Peter Kohlgraf, Mainzer Dom
Peter Kohlgraf wird neuer Mainzer Bischof. Bild © Katholische Hochschule Mainz, picture-alliance/dpa

Papst Franziskus hat den Theologen Peter Kohlgraf zum neuen Bischof von Mainz ernannt. Der Professor wird damit auch Oberhirte vieler Katholiken in Hessen. Und er tritt ein großes Erbe an.

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Um Punkt zwölf Uhr am Dienstagmittag wurde die Entscheidung von Papst Franziskus in Rom und Mainz bekannt gegeben: Der Kölner Theologe Peter Kohlgraf wird neuer Bischof von Mainz - und damit der Nachfolger von Kardinal Karl Lehmann, der im vergangenen Mai aus Altersgründen aus dem Amt geschieden war.

Das Bistum Mainz umfasst auch viele Dekanate in Hessen. Dazu zählen unter anderem Darmstadt, Offenbach, Gießen, Rüsselsheim und Alsfeld, aber auch die Bergstraße und die Wetterau. Ein Termin für die Bischofsweihe steht nach Angaben des Bistums Mainz noch nicht fest.

Grafik Bistum Mainz
Das Bistum Mainz umfasst Pfarreien in Hessen und Rheinland-Pfalz mit insgesamt knapp 750.000 Katholiken. Bild © hessenschau.de

Glückwunsch vom Nachbarn

Der 50-jährige Kohlgraf hatte in Bonn Theologie studiert und wurde 1993 in Köln zum Priester geweiht. Seit 2012 lehrt er als Professor für Pastoraltheologie an der Katholischen Hochschule in Mainz. Seitdem ist Kohlgraf auch als Pfarrvikar in der Pfarrgruppe Wörrstadt in Rheinland-Pfalz tätig. Zum Wintersemester 2016/2017 ernannte ihn Kardinal Lehmann zum Dekan des Fachbereichs Praktische Theologie.

Kohlgraf will in seinem neuen Amt Seelsorger bleiben. "Das ist meine Hoffnung, dass man als Bischof nicht nur als der Dienstvorgesetzte wahrgenommen wird", sagte er in Mainz. Den Papst bezeichnete er als "Impulsgeber" für den Umgang mit Armen. Dies sei eine Kernaufgabe der Kirche. Menschen in Armut dürften nicht nur als Hilfeempfänger wahrgenommen werden. Sie seien Teil der Gesellschaft und der Kirche.

Einer der ersten Gratulanten war Limburgs Bischof Georg Bätzing. "Peter Kohlgraf ist ein hervorragender Lehrer, ein guter Seelsorger, ein erfahrener Mensch, auch in der Personalführung", sagte Bätzing. Etwas Besseres habe dem Nachbarbistum nicht passieren können. Bätzing und Kohlgraf kennen sich persönlich aus ihrer Zeit in der Priesterausbildung.

Jung gratuliert neuem Bischof

Der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Volker Jung, hat den neuen Bischof von Mainz mit Freude begrüßt: "Ich gratuliere dem neuen Mainzer Bischof zur Wahl und wünsche ihm für seinen Dienst viel Kraft und Gottes Segen", sagte er. Er sei zuversichtlich, dass mit Kohlgraf die "enge ökumenische Verbundenheit und bewährte Tradition weiter fortgesetzt wird."

Für die Katholiken des Bistums Mainz, die zu einem großen Anteil in Hessen lebten, sei es sehr erfreulich, dass eines der traditionsreichsten Bistümer Deutschlands nun wieder einen Oberhirten habe, gratulierte auch Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU). Seine pastoraltheologischen Erfahrungen und seine Kenntnisse aus der Praxis würden sicher dazu beitragen, "die den Menschen zugewandte Leitung des Bistums auch künftig fortzusetzen".

Auch SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel gratulierte Kohlgraf: "In Zeiten wie diesen braucht es Persönlichkeiten, die Menschen zusammenführen können und Orientierung geben", sagte er.

Rücktrittsgesuch am 80. Geburtstag

Kardinal Karl Lehmann
Verabschiedete sich an seinem 80. Geburtstag während eines Gottesdienstes im Mainzer Dom in den Ruhestand: Kardinal Karl Lehmann. Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Papst Franziskus hatte am 16. Mai 2016, dem 80. Geburtstag von Kardinal Lehmann, dessen Rücktrittsgesuch als Bischof von Mainz angenommen. Damit ist der Bischofsstuhl von Mainz seit knapp einem Jahr vakant.

Lehmann stand fast 33 Jahre lang an der Spitze des Bistums Mainz. Von 1987 bis 2008 war er Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Anfang 2001 erhob ihn der damalige Papst Johannes Paul II. zum Kardinal.

Einen Tag nach Lehmanns Abschied hatte das Mainzer Domkapitel den bisherigen Generalvikar Dietmar Giebelmann zum sogenannten Diözesanadministrator gewählt. Giebelmann leitete das Bistum bis zur Ernennung eines neuen Bischofs.

Vertreter eines weltoffenen Christentums

Lehmann gilt als einer der prominentesten deutschen Katholiken, als Brückenbauer und Mann des Dialogs. Er steht für ein weltoffenes, lebensbejahendes Christentum, für die Erneuerung der Kirche und für den Geist der Ökumene.

Im vergangenen November zeichnete Ministerpräsident Bouffier den früheren Mainzer Bischof mit der Wilhelm-Leuschner-Medaille aus - der höchsten Auszeichnung des Landes Hessen. Damals sagte Bouffier, Lehmann sei eine Idealbesetzung im Amt des Bischofs gewesen. Die Menschen in und um Hessen hätten 'ihren Karl' tief ins Herz geschlossen, so Bouffier.

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Das Bistum Mainz

Das Bistum Mainz erstreckt sich auf Hessen und Rheinland-Pfalz. Zwei Drittel der Fläche liegen in Hessen. Zudem gehört das in Baden-Württemberg gelegene Bad Wimpfen zum Bistum Mainz. Insgesamt leben knapp 750.000 Katholiken in der Diözese Mainz. Sie kann auf eine 1.600-jährige Geschichte zurückblicken, davon rund tausend Jahre als Erzbistum. Die Anfänge des Bistums reichen ins 4. Jahrhundert zurück. Mittelpunkt der einst größten Erzdiözese Europas ist der Dom zu Mainz. Der vom Papst am Dienstag ernannte Pastoraltheologe Peter Kohlgraf ist nach offizieller, aber historisch nicht gesicherter Zählung der 103. Bischof von Mainz. Mit Sicherheit wird er der 88. Nachfolger des heiligen Bonifatius sein, der von 746 bis 754 auf dem Bischofsstuhl saß.

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