Organspendeausweise
Jeder dritte Deutsche ist bereit, seine Organe zu spenden. Bild © Imago

Die Zahl der Organspenden ist dramatisch zurückgegangen. Die Deutsche Stiftung Organtransplantation macht dafür die Krankenhäuser mitverantwortlich. Fragen und Antworten zum Thema Organspende.

Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) schlägt Alarm: Die Zahl der Organspenden sei bundesweit auf dem niedrigsten Stand seit zwanzig Jahren, erklärte die Stiftung auf ihrem Jahreskongress am Donnerstag in Frankfurt. Auch in Hessen sind die Spenden demnach in den letzten Jahren zurückgegangen. Woran das liegt? Hier die Fakten.

Wie ist die Situation in Hessen?

Immer weniger Hessen spenden ihre Organe. Vor zwanzig Jahren spendeten nach Angaben des DSO noch 74 Hessen postmortal Organe, im vergangenen Jahr waren es nur noch 56 Spender. Dabei warteten Ende 2016 knapp 700 schwerkranke Hessen auf eine Organtransplantation.  Bundesweit benötigen über 10.000 Menschen eine Transplantation.

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Warum werden immer weniger Organe gespendet?

An der Spendebereitschaft liegt das offenbar nicht. Jeder dritte Deutsche hat einen Organspendeausweis oder sich durch eine Patientenverfügung dazu bereit erklärt, nach dem Tod ein oder mehrere Organe zu spenden. Das besagt eine Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Die Probleme liegen laut DSO bei den Entnahmekrankenhäusern. Wegen des immer größeren Zwangs zur Wirtschaftlichkeit und der Arbeitsverdichtung der Krankenhäuser fehle es häufig an Personal. Zudem reiche die Pauschale, die die Krankenhäuser für eine Organentnahme bekommen, häufig nicht aus. Wirtschaftlich lohnt sich nach Einschätzung des DSO eine Organspende für Krankenhäuser also nicht.

Ein weiteres Problem sei, dass Intensivpatienten beziehungsweise ihre Angehörigen oft nicht auf eine mögliche Organspende angesprochen würden. Lebenserhaltungsmaßnahmen würden deswegen häufig abgebrochen, bevor über eine mögliche Organspende nachgedacht würde. Dies liege daran, dass die Motivation für das Thema durch den Personalmangel und die Wirtschaftlichkeit fehle. Zudem liege der Fokus des Entnahmekrankenhauses zunächst selbstverständlich mehr auf dem sterbenden Patienten als auf dem, der ein Organ dringend benötigt, sagt die DSO.

Wie viel kostet eine Organentnahme?

Das kann man pauschal nicht sagen. Fest steht aber, dass Organentnahmen immer teurer werden, da die Spender auch immer älter werden: ältere Spenderorgane müssen aufwendiger überprüft werden, ob sie noch verwendet werden können.

Für eine Organentnahme bekommen die Krankenhäuser in der Regel 3.890 Euro, werden mehrere Organe entnommen, beträgt die Pauschale 4.878 Euro. Häufig müssten die Krankenhäuser allerdings draufzahlen, sagt die DSO.

Wie verläuft eine Organspende?

Die Schritte sind klar geregelt. Nachdem der Betroffene oder Angehörige einer Organentnahme zugestimmt haben, wird das Spenderblut untersucht, um festzustellen, ob eine Organspende möglich ist. Daraufhin werden die DSO und die Stiftung Eurotransplant informiert, die klären, wer das Organ erhalten soll.

Organspende Grafik
Bild © hessenschau.de