Ivi Frankfurt
Das frühere "Institut für vergleichende Irrelevanz" in Frankfurt Bild © Screenshot immobilienscout24.de

Eine Million, zwei Millionen, knapp drei Millionen Euro: Der Wert des früheren linken Zentrums "IvI" in Frankfurt steigt und steigt. Denkmalschutzauflagen hat der letzte Besitzer missachtet. Ein Beispiel für Profit durch Leerstand.

  • Die Goethe-Uni verkauft das "IvI"-Gebäude 2012 für rund eine Million Euro an die Franconofurt AG.
  • 2014 verkauft Franconofurt das Haus für rund zwei Millionen Euro an einen Frankfurter Arzt. Dieser entkernt es ohne Erlaubnis des Denkmalamts. Ein Verfahren im Rahmen des Denkmalrechts läuft.
  • Die Immobiliengesellschaft Apollo Living bietet das leerstehende Haus schließlich für 2,9 Millionen Euro an.

"Ein Stück Frankfurter Geschichte" für 2,9 Millionen Euro gefällig? Das frühere "Institut für vergleichende Irrelevanz" (IvI), zehn Jahre lang von Studenten und Linken besetzt, wurde bis Donnerstag für diese Summe von der Apollo Living GmbH im Internet angeboten. Inzwischen ist die Anzeige, die die Immobilie im Kettenhofweg 130 in Frankfurt als "spannungsreiches Objekt" anpreist, allerdings wieder offline.

Verkaufsangebot für das IvI-Gebäude in Frankfurt
Verkaufsangebot für das IvI-Gebäude in Frankfurt Bild © Screenshot immobilienscout24.de

Hat die Frankfurter Immobiliengesellschaft innerhalb weniger Tage einen neuen Käufer für das leerstehende, ehemalige Gebäude der Goethe-Uni gefunden oder war der Medienrummel (Berichte z.B. hier und hier) um die Immobilie zu groß? "Kein Kommentar", sagte Apollo Living auf Anfrage von hessenschau.de.

Uni verkaufte Gebäude für eine Million Euro

Fest steht: Das einstige autonome Zentrum wird von Verkauf zu Verkauf wertvoller. Die Frankfurter Uni hatte das denkmalgeschützte Gebäude aus den 1950er-Jahren 2012 an die Immobiliengesellschaft Franconofurt AG verkauft. Kaufpreis: rund eine Million Euro. Franconofurt ließ die Immobilie ein Jahr später zwangsräumen, damit war es mit alternativen Veranstaltungen und Konzerten vorbei.

Franconofurt-Geschäftsführer Christian Wolf sagte, seine Gesellschaft wollte das Haus anders nutzen, unter anderem sollte im Erdgeschoss eine Kindertagesstätte entstehen. Daraus wurde allerdings nichts. "Das Hauptproblem sind die strengen Auflage des Denkmalamts", kritisierte Wolf gegenüber hessenschau.de. "Da haben wir auf Granit gebissen."

Planungsdezernat wehrt sich gegen Vorwürfe

Die Immobilie stehe nicht nur unter Denkmalschutz, sie sei ein Kulturdenkmal und damit auch von innen geschützt, erklärte Wolf. Für eine "normale Nutzung" wäre ein Umbau aber nötig gewesen. Wolf sieht die Gefahr, dass das Gebäude "noch Jahre leer steht und vor sich hin gammelt" - bis es schließlich so baufällig sei, dass es abgerissen werden müsse.

Das Planungsdezernat der Stadt Frankfurt wehrt sich gegen die Vorwürfe. "Jeder, der ein denkmalgeschütztes Gebäude erwirbt, sollte wissen, was er kauft und was damit verbunden ist", sagte Mark Gellert, Sprecher des Frankfurter Planungsdezernenten Mike Josef (SPD).

Bei einem Einzelkulturdenkmal müsse der Eigentümer besondere Anstrengungen unternehmen, um es zu wahren. Bestimmte Teile, wie die Fassade beim ehemaligen IvI, müssten unverändert erhalten bleiben. Grundsätzlich gebe es für Eigentümer bei denkmalgeschützten Gebäuden staatliche Unterstützung und steuerliche Vorteile.

Arzt erwirbt IvI für zwei Millionen

Trotz des Ärgers mit dem Denkmalamt, das dem Planungsdezernat unterstellt ist, hatte sich das IvI für Franconofurt gelohnt. Das Unternehmen verkaufte die Immobilie im Jahr 2014 an den Frankfurter Allgemeinmediziner Emanuel L., der im Westend praktiziert - für das Doppelte, also rund zwei Millionen Euro.

Emanuel L. gilt als einer der großen Frankfurter Immobilienspekulanten und saß laut "Frankfurter Rundschau" wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung und Geldwäsche eine Zeit lang in Untersuchungshaft. Dem Bericht zufolge hat der Arzt die Immobilie inzwischen weiterverkauft. Wem die Immobilie momentan gehört, konnte auch das Planungsdezernat nicht beantworten.

Gebäude ohne Erlaubnis entkernt

IvI Frankfurt
Ein Bild aus der Verkaufsanzeige: Die Räume wurden innen entkernt. Bild © Screenshot/ immobilienscout24.de

Emanuel L. hat das denkmalgeschützte Gebäude ohne Erlaubnis innen komplett entkernt - zum Leidwesen des Denkmalamts. "Hier läuft gegen den Eigentümer ein Verfahren im Rahmen des Denkmalrechts", sagte Sprecher Gellert vom Planungsdezernat. Es gebe derzeit eine rechtliche Prüfung. Es könnte laut Gellert darauf hinaus laufen, dass die Stadt den kompletten Rückbau fordert oder dass auf den Arzt ein Bußgeld in sechsstelliger Höhe zukommt. Für eine Stellungnahme war Emanuel L. nicht zu erreichen.

Baugenehmigung für Nutzungsänderung liegt vor

Im Internet wurde das Haus von der Immobiliengesellschaft Apollo Living nun für besagte 2,9 Millionen Euro angeboten. Für den nächsten Käufer - falls dieser vorhat, das Gebäude wirklich zu nutzen - gibt es derweil gute Nachrichten: Inzwischen liegt eine Baugenehmigung für eine Nutzungsänderung vor. Das bestätigte das Planungsdezernat hessenschau.de. Die Genehmigung sehe einen "Beherbergungsbetrieb mit bis zu 18 Betten" vor, es könnten zum Beispiel neue Apartments in dem Gebäude entstehen.

Den momentanen Leerstand bezeichnete Sprecher Gellert als "unerfreulich". Mit einem weiteren Verkauf steige aber die Hoffnung, dass das Gebäude einer neuen Nutzung zugeführt werde. Ein Paradebeispiel für Spekulationen mit leerstehenden Gebäuden sieht Gellert im ehemaligen IvI nicht. "Klar gibt es Einzelfälle, aber das ist kein Massenphänomen in Frankfurt."