Hebamme untersucht Bauch einer Schwangeren
Eine Hebamme untersucht den Bauch einer Schwangeren. Bild © picture-alliance/dpa

Frankfurt wächst - auch dank immer mehr Neugeborener. Die Zahl der Geburtshelfer kann mit dem Anstieg nicht ganz mithalten. Bessern soll sich die Situation mit der ersten Hebammenschule der Stadt, die jetzt eröffnet hat.

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Eine Hebamme vermisst den Bauchumfang einer Schwangeren

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Hebammenschülerin: "Jede Geburt ist ein kleines Wunder"

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Das neue Ausbildungsjahr hat eine echte Neuerung nach Frankfurt gebracht: eine Hebammenschule. Die erste Einrichtung ihrer Art in der Stadt wurde von der Carl Remigius Medical School, dem Bürgerhospital Frankfurt und dem Klinikum der Goethe-Universität gegründet, auf dessen Campus im Stadtteil Niederrad die neue Schule angesiedelt ist.

Der erste Jahrgang umfasst 23 angehende Hebammen und einen angehenden Entbindungspfleger. Eine von ihnen ist Carolin Zillgen, 18 Jahre alt und ursprünglich aus Trier. Den Beruf hat sie gewählt wegen der Faszination, die Neugeborenen innewohnt, wie sie sagt: "Und wir werden gebraucht, sind eine wichtige Bezugsperson für die Mütter und für die Familie."

Hebammen sind schwer zu finden

Alle, die in den vergangenen Jahren in Frankfurt Eltern wurden, haben gemerkt, dass es nicht einfach ist, in der Stadt eine Helferin für die Vor- und Nachsorge einer Geburt zu finden. Mehr als 12.800 Babys kamen 2016 in Frankfurter Krankenhäusern zur Welt, deutlich mehr als 2015, und auch in den Vorjahren stieg die Zahl stetig. Unter den jungen Müttern waren viele aus dem Umland, doch auch für die neugeborenen Frankfurter kennt die Statistik nur eine Richtung: im Jahr 2000 waren es 6.116, im Jahr 2014 dann 8.090.

Hebammenschülerinnen Rebecca Reese, Carolin Zillgen, Annika Creter (von links)
Hebammenschülerinnen Rebecca Reese, Carolin Zillgen, Annika Creter (von links). Bild © Stephan Loichinger (hr)

Die Zahl der Hebammen kann da nicht mithalten. Nach Angaben des Deutschen Hebammenverbandes gehören Frankfurt und die Rhein-Main-Region zu den Gebieten mit besonders großem Hebammenmangel - nicht zuletzt wegen des knappen und teuren Wohnungsmarkts und hoher Lebenshaltungskosten, sagte eine Sprecherin. Viele der oft in Teilzeit arbeitenden Hebammen könnten sich das Leben in der Mainmetropole schlicht nicht leisten.

Die schlechte Versorgungssituation betreffe sowohl die Städte als auch die ländlichen Regionen, mahnt SPD-Gesundheitsexpertin Daniela Sommer: "Nur mit mehr Ausbildungsplätzen können wir auch Nachwuchs gewinnen und die Versorgungssituation verbessern."

Gute Jobaussichten für Schülerinnen

Jetzt also die Frankfurter Hebammenschule. "Wir reagieren auf den Bedarf", sagt die Schulleiterin Nadja Zander. Die Schule mit ihren jeweiligen Klassenkapazitäten von 24 Auszubildenden sei nur ein Anfang. Es gebe bereits Pläne für eine Erweiterung mit weiteren Krankenhäusern als Partnern.

Die Schüler absolvieren ihre Ausbildung etwa zur Hälfte im Unterricht und in den Kreißsälen der beteiligten Kliniken. Dass sie dort nach diesen drei Jahren übernommen werden, sei quasi gesichert, sagt Carolin Zillgen. Als angestellte Geburtshelferinnen entgingen sie auch dem Problem der exorbitant hohen Beiträge für die Hebammen-Haftpflichtversicherung, weswegen es immer weniger freiberufliche Kolleginnen gibt. Und sie hätten geregelte Arbeitszeiten in Form von Acht-Stunden-Schichten.

Umwandlung in Akademikerberuf

Die 20 Jahre alte Hebammenschülerin Rebecca Reese findet: "Der Staat muss den Hebammen entgegenkommen, sonst wird's bald keine mehr geben." Was nicht im Sinne einer nachwachsenden Gesellschaft sein kann.

Der Staat hat entsprechend gehandelt. Schulleiterin Zander berichtet, dass Hebamme ab vermutlich 2020 nicht mehr länger ein dreijähriger Ausbildungsberuf sein soll, sondern ein achtsemestriger Studiengang: "Das soll den Beruf aufwerten. Und es trägt dem Wandel der Geburtshilfe Rechnung, die einfach eine wissenschaftliche Ausbildung braucht."