Eine Besucherin der NSU-Ausstellung in Nidda.
Eine Besucherin der NSU-Ausstellung in Nidda. Bild © Birgit Mair/ISFBB

In Nidda informiert eine Ausstellung über die Opfer und die Verbrechen des NSU. Die Verantwortlichen wurden jetzt per Post beschimpft. Einer Ausstellungsmacherin kommen die Briefe bekannt vor.

Die meisten Plädoyers sind vorgetragen vor dem Oberlandesgericht München, im NSU-Prozess rücken die Urteile näher. Es geht um die Verbrechen jener Terrorgruppe, die zwischen den Jahren 2000 und 2011 in ganz Deutschland - auch in Hessen - ihr Unwesen trieb und unter anderem zehn Menschen getötet haben soll.

Um die Geschichte der Rechtsterroristen insbesondere für Jugendliche greifbar zu machen, hat Reinhard Pfnorr, Leiter des Heimatmuseums von Nidda, die Wanderausstellung "Die Opfer des NSU und die Aufarbeitung der Verbrechen" in die Wetterau-Stadt geholt. Es ist schon die 152. Station der Schau, die in ganz Deutschland über die Opfer, die Verbrechen und die Unterstützer des NSU informiert. Mehrere Klassen des örtlichen Gymnasiums haben die Ausstellung schon gesehen. Geführt werden sie von eigens gecoachten Schülern.

Schon bei der Eröffnung kam es zum Eklat

Schon bei der Eröffnung Mitte Januar war es zu einem Eklat gekommen, weil mehrere lokale Anhänger der rechtsextremen NPD vor dem Museum gegen die Ausstellung protestierten. "NSU=Staatskonstrukt" und "Verfassungsschutz auflösen", stand auf ihrem Transparent.

Nun berichtet Pfnorr, dass er und viele andere, die mit der Ausstellung zu tun haben - der Museumsverein, die SPD-Ortsgruppe, die Schülervertretung am Gymnasium - Briefe mit rechtsextremen Botschaften erhalten haben. Als Absender des Briefs an Pfnorr war eine sogenannte "Bürgerinitiative gegen rotextreme Umtriebe und Lügenhetze" angegeben. Der Autor erklärte beispielsweise die in München angeklagte Beate Zschäpe für unschuldig. Zuerst hatte der Kreis-Anzeiger darüber berichtet.

Es kam auch schon mal ein Stein durchs Fenster geflogen

Die Polizei in Friedberg bestätigt, dass ihr drei der Briefe vorliegen. "Möglicherweise gibt es noch weitere", sagt Sprecherin Sylvia Frech. "Wir prüfen, wie viele Schreiber dahinter stecken - und ob ihr Inhalt womöglich strafrechtlich relevant ist."

Birgit Mair ist Projektleiterin beim Nürnberger Verein "Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung, Bildung und Beratung" (ISFBB), der die Ausstellung konzipiert hat. Sie sagt, sie habe auch schon Todesdrohungen erhalten - zudem sei bei der Ausstellungseröffnung in Rostock ein Stein durchs Rathausfenster geflogen.

Die Briefe sehen vertraut aus

Mair kommen die in Nidda aufgetauchten Briefe bekannt vor - die Handschrift und der Inhalt erinnere sie stark an einen sehr ähnlichen Brief, den die IG Metall Herborn erhalten hatte, nachdem sie dieselbe Ausstellung in Wetzlar im November 2016 unterstützt hatte, sagt sie.

Der Verfasser des Briefs konnte damals ermittelt werden. Im November 2017 wurde der Frankfurter wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe in Höhe von 2.100 Euro verurteilt. Er war zuvor schon einschlägig vorbestraft wegen Beleidigung und Volksverhetzung. Im aktuellen Fall dauern die Ermittlungen noch an, zu einem möglichen Zusammenhang wollte sich die Polizei nicht äußern.