Atomkraftwerk Biblis
Atomkraftwerk Biblis Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland klagt gegen die Genehmigung für den Abbau des Atomkraftwerks Bilbis. Die Befürchtung des BUND: Der Strahlenschutz ist zu gering. Außerdem könne radioaktives Material in die Umwelt gelangen - auf legalem Weg.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat vor dem Verwaltungsgerichtshof in Kassel Klage gegen das Land Hessen eingereicht. Das teilte der Verband am Mittwoch in Frankfurt mit.

Die Klage richtet sich gegen die Genehmigung für den Abbau des Atomkraftwerks Biblis, im Speziellen gegen den Abbau von Anlagenteilen in Reaktor A. Ein Sprecher des Gerichtshofes bestätigte, dass eine Klage gegen das Land eingegangen sei. Wann darüber entschieden werde, sei noch nicht absehbar.

Gefahr durch radioaktiven Abfall

Grundsätzlich sei man für den Abbau des Kernkraftswerks, sagte Werner Neumann vom BUND Hessen auf hessenschau.de-Anfrage. "Aber wir wollen dabei zwei wesentliche Dinge: einen größtmöglichen Strahlenschutz und Transparenz für die Öffentlichkeit." Das sei bisher nicht der Fall.

Nach Ansicht des BUND sind die angesetzten Strahlenschutzwerte um den Faktor zehn zu hoch, neue Erkenntnisse der Forschung würden nicht berücksichtigt. Außerdem entstünden beim Abriss große Mengen radioaktiven Abfalls. "Ein Teil davon soll, unterhalb eines bestimmten Grenzwertes, in der Umwelt verteilt werden", sagte Neumann. Es lande auf Deponien, in Müllverbrennungsanlagen oder als Recyclingmaterial in Gegenständen. Das sei rechtlich in Ordnung, aber der BUND lehne diese Möglichkeit ab. Hier wolle man eine Grundsatzdiskussion anstoßen.

Ministerin: "Keinerlei Beeinträchtigung"

Das Umweltministerium hatte dem Betreiber RWE Ende März grünes Licht für die Stilllegung und den Abbau der Reaktoren A und B gegeben. Ministerin Priska Hinz (Grüne) betonte damals: "Für Mensch und Umwelt sind keinerlei Beeinträchtigungen zu erwarten." Die Emissionen würden regelmäßig gemessen. Die Bevölkerung der Region könne sich darauf verlassen.

Das Atomkraftwerk Biblis war 2011 nach der Katastrophe im japanischen Fukushima erst für drei Monate und dann ganz abgeschaltet worden. Momentan bereite man die Anlage für den Abbau vor, sagte ein RWE-Sprecher zu hessenschau.de. Für den eigentlichen Abbauprozess seien mindestens 15 Jahre veranschlagt. Eine Verzögerung durch die Klage erwarte man nicht.

Sendung: hr-iNFO, 17.05.2017, 13.00 Uhr