus für das private Urselbach Gymnasium in Oberursel mit knapp 100 Schülern scheint aufgrund der finanziellen Notlage besiegelt. Doch eine Gruppe von 30 Eltern will das nicht akzeptieren. "Die Eltern hängen sehr an der Schule. Wir sind bereit nach Lösungen zu suchen, die Schule am Laufen zu halten", sagt Anja Seel, die stellvertretend für die Gruppe spricht.

Bei einem Treffen am Donnerstagabend arbeiteten die Eltern gemeinsam mit der Schulleitung vier Möglichkeiten heraus, wie die nötigen Mittel für einen dauerhaften Betrieb der Privatschule sicher gestellt werden könnte. In Arbeitsgruppen sollen konkrete Lösungsansätze erarbeitet und auf ihre Realisierungschancen abgeklopft werden.

Platz kostet 500 Euro pro Monat

Die Eltern bezahlen monatlich 500 Euro inklusive des Mittagessens für einen Platz. Die Privatschule wird durch eine staatliche Zuwendung finanziert, die so genannten Ersatzschulen zusteht, sowie durch Spenden.

Genau hier liegt das Problem. Von den rund 100 langjährigen Unterstützern der Schule hat sich etwa die Hälfte seit dem Putschversuch in der Türkei 2016 zurückgezogen. Denn die Gründer und Betreiber der Schule stehen der Bewegung Fethullah Gülens nahe. Der in den USA lebende Prediger Gülen und seine Anhänger gelten in der Türkei als Staatsfeinde, die für den Putsch verantwortlich gemacht werden.

Schul-Geschäftsführer: "Spender haben Angst"

"Die türkischstämmigen Spender haben gesehen, dass man in der Türkei die Gülen-Bewegung verfolgt. Sie haben wirklich Angst, dass sie oder ihre Angehörigen in der Türkei das auch erleben", erklärt Schul-Geschäftsführer Talat Askin den Rückzug vieler Geldgeber.

Wie realistisch die Rettung der Schule ist, bleibt abzuwarten. Die Elterninitiative kämpft für die Schule, weil sie mit dem Schulkonzept zufrieden ist. Kleine Klassen und Ganztagsunterricht bis 16:30 Uhr seien Vorteile, von denen Eltern und Schüler profitieren. "Die Hausaufgaben sind gemacht, wenn mein Sohn aus der Schule kommt", sagt Bernd Papengut, der Vater eines Schülers.

Eine halbe Million Euro pro Jahr würde Schule retten

Für die Leiterin des staatlichen Schulamtes in Friedberg, Rosemarie zur Heiden, ist die Elterninitiative neu. Sie weist darauf hin, dass das monatliche Schulgeld auf etwa 500 Euro gedeckelt ist. Damit wolle der Gesetzgeber erreichen, dass Privatschulen nicht nur für eine ganz kleine Gruppe erschwinglich sind.

Und auch bei Einsparungsmöglichkeiten gibt es Grenzen: "Die Lehrer an einer Privatschule müssen in einer vergleichbaren Art und Weise wie ihre Kollegen an staatlichen Schulen bezahlt werden", sagt zur Heiden. Die Rede ist von einem Bedarf von 500.000 Euro im Jahr zum Erhalt der Schule. 

Sendung: hr-iNFO, 03.11.2017, 08:50 Uhr