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Weg aus der Heimat - viele Türken beantragen Asyl in Deutschland. Bild © picture-alliance/dpa

Immer mehr Türken suchen in Hessen Zuflucht. Die Flüchtlingsorganisation Pro Asyl geht davon aus, dass ihre Zahl weiter steigen wird. Insgesamt kommen aber deutlich weniger Flüchtlinge nach Hessen.

Erst vor wenigen Tagen hatte die EU in Brüssel erneut die Menschenrechtslage in der Türkei kritisierte. Seit dem gescheiterten Staatsstreich gegen Präsident Recep Tayyip Erdogan vor gut einem Jahr sind in der Türkei mehr als 50.000 Menschen unter dem Vorwurf festgenommen worden, in Verbindung mit den Putschisten gestanden zu haben. Kritiker werfen der Regierung vor, mittlerweile gegen jede Opposition vorzugehen.

Einige von ihnen sind inzwischen ins Exil gegangen, auch nach Hessen - und ihre Zahl steigt. Im Juni stellten Türken die zweitgrößte Gruppe unter den Flüchtlingen, die nach Hessen kamen, wie das hessische Sozialministerium mitteilte.

Pro Asyl: "Lage verschärft sich"

Von allen Neuankömmlingen stammten 18,1 Prozent aus Syrien, gefolgt von der Türkei mit 12,1 Prozent. Allerdings: Die absoluten Zahlen bewegen sich damit noch im dreistelligen Bereich. Hinter den 12,1 Prozent stehen dem Ministerium zufolge 100 Personen. In den ersten sechs Monate dieses Jahres, machten türkische Flüchtlinge mit 8,3 Prozent die viertgrößte Gruppe aus. Im Jahr 2016 stammten von allen Asylsuchenden 2,5 Prozent aus der Türkei.

Die Flüchtlingsorganisation Pro Asyl geht angesichts der aktuellen politischen Situation davon aus, dass die Zahl der Asylsuchenden aus dem Land noch steigen wird. Die ersten Regierungsjahre von Präsident Recep Tayyip Erdogan seien geprägt von niedrigen Flüchtlingszahlen aus der Türkei und einigen rechtsstaatlichen Verbesserungen gewesen, sagte Bernd Mesovic, der Leiter der Abteilung Rechtspolitik bei Pro Asyl. Doch spätestens seit dem Putschversuch vor einem Jahr erlebe man, dass sich die Lage "im extremen Tempo verschärft".

Insgesamt deutlich weniger Flüchtlinge

Insgesamt hat Hessen in den ersten sechs Monaten dieses Jahres mehr als 5.700 Flüchtlinge aufgenommen. Das sind nach den Zahlen des hessischen Sozialministeriums in etwa so viele Asylsuchende, wie im Sommer 2015 allein im Juli registriert wurden: Damals waren es 5945.

Aktuell bewegen sich die Flüchtlingszahlen nach Ministeriumsangaben auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau. "Die Zugangssituation ist derzeit so, dass wir im März 2017 unsere Unterbringungskapazitäten vor dem Hintergrund des Rückgangs der Flüchtlingszahlen weiter reduziert und damit Kapazitäten maßvoll angepasst haben", teilte das Ministerium weiter mit. Das Land sei aber dennoch vorbereitet, sollte die Zahl der Asylsuchenden wieder steigen.

Weniger Menschen kommen übers Mittelmeer

In ganz Deutschland ging die Zahl der Asylsuchenden ebenfalls zurück: Im ersten Halbjahr 2017 kamen mit 90.000 Asylsuchenden nicht einmal halb so viele wie im Vergleichszeitraum 2016. In der ersten Jahreshälfte flüchteten deutlich weniger Menschen über das Mittelmeer. Der deutliche Rückgang lässt sich auch mit dem Abkommen zwischen der EU und der Türkei erklären. Es sieht vor, dass die Türkei den Flüchtlingszustrom eindämmt und die EU alle Migranten, die illegal über die Türkei auf die griechischen Inseln kommen und kein Asyl erhalten, zurückschicken kann.

Sendung: youfm, 30. Juli 2017, 13 Uhr

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