JVA Kassel Wehlheiden
Wachturm der Justizvollzugsanstalt Kassel-Wehlheiden. Bild © picture-alliance/dpa

Das Gefängnis im Kasseler Stadtteil Wehlheiden ist das zweitgrößte in Hessen. Nach 135 Jahren soll es zum ersten Mal von Grund auf saniert werden - und das bei laufendem Betrieb.

Die Justizvollzugsanstalt (JVA) im Kasseler Stadtteil Wehlheide wurde im 19. Jahrhundert gebaut. Seit 135 Jahren sitzen hier Gefangene ein - und seit 135 Jahren wurde keine grundlegende Renovierung durchgeführt. Dies soll nun geschehen, wie Hessens Justizministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) am Donnerstag ankündigte.

Auch hinsichtlich des Energieverbrauchs soll der Gebäudekomplex modernisiert werden. Für die Arbeiten veranschlagt das Justizministerium insgesamt 100 Millionen Euro - und einen Zeitraum von zehn Jahren.

"Operation am offenen Herzen"

Die lange Bauzeit erklärte das Ministerium damit, dass der Umbau schrittweise und während des laufenden Betriebs erfolgen soll. Dies gleiche "einer Operation am offenen Herzen", sagte Kühne-Hörmann. "Denn Arbeitsabläufe, Sicherheitspläne und andere vollzugliche Abläufe müssen neu koordiniert und aufeinander abgestimmt werden." Die Sanierung werde Trakt für Trakt vorgenommen.

Zunächst werden jetzt die Bauleistungen europaweit ausgeschrieben, im Herbst kommenden Jahres sollen dann die "richtigen" Arbeiten beginnen - mit dem Bau einer provisorischen Lärmschutzwand, die Anwohner während der langen Sanierungszeit entlasten soll.

Wirtschaftsfaktor Haftanstalt

Laut Ministerium hat die JVA Kassel I rund 330 Beschäftigte. Mit über 500 Haftplätzen ist Kassel I nach Weiterstadt die zweitgrößte Haftanstalt in Hessen. Derzeit sind rund 470 Menschen in der JVA Kassel I inhaftiert. Kühne-Hörmann betonte, ein Gefängnis in dieser Größenordnung sei auch ein Wirtschaftsfaktor für die Region. Und, so Kühne-Hörmann weiter: Die Sanierung sei "eine Entscheidung, die den Standort für Jahrzehnte sichert".

Sendung: hr-iNFO, 14.09.2107, 10.20 Uhr