Der frühere Landespolizeipräsident Norbert Nedela
Der frühere Landespolizeipräsident Norbert Nedela hat Gedächtnislücken. Bild © picture-alliance/dpa

Vor dem Untersuchungssauschuss zum Kasseler NSU-Mord hat Hessens Ex-Polizeichef Nedela von Konflikten zwischen Polizei und Verfassungsschutz berichtet. Wie andere Zeugen macht er Erinnerungslücken geltend - mit bemerkenswerter Begründung.

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"Das weiß ich nicht mehr." "Daran habe ich keine Erinnerung". Wenn der Untersuchungsausschuss des Landtags Zeugen aus Politik, Verfassungsschutz oder Polizei zu den Ermittlungen im Kasseler NSU-Mordfall Halit Yozgat befragt, hören die Mitglieder das oft.

Zurück von der Weltumseglung

So war es auch am Mittwoch, als der frühere Landespolizeipräsident Norbert Nedela  den Abgeordneten Rede und Antwort stehen sollte. Der Auftritt des 65-Jährigen hatte trotzdem seine besonderen Merkmale: Zum einen hatte der Ausschuss diesen Zeugen schon früher befragen wollen. Doch der vom damaligen Innenminister Boris Rhein (CDU) zwangspensionierte Nedela war auf einer Weltumseglung - und lange nicht erreichbar.

Fängt gut an. Nedela: habe alles Detailwissen an Polizeidienst ins Unterbewusstein verdrängt. https://t.co/XbreEW8dHK

Nun sagte er vor den Mitgliedern aus, die nach Erklärungen für Ermittlungspannen im Mordfall suchen und die Rolle des Verfassungsschutzes beleuchten sollen. Der einstige Spitzenbeamte berichtete von einem schwierigen Verhältnis zwischen Polizei und Verfassungsschutz. Ihm sei immer wieder von Problemen in der Zusammenarbeit von Kollegen berichtet worden. Vor dem Ausschuss hatte ein Polizist vor Monaten die damaligen Verfassungsschützer sogar als "Gurkentruppe" bezeichnet.

Probleme mit dem Gedächtnis

Nedela war Landespolizeichef, als der Mord 2006 in Kassel geschah. Der Pensionär ließ auch durchblicken, dass er kein besonders gutes Verhältnis zum damaligen Landesverfassungschef Lutz Irrgang hatte. Wenn es um Details ging, wurde Nedela allerdings von seinem Gedächtnis im Stich gelassen. Gleich zu Beginn begründete er das damit, dass er solche Einzelheiten des Polizeidienstes verdrängt habe.

Auf Erinnerungsstützen konnte der Ex-Polizeichef nach eigenen Angaben auch nicht zugreifen. Er habe nach seiner Versetzung in den einstweiligen Ruhestand alle seine persönlichen Unterlagen und Notizen vernichtet. "Ich habe alles in den Reißwolf geben lassen, weil ich mit dem Kapitel meines Lebens bei der Polizei abschließen wollte", sagte Nedela.

War nicht mehr zu erwarten?

Für ihn war nach 40 Jahren im Polizeidienst 2010 Schluss gewesen. Als Grund wurden Differenzen zwischen ihm und dem damaligen Innenminister Rhein in Fragen der Polizeiführung genannt. Linken-Obmann Hermann Schaus nannte die Erinnerungslücken des Polizeichefs im Ruhestand ungewöhnlich. Der CDU-Vertreter Holger Bellino sagte, er habe sich von vorneherein nichts von der Vernehmung erwartet: Die Ereignisse lägen zu weit zurück.

Das Landtagsgremium geht den Ermittlungen nach dem Mord an Yozgat im Jahr 2006 in Kassel kritisch auf den Grund. Kernfrage ist, ob in hessischen Sicherheitsbehörden Fehler gemacht wurden. Der frühere Verfassungsschützer Andreas Temme steht im Verdacht, womöglich Zeuge der Tat gewesen zu sein und dies fälschlicherweise zu leugnen. Die Tat wird dem Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) zugerechnet, dessen Mordserie 2011 aufflog.