Schulstreik in Kassel
Schüler demonstrieren in Kassel mit einem Pappsarg gegen den Verfall ihrer Schulen. Bild © picture-alliance/dpa

Sie beklagen verschimmelte Klassenzimmer und den schlechten Zustand ihren Schulen: Hunderte Schüler haben in Kassel demonstriert und mehr Ausgaben für Schul-Sanierungen gefordert. Der Oberbürgermeister kritisierte die Aktion.

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Statt in den Unterricht zu gehen, haben sich Schüler in Kassel am Montagmorgen vor dem Rathaus getroffen, um gegen den schlechten Zustand vieler Schulgebäude sowie Lehrermangel zu demonstrieren. Schüler trugen symbolisch die Bildung in einem selbstgebastelten Pappsarg zu Grabe.

Aufgerufen zu dem Schulstreik hatte das Bündnis "Unsere Zukunft erkämpfen". Nach Angaben des Bündnisses nahmen etwa 1.000 Schüler aus über zehn Kasseler Schulen teil. Die Polizei schätzte die Zahl der Teilnehmer auf rund 350. Zu Zwischenfällen kam es nicht.

Auf der Facebook-Seite des Bündnisses hieß es: "Viele Schulen in Kassel sind seit Jahren sanierungsbedürftig. Es fehlen für Sanierung und Modernisierung rund 144 Millionen Euro, wir müssen immer mehr Materialien selbst bezahlen und viele - vor allem aktuelle - Unterrichtsmaterialien fehlen."

Bündnis nimmt Stadt in Verantwortung - OB kritisiert Streik-Aufruf

Hinter dem Bündnis stehen unter anderem der Stadtschülerrat und die Lehrergewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Bündnis-Sprecherin Vanessa Diener sagte, viele Kasseler Schulen seien marode. Einige Klassenzimmer seien sogar verschimmelt, in andere regne es rein. Die Zustände seien unerträglich - für Schüler wie Lehrer, sagte Diener. Die Stadt müsse mehr Geld in die Schulen investieren und sich ihrer Verantwortung stellen, forderte die Sprecherin.

Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) kritisierte in einer Stellungnahme über Twitter am Nachmittag die Aktion: "Nicht akzeptieren kann ich den Aufruf der Initiatioren für den Schulstreik", so Geselle.

Schüler mit Plakaten bei der Demo am Montag in Kassel.
Schüler mit Plakaten bei der Demo am Montag in Kassel. Bild © Michael Przibilla (hr-iNFO)

Schließlich habe er gemeinsam mit Schuldezernentin Anne Janz (Grüne) Vertretern des Stadtschülerrates im November "ausführlich erläutert, dass in die Kasseler Schulen 2018 weit mehr investiert wird als die 2,7 Millionen Euro, von denen im Aufruf zum Streik die Rede ist", sagte der OB. So würden im kommenden Jahr zusammen mit Geldern des Landes und Bundes gut 31 Millionen Euro in die Renovierung der Schulen in Kassel fließen.

Opposition kritisiert Sanierungsstau

Auch in der Landeshauptstadt Wiesbaden gab es Reaktionen auf die Schülerdemo: Ein Sprecher des hessischen Kultusministeriums sagte, in erster Linie sei die Stadt Kassel für die Instandhaltung und Sanierung ihrer Schulgebäude zuständig. Das Land schaue aber keinesfalls weg, sondern helfe teilweise sogar dann, wenn es nicht zuständig sei. So habe man das Kommunalinvestitionsprogramm auf über 500 Millionen erhöht.

Kritik kam von der Opposition im hessischen Landtag. "Es ist ja bekannt, dass es um die hessischen Schulen schlecht steht", sagte der Sprecher der SPD-Landtagsfraktion Christoph Gehring. Die Kommunen hätten einfach nicht genug Geld. "Dann sehen Schulen eben so aus." Gehring forderte, das Kooperationsverbot zwischen Bund und Ländern müsse fallen.

Die bildungspolitische Sprecherin der hessischen Linken-Fraktion, Gabi Faulhaber, betonte: "Die Landesregierung will das wirkliche Ausmaß des Sanierungsstaus nicht wahrhaben". Der Zustand vieler Gebäude sei mehr als erschreckend. Gutes Lernen brauche eine gute Umgebung.

Umleitungen im Nahverkehr

Die Schüler-Demo führte am Vormittag durch die Innenstadt. Fahrzeuge der Kasseler Verkehrssesellschaft fuhren eine Umleitung. Gegen 16 Uhr war eine Kundgebung wieder vor dem Rathaus geplant. Anlass ist die Sitzung der Stadtverordneten. Sie wollen den Haushalt für 2018 beschließen.

Nach Angaben des Kasseler Schulamts gibt es für die Demo keine Unterrichtsbefreiung. Schüler, die teilnehmen, fehlten unentschuldigt.