Mit seiner Jacke verdeckt ein ein Mann aus dem Umfeld der Koran-Verteilaktion "Lies" auf der Frankfurter Zeil sein Gesicht.
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Das hessische Innenministerium hat die Suspendierung zweier Mitarbeiter der Salafismus-Beratungsstelle VPN aufgehoben. Sie waren wegen möglicher Kontakte zur islamistischen Szene ins Visier des Verfassungsschutzes geraten.

Die Vorwürfe gegen zwei Mitarbeiter des "Violence Prevention Network" (VPN) sind entkräftet. Nachdem bereits am Freitag die Suspendierung einer 26 Jahre alten Beschäftigten der Beratungsstelle gegen salafistische Radikalisierung aufgehoben worden war, wurde nun auch ihr Kollege entlastet.

Die Überprüfung des 27-Jährigen habe ebenfalls "keine tatsächlichen Anhaltspunkte für extremistische Bestrebungen" ergeben, teilte das hessische Innenministerium auf Anfrage mit.

Überprüfung aller Mitarbeiter angeordnet

Das Ministerium hatte bereits Anfang des Jahres eine Sicherheitsüberprüfung vorgenommen. Nachdem hr-iNFO das Ministerium und VPN mit weiteren Hinweisen auf mögliche Verbindungen zu Extremisten konfrontiert hatte, ließ das Innenministerium die beiden Mitarbeiter vor vier Wochen suspendieren. Außerdem wurde die Überprüfung der 13 weiteren Mitarbeiter angeordnet. Diese Ergebnisse liegen noch nicht vor.

VPN betreut in Frankfurt junge Menschen, die entweder bereits islamistisch radikalisiert wurden oder gefährdet sind. Die Organisation berät zudem Familien, die um ihr Kind ernsthaft besorgt sind.

Propaganda von Salafisten

VPN-Geschäftsführer Thomas Mücke zeigt sich über das Ergebnis der Überprüfung erleichtert. "Jetzt geht es darum, die beiden schnell wieder in die Arbeitsprozesse reinzukriegen", sagte Mücke. Er sieht keinen Anlass zur Kritik an dem Verfahren des Ministeriums: "Die Fragestellungen mussten durch den Zuwendungsgeber im vollen Umfang geprüft werden", sagte Mücke.

Probleme habe man in der Sache nicht mit der journalistischen Berichterstattung gehabt, sondern mit der Diskussion in den sozialen Netzwerken. Dort hätten salafistische Kreise die Suspendierungen für ihre propagandistischen Zwecke aufgegriffen.

Muslimischen Mitarbeitern von Präventions- und Beratungsstellen wird von Salafisten der Vorwurf gemacht, sich aufgrund eines "falschen Islamverständnisses" zu Helfern des Staates zu machen, den sie als säkulare Anmaßung ablehnen.

Religiöser Zugang zu Jugendlichen

Die in Berlin ansässige Beratungsstelle VPN gibt es in Hessen seit 2014. Sie hat ihren Sitz in Frankfurt sowie eine Außenstelle in Kassel und beschäftigt überwiegend muslimische Mitarbeiter. Das Land zahlt für die Dienstleistung im laufenden Jahr 1,2 Millionen Euro. Der Vertrag läuft jeweils auf ein Jahr.

VPN setzt sehr stark auf einen religiös fundierten Zugang zu gefährdeten Jugendlichen. Ansätze anderer Träger von Prävention sind stärker im Bereich der klassischen Sozial- und Jugendarbeit angesiedelt. Im Vorfeld der Vergabe der Präventionsarbeit an VPN bestand 2014 aufgrund der Hochphase der Dschihad-Ausreisewelle politischer Handlungsdruck.

Das Innenministerium entschied sich mit der Vergabe an VPN für einen einzigen Träger. Im Unterschied zu der gewachsenen Präventionslandschaft im Bereich Rechtsextremismus. Hier arbeiten über 30 Träger aus ganz Hessen im Bereich Beratung, Prävention, politische Bildung oder Ausstiegshilfe in einem Netzwerk zusammen.

Sendung: hr-iNFO, 21. März 2017, 15 Uhr