Ein Mädchen schaukelt vor tristen Wohnblocks
17,9 Prozent aller unter 18-Jährigen sind in Hessen von Armut bedroht. Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Alte, Alleinerziehende und Kinder sind in Hessen besonders von Armut bedroht. Dabei steigt das Risiko, in die Armut zu rutschen, von Jahr zu Jahr. Wohlfahrtsverbände fordern von der Landesregierung konkrete Hilfen, wie kostenlose Kita-Plätze.

Rund 900.000 Menschen gelten in Hessen als armutsgefährdet, das ist jeder siebte Hesse. Das geht aus dem Landessozialbericht vor, den Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) am Montag in Wiesbaden vorgestellt hat. Auf gut 300 Seiten informiert das Papier über die soziale Lage in Hessen.

Eines der auffälligsten Ergebnisse: Das Armutsrisiko ist in den vergangenen Jahren weiter gestiegen. Etwa jeder siebte Hesse lebt demnach an oder bereits unterhalb der Armutsschwelle. 2010 waren 12,1 Prozent der Bevölkerung von Armut bedroht, 2015 lag dieser Wert bereits bei 14,4 Prozent.

Als arm gelten Haushalte mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens. Dabei werden staatliche Transferleistungen in die Berechnung miteinbezogen. Die Armutsrisikoschwelle lag in Hessen im Jahr 2015 bei monatlich 988 Euro netto. Bei einer Familie mit zwei Kindern unter 14 Jahren wurde der entsprechende Wert von 2.075 Euro netto zugrunde gelegt.

Kinder als Armutsfaktor

Betroffen sind vor allem ältere Menschen, Alleinerziehende, kinderreiche Familien sowie Erwerbslose und bereits im eigenen Haushalt lebende Asylbewerber. Alleinerziehende Mütter sind besonders bedroht, da sie oft ohne gute Ausbildung und im Niedriglohn-Sektor beschäftigt sind.

Sozialminister Grüttner sagte, Hessen leiste im Vergleich zu anderen Bundesländern eine erfolgreiche Sozialpolitik, beruhigend seien die Zahlen aber nicht. Grüttner nannte bei den unter 18-Jährigen eine Quote von 17,9 Prozent Armutsgefährdeten in Hessen im Jahr 2014 bei einem Bundesdurchschnitt von 19,7 Prozent.

Forderung: Kostenlose Kita-Plätze und Jobs für Eltern

Die am Bericht beteiligten Wohlfahrtsverbände beklagten, insbesondere Kinder seien die Leidtragenden. Verbände und Kirchen forderten die hessische Landesregierung auf, ihre Programme für die Armutsbekämpfung auf den Prüfstand zu stellen. Hessen sei zu reich, um sich arme Kinder leisten zu können, erklärte Hans Domnick, Vorsitzender der Liga der Freien Wohlfahrtspflege.

Domnick forderte, die geplante Gebührenfreiheit in den Kitas auch auf Kinderkrippen für unter Dreijährige sowie schrittweise auf mehr als sechs Stunden auszudehnen. Die Landesregierung will die Kitas für bis zu sechs Stunden am Tag gebührenfrei machen, ob dies ausreicht, ist umstritten.

Stefan Hoehl von der Vereinigung der Hessischen Unternehmerverbände (vhu) warnte hingegen davor, die Lage im Land schlecht zu reden. Ziel müsse sein, möglichst viele Menschen in Arbeitsverhältnisse zu bringen. Der beste Schutz gegen Kinderarmut seien Arbeitsplätze für die Eltern.

Sendung: hr-iNFO, 4.12.2017, 15.00 Uhr