Stadtdekan Johannes zu Eltz
Stadtdekan Johannes zu Eltz Bild © Imago

Selbst wenn katholische Pfarrer homosexuelle Paare nur segnen, müssen sie das heimlich tun. Frankfurts Stadtdekan Johannes zu Eltz will ein Ende der kirchlichen "Hartherzigkeit" - und eine Zeremonie ohne Verwechslungsgefahr.

Eheversprechen ablegen, Ringe anstecken – für eine solche Trauung am Altar kommen nach katholischer Lehre homosexuelle Paare genauso wenig in Frage wie wiederverheiratete Geschiedene. Daran will der Frankfurter Stadtdekan Johannes zu Eltz nicht rütteln. Auf dem zweiten Frankfurter Stadtkirchenforum hat er aber Pläne für eine kleinere Revolution vorgestellt: Die Amtskirche soll den bislang ausgeschlossenen Paaren in einer neuen Zeremonie einen speziellen Segen spenden. Lange dürfe die Kirche damit nicht mehr warten, warnt er.

hessenschau.de: Herr zu Eltz, der Wetzlarer Stadtdekan verlor vor einigen Jahren seinen Posten, weil er ein homosexuelles Paar gesegnet hatte. Verboten ist es immer noch. Sie wollen das ändern. Wie kommt es dazu?

Johannes zu Eltz: Wir haben vor zwei Jahren beim ersten "Frankfurter Stadtkirchenforum" erhoben, was die Menschen wirklich beschäftigt. Da war das ein wichtiges Thema, und zwar auf dem Feld "Gerechtigkeit". Es ging um die Frage: Hält es dem Evangelium stand, ist es mit dem Anspruch an uns selbst zu vereinbaren, wie wir mit den Betroffenen umgehen? Oder grenzen wir sie faktisch vom Heil aus?

hessenschau.de: Und über das Ausgrenzen denken Sie und die Kirche nun anders?

zu Eltz: Mir selbst war das Anliegen früher jedenfalls nicht so nahe. Im Wetzlarer Fall war mir auch nicht klar, dass es dem damaligen Bischof vor allem um den eigenen Ruf ging. Ich empfand das Vorgehen vor allem als ungeschickt vom Bezirksdekan. Er ist denen, die uns da sowieso auf dem Kieker haben, voll ins Messer gelaufen. Mit der Zeit hat sich aber meine Perspektive auf das Thema geändert. Ich muss doch die Menschen anschauen! Es geht da nicht nur um allgemeine Wahrheiten aus dem Naturrecht. Ein Seelsorger muss sehen: Was glauben die Leute, wessen bedürfen sie, was erbitten sie – und dann Entscheidungen treffen. Dazu braucht er aber eine kirchliche Ordnung, die den Rahmen gibt. So eine Segnung darf nicht meinem persönlichen Wohlwollen entspringen. Sie muss ein kirchlicher Dienst sein.

hessenschau.de: Es gibt offenbar Seelsorger im Bistum, die homosexuelle Paare eben heimlich segnen.

zu Eltz: Die gibt es wohl. Die Kollegen in Frankfurt kommen damit aber nicht zum Stadtdekan. Die wissen, was ich antworten müsste: Das geht nicht. Das hat etwas Verschwiemeltes. Dieses Handeln im Halbdunkeln ist strukturell unehrlich, auch wenn alle Beteiligten guten Willens sind. Es geht nun darum, alle Steine umzudrehen und das, was geht, ins rechte Licht zu stellen. Das heißt auch, dass die Kirchen der Ort für eine solche Segnung sein müssten.

hessenschau.de: Warten viele Paare, die nicht kirchlich heiraten können, auf den amtlichen kirchlichen Segen?

zu Eltz: Ich fürchte, nicht mehr. Es ist fünf vor zwölf. Wir können nicht warten, bis wir die Letzten aus der Kirche getrieben haben, die an unserer Hartherzigkeit leiden. Wunderbarerweise gibt es immer noch Menschen, die das in der Gemeinde ausgehalten haben. Sie sind nicht ausgetreten. Sie wünschen sich immer noch, dass die Hirten ihnen entgegenkommen. Das ist aber zutiefst die Sehnsucht nach Gott, nicht nach der Kirche.

hessenschau.de: Was ist der Unterschied zu einer Trauung?

zu Eltz: Bei der kirchlichen Trauung von Mann und Frau entsteht nach katholischem Verständnis ein sakramentales Band. Bei der Segnung hingegen ist der Lebensbund schon geschlossen und wird gleichsam in die Feier mitgebracht. Die Ernsthaftigkeit der Beziehung könnte gut durch eine staatliche Eheschließung zum Ausdruck kommen. Es geht dabei übrigens nicht nur um gleichgeschlechtliche Paare. Der Segen wäre auch für "geschieden Wiederverheiratete" möglich oder für ein Paar, das sich die Ehe als Sakrament noch nicht zutraut.

hessenschau.de: Den Segen des Osnabrücker Bischofs Bode für Ihre Initiative hätten Sie. Er hat gerade eine ähnliche Initiative gestartet. Wie hat Ihr Bischof in Limburg reagiert?

zu Eltz: Nichts wirkt mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist. Von daher: Danke, Bischof Bode! Er hat mit seiner Autorität die Tür aufgemacht. Uns in Frankfurt ist es besonders wichtig, dass wir mit dem Bistum vertrauensvoll im Gespräch sind und die Einheit mit dem Bischof wahren. Unser Bischof Georg Bätzing hat entschieden: Über unseren Vorschlag darf frei gesprochen werden. Für und Wider sollen zur Sprache kommen. Mit Blick auf die Verkrampfheit, mit der das Thema bisher behandelt wurde, ist das eine ganz großartige Offenheit!

hessenschau.de: Widerstand dürfte aber aus Rom kommen, oder?

zu Eltz: Ich hoffe vielmehr, dass der Papst sich beim Wort nehmen lässt. Er hat ja selbst immer wieder gezeigt, dass er von den Ortskirchen ein kulturangemessenes Vorgehen erwartet. Was wir vorschlagen, dürfte nicht zum unüberwindlichen Ärgernis für die Gemeinschaft der Gläubigen werden und die Kirche spalten. Auch die es nicht richtig finden, müssten damit leben können. Ich glaube, das dürfen wir für den Bereich der Deutschen Bischofskonferenz erhoffen. Für die Weltkirche jetzt sicher noch nicht.

hessenschau.de: Die staatliche Ehe für alle kam auch erst nach langer Zeit und mehreren Vorstufen. Wird aus der Segnung, die sie vorschlagen, vielleicht irgendwann dann auch die katholische Trauung für alle.

zu Eltz: Das glaube ich nicht. Das hängt mit unserem katholischen Eheverständnis zusammen. Das volle Heilszeichen ist an Gegengeschlechtlichkeit und Offenheit für Kinder gebunden. Das heißt aber nicht, alles andere in die Tonne zu treten. Es gab in unserer Ordnung bisher nur "alles oder nichts". Wir haben uns Gradualität nicht zugetraut. Aber das Leben ist eben so. Und dafür sind wir da.

Das Gespräch führte Wolfgang Türk.