CSD Frankfurt
Mit Regenbogenfahne und Federboa für mehr Toleranz. Bild © picture-alliance/dpa

Bunt, schrill, politisch: Bei der Parade zum Christopher Street Day in Frankfurt haben tausende Menschen für eine offene Gesellschaft demonstriert. Das Motto: "Bunte Vielfalt statt braune Einfalt".

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Partylaune unter der Regenbogenfahne. Ein bunter Demonstrationszug zog am Samstagmittag durch die Innenstadt. Nach Polizeiangaben beteiligten sich etwa 1.900 Menschen auf den Festwagen oder zu Fuß; die Zahl der Zuschauer wurde auf rund 9.000 geschätzt. Immer wieder wurde auf Motivwagen und Transparenten die Ehe für alle gefeiert.

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Die Künstlerin "Gizie Suprem" vor ihrem Auftritt beim CSD in Frankfurt

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Insgesamt drei Tage lang feiert und demonstriert die schwul-lesbische Gemeinde in Frankfurt, am Freitag ging es bereits mit Konzerten und Events los. Höhepunkt des Christopher Street Days (CSD) war die traditionelle Parade, die am Samstag am Römerberg startete.

Vertreter der schwul-lesbischen Gemeinschaft, Bisexuelle und Transgender demonstrierten für mehr Akzeptanz in der Gesellschaft. "Liebe ist Liebe", hieß es etwa.

Während viele Zuschauer ausgelassen feierten, erinnerten manche der Marschierer daran, dass Homosexuelle in vielen Ländern noch immer verfolgt oder diskriminiert werden. Eine Gruppe der "Rainbow refugees" forderte ein Bleiberecht für homosexuelle Flüchtlinge und gab zu bedenken, dass viele von ihnen auch in Flüchtlingsunterkünften Gewalt ausgesetzt seien, wenn ihre sexuelle Orientierung bekannt wird.

Grüne Ampelmännchen mit Herz
Grünes Licht für die Liebe: Ampelmännchen an der Konstablerwache im CSD-Look. Bild © David Ahlf/hessenschau.de

Insgesamt erwarten die Organisatoren im Lauf der drei CSD-Tage mehrere zehntausend Besucher. "Wir haben seit rund 15 Jahren eine recht konstante Besucherzahl", berichtet CSD-Sprecher Joachim Letschert.

Am Freitag wurden bereits die Fußgängerampeln an der Konstablerwache umdekoriert. Jetzt zeigen wieder zwei Frauen oder zwei Männer in Rot und Grün, wann Passanten die Straße überqueren dürfen. Wie schon vergangenes Jahr will die Stadt so, gemeinsam mit den Regenbogenflaggen vor dem Römerbalkon, ein Zeichen setzen für Vielfalt und Toleranz.

Rechtspopulismus als Gefahr für die Gesellschaft

Die Stadt unterstützt den CSD dieses Jahr zum ersten Mal auch finanziell, mit 10.000 Euro. Das Motto lautet: "Bunte Vielfalt statt braune Einfalt" - der Blick geht also klar in Richtung Bundestagswahl.

Als sich die Organisatoren für das Motto entschieden, habe die AfD in Umfragen noch bei rund 15 Prozent gestanden, sagt Letschert. Auch wenn sich das in der Zwischenzeit etwas relativiert habe: Rechtspopulisten hält er für eine reale Gefahr für liberale Gesellschaften, "diese Tendenz ist europaweit zu beobachten".

Randgruppen wie Schwule und Lesben seien von rechtskonservativen Gesellschaften immer am stärksten betroffen, sagt Letschert. Dabei geht es ihm gar nicht nur um die AfD - problematisch seien auch CSU und Teile der CDU, aber auch Phänomene wie Pegida "oder besorgte Eltern, die gegen Bildungspläne demonstrieren, die so überhaupt nicht existieren".

Trotz Ehe für alle ist noch nicht alles gut

Und obwohl Bundestag und Bundesrat nun die Ehe für alle beschlossen haben, bleibe für die schwul-lesbische Community noch viel zu tun. Unter anderem sei es ein Ziel, den Schutz der sexuellen Orientierung in Artikel 3 des Grundgesetzes zu verankern, sagt Letschert. "Und Transsexuelle haben es nach wie vor schwer. Wir geben diesen Menschen einen großen Raum, sie gehören zu unserer Comunity."

Ohnehin sei der CSD einfach als Zeichen für eine offene und vielfältige Gesellschaft zu verstehen. "Jeder ist willkommen, wir demonstrieren für jeden und jede andere mit."

Sicherheitsausgaben fast verdoppelt

Jetzt muss nur noch alles klappen - und möglichst friedlich bleiben. "Wir haben die Ausgaben für Sicherheit von 20.000 auf knapp 40.000 Euro erhöht, das war aber vor allem den Ereignissen in Nizza oder Berlin geschuldet", berichtet Letschert. Der CSD sei nun "so sicher, wie so eine Veranstaltung eben sein kann". In Nizza und Berlin waren vergangenes Jahr Attentäter mit Lkw in Menschenmengen gefahren.

Auch bei der Polizei ist man entspannt. "Wir beziehen die jüngsten Ereignisse natürlich in unsere Planungen mit ein, aber wir gehen davon aus, dass es wie in der Vergangenheit auch friedlich bleibt", sagt eine Polizeisprecherin.