Gedenkstätte des Konzentrationslagers Lublin-Majdanek in Polen.
Gedenkstätte des Konzentrationslagers Lublin-Majdanek in Polen. Bild © picture alliance / Russian Look

Die Frankfurter Staatsanwaltschaft hat einen früheren SS-Wachmann des Konzentrationslagers Lublin-Majdanek angeklagt. Sie wirft dem 96 Jahre alten Frankfurter Beihilfe zum Mord vor.

Nach den Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft Frankfurt war der Mann 1943 an der "Aktion Erntefest" beteiligt, bei der mindestens 17.000 deportierte jüdische Gefangene in eigens dazu ausgehobenen Gräben erschossen wurden. Er habe als Turmwache im Konzentrationslager Lublin-Majdanek im damals besetzten Polen die heimtückischen und grausamen Taten gefördert.

Anklage: 96-Jähriger wusste um Massentötungen

Der Angeschuldigte, der in Frankfurt lebt, war den Ermittlungen zufolge damals 22 Jahre alt. Er war Angehöriger der 5. Kompanie des SS-Totenkopf-Sturmbannes und übernahm regelmäßig Wachdienste. Dabei war er laut Anklage mit der Sicherung des Lagers und der Bewachung von Gefangenen befasst, die getötet werden sollten.

Nach Überzeugung der Ankläger wusste der heute 96-Jährige um die Grausamkeit der organisierten Massentötungen. Ihm sei auch das menschenverachtende, rassistische Motiv bekannt gewesen.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft ist die Anklage gegen den Mann Ergebnis umfangreicher Vorermittlungen. Sie seien seitens der Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg seit dem Jahr 2012 geführt worden. Zahlreiche historische Dokumente seien ausgewertet worden.

Sendung: hr-iNFO, 20.10.2017, 10.00 Uhr