Feuerwehr
Aggressive Töne: Die Feuerwehr rückt zum Helfen aus und wird nicht selten mit Beschimpfungen empfangen. Bild © picture-alliance/dpa

Ignoriert, bepöbelt, behindert: Auch auf dem Land haben es die Feuerwehren bei Einsätzen zunehmend mit uneinsichtigen Menschen zu tun. Der Ton sei aggressiver geworden, berichtet der Weilburger Stadtbrandinspektor Armin Heberling im Interview.

Die Feuerwehr soll Freund und Helfer in der Not sein – aber nicht jeder unbeteiligte Bürger sieht ein, dass er deswegen auch mal einen Umweg in Kauf nehmen muss. Der rauere Ton schlägt mittlerweile auch den ehrenamtlichen Freiwilligen Feuerwehren auf dem Land entgegen: Wo die Menschen früher froh um die Einsatzkräfte waren, sind Kraftausdrücke heute an der Tagesordnung.

Über pöbelnde Kanuten auf der Lahn und uneinsichtige Autofahrer sprach hessenschau.de mit dem Weilburger Stadtbrandinspektor Armin Heberling.

hessenschau.de: Herr Heberling, sie beklagen den aggressiven Ton gegen ihre ehrenamtlichen Feuerwerleute. Aus Städten ist das Behindern von Einsatzkräften bekannt, aber das Phänomen scheint auch im ländlichen Raum anzukommen. Was ist denn da los in Weilburg?

Stadtbrandinspektor Armin Heberling
Feuerwehrmann Armin Heberling ist Stadtbrandinspektor in Weilburg Bild © privat

Armin Heberling: Die Behinderungen sind in den letzten Jahren deutlich mehr geworden, obwohl es sie schon immer gab. Letzte Woche etwa ist eine Straße gesperrt worden wegen eines Gasalarms. Wir und die Polizei hatten dann Mühe, die Autos aus der abgesperrten Straße raus zu halten. Die haben einfach nicht eingesehen, dass sie da nicht durchfahren dürfen. Wir hatten es auch schon, dass unsere Feuerwehrleute zur Seite springen mussten. Die wären sonst umgefahren worden. In dieser Richtung ist hier momentan alles möglich.

hessenschau.de: Werden ehrenamtliche Helfer nicht mehr respektiert?

Heberling: Es ist eine kleine Minderheit, die uneinsichtig ist, mit den meisten kann man reden. Die sind froh, dass wir kommen. Aber bei dieser Minderheit oder auch den betrunkenen Kanufahrern, die wir aus der Lahn fischen müssen, sieht es anders aus: Da werden wir angemotzt, warum wir gekommen sind, dann werden wir angemotzt, warum wir nicht helfen, und dann wird gemotzt, dass sie jetzt weiterfahren wollen.

hessenschau.de: Kommt es auch zu Handgreiflichkeiten?

Die Kollegen werden oft beleidigt, im ländlichen Raum werden wir aber nicht wie in den Städten auch körperlich angegriffen. Bei uns ist das immer verbal – dafür dann alles Mögliche. Kraftausdrücke je nach Laune. Wir haben schon die ganze Palette abbekommen. Es gibt mehr Leute, die keinen Respekt vor unserem Ehrenamt haben. Aber es ist vielleicht auch mal kurz vor einem körperlichen Angriff.

hessenschau.de: Sie sagen, dass das eher ein neues Phänomen ist, was war früher anders?

Es hat immer mal Ärger gegeben, aber die letzten zwei bis drei Jahre nimmt das zu, die Leute sind uneinsichtig. Damit muss man jetzt kämpfen, was früher nicht war. Ich denke, das ganze Leben hat sich geändert. Heute heißt es öfter, "Was interessiert mich mein Nachbar."

hessenschau.de: Was bedeutet das für Ihre Arbeit, sprechen Sie über solche Attacken?

Wir haben bisher alles weggesteckt. Wir reden darüber und wissen, dass wir eben einfach helfen wollten. Es bringt ja nichts, den Kopf in den Sand zu stecken. Angepöbelt werden wir, aber wir haben bisher immer Glück gehabt. Mittlerweile rechnen wir immer damit, dass wir auf Widerstand treffen. Heute preschen wir nicht einfach nach vorne, sondern wir schauen uns erst mal das Umfeld an. Gerade bei Türöffnungen zum Beispiel, da gehen wir nicht mehr so ran wie früher, da schauen wir eher vorher mal um die Ecke, wenn wir die Wohnung nicht kennen.

hessenschau.de: Was wünschen Sie sich denn von Passanten oder Beteiligten, wenn Sie ausrücken müssen?

Es geht darum, nicht im Weg herumzustehen, keine Verletzten mit dem Handy zu filmen und dass damit noch ein Stau verursacht wird, das haben wir wirklich überall. Und den Rettungsdienst trifft es noch schlimmer, die kommen als erste und schaffen es erst gar nicht bis zur Einsatzstelle. Die Leute haben alle Zeitdruck, aber andererseits geht es doch auch schneller, wenn die Rettungskräfte durchkommen und aufräumen können. Lasst die Hilfskräfte ihre Arbeit machen!

Das Gespräch führte Sonja Süß.