Adib kehrte nach Syrien zurück.
Adib kehrte nach Syrien zurück. Bild © hr

Zwei Jahre hat Flüchtlingsjunge Adib aus Syrien im südhessischen Reinheim gelebt - getrennt von Eltern und Geschwistern, die nicht nachkommen durften. Das Heimweh wurde zu stark. Der Zwölfjährige ist freiwillig ins zerbombte Aleppo zurückgekehrt.

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Der Flüchtlingsjunge Mohamad Adib Ayoub ist wieder Zuhause. Für den Zwölfjährigen ist das Aleppo in Syrien. Eine Stadt, die vom Krieg weitgehend zerstört wurde. Eine Stadt, in der nur wenige Stunden am Tag Strom fließt. Wasser gibt es noch seltener.

Größer als die Angst vor dem Krieg war bei Adib, der bis vor kurzem in Reinheim bei Darmstadt lebte, aber das Heimweh. "Ich gehe zurück nach Hause, weil ich nicht ohne meine Eltern leben kann. Konnten Sie ohne ihre Eltern leben, als sie zwölf Jahre alt waren?", fragte er einen hessenschau-Reporter kurz vor dem Abflug und wischte sich die Tränen aus den Augen. Als erstes hatte die FAZ über die Situation des Zwölfjährigen berichtet.

Rückflug über Teheran nach Damaskus

Mit seinem Onkel Lokman Ayoub war Adib vor zwei Jahren aus dem Kriegsgebiet in Syrien geflohen, über die Balkanroute nach Deutschland. Schließlich landete er in Reinheim. Seine Eltern und seine drei jüngeren Geschwister wollte er rasch nachholen. Doch das klappte nicht - wegen des eingeschränkten Familiennachzugs.

Seine Rückkehr nach Syrien bewerkstelligte Adib nun im Flugzeug. Zusammen mit einer Mitarbeiterin des Landratsamts Darmstadt-Dieburg flog er am Sonntag von Düsseldorf nach Teheran im Iran. Von Teheran ging es dann weiter nach Damaskus, Syriens Hauptstadt. Dort holten seine Eltern ihn ab und fuhren mit ihm gemeinsam in seine Heimatstadt Aleppo.

Landratsamts-Mitarbeiterin: "Das ist nicht menschlich"

Adib und sein Onkel hatten beim Landratsamt Darmstadt-Dieburg immer wieder Hilfe gesucht, um die ganze Familie nach Deutschland zu holen. Beraterin Iris Poensgen wollte ihnen helfen, konnte es aber nicht. Nach der Gesetzeslage sei ein kompletter Familiennachzug nicht möglich, meinte sie. Das gehe theoretisch frühestens ab März 2018. Mutter und Vater könne der Junge nachholen, die drei jüngeren Geschwister aber nicht.

Verständnis kann Poensgen dafür nicht aufbringen. "Man kann nicht auf der einen Seite sagen, ihr seid willkommen und ihr dürft hier bleiben, und auf der anderen Seite sagen, eure Familien müsst ihr zu Hause lassen", sagte sie. "Das ist nicht menschlich. Das ist politisch."

Adib ganz unerschrocken

Auch Adibs Onkel Lokman Ayoub kann das Gesetz nicht verstehen. Wenn die Eltern nachkämen, dann müssten die anderen Kinder in Syrien im Krieg bleiben. "Wenn Adib nach Syrien geht, wird sein Platz bei uns für ihn frei bleiben", sagte er. Es mache ihn traurig, dass er seinem Neffen das Heimweh nicht nehmen konnte. Adibs Rückkehr sieht er als Scheitern.

Adib selbst zeigte sich vor seiner Rückkehr ins Kriegsgebiet unerschrocken. Es sei dort nicht mehr so schlimm, mutmaßte er. "Früher waren es viele Bomben, über 100 am Tag. Jetzt sind es, glaube ich, nur noch so drei Bomben am Tag."