Der designierte Limburger Bischof Georg Bätzing im Garten des Priesterseminars in Limburg.
Limburgd Bischof Georg Bätzing Bild © picture-alliance/dpa

Shitstorm zur Voradventszeit: Eine erzkonservative Internetplattform wirft dem Limburger Bischof Bätzing vor, für Abtreibungen zu werben. Mittlerweile gibt es sogar eine Anzeige gegen ihn - und eine Petitionsplattform macht ebenfalls Stimmung.

Eigentlich ist die Pressestelle des Bistums Limburg zu dieser Jahreszeit, so kurz vor den Adventswochen, ohnehin immer gut ausgelastet mit Arbeit. Seit ein paar Tagen aber müssen sich die Mitarbeiter zusätzlich noch mit der Internetplattform katholisches.info und schweren Vorwürfen gegen den Limburger Bischof Bätzing auseinandersetzen. "Bischof Bätzing macht Werbung für Abtreibung", heißt es dort in einem Beitrag.

Absurde und konstruierte Vorwürfe seien das, sagt Bistumssprecher Stephan Schnelle: "Dem Bischof ist es ein Anliegen, das ungeborene Leben zu schützen. Das ist auch das Ziel aller katholischen Beratung in diesem Bereich. Diese Vorwürfe sind unredlich und absoluter Quatsch."

Schwangerenberatung der evangelischen Diakonie

Konkret geht es der Internetplattform um ein PDF-Dokument, das bis vor kurzem auf der Homepage des katholischen Bezirks Hochtaunus zu finden war. Dort waren staatliche und kirchliche Kontaktadressen für in Not geratene Menschen aufgelistet: Adressen im Falle von Obdachlosigkeit, Trauer, Suchtproblemen. Insgesamt 28 Seiten hatte das Dokument; auf Seite 23 wurde auf die Schwangerenberatung der evangelischen Diakonie Hochtaunus hingewiesen. Eben auch mit dem Hinweis auf den Paragraphen 219 – "Beratung mit Ausstellen des Beratungsscheins, der für den Schwangerschaftsabbruch notwendig ist", wie es im Dokument stand.

Für die Plattform hat sich der Limburger Bischof persönlich mit diesem Hinweis strafbar gemacht. Die Verfasser sehen den Straftatbestand nach §219a StGB erfüllt: Werbung für den Abbruch der Schwangerschaft. Der Bundesvorsitzende der Deutschen Zentrumspartei Gerhard Woitzik erstattete Anzeige gegen Bischof Bätzing - aktuell wird die Anzeige von der Staatsanwaltschaft Frankfurt geprüft.

Prozess gegen Ärztin in Gießen

Weiter fortgeschritten ist der Fall einer Ärztin aus Gießen, die von radikalen Abtreibungsgegnern angezeigt wurde. Sie muss sich am Freitag vor dem Gießener Amtsgericht verantworten – auch sie soll gegen den Paragraphen 219a verstoßen und Werbung für Abtreibung gemacht haben. Ob es einen Zusammenhang zwischen beiden Fällen gibt, ist unklar. Zumindest aber wird im Beitrag, der sich gegen Bischof Bätzing richtet, auch der Fall der Gießener Ärztin erwähnt.

Wer indes hinter katholisches.info steckt, ist unklar. Das Impressum der erzkonservativ-katholisch anmutenden Seite ist lückenhaft. Bloß zwei Namen von Redakteuren finden sich dort, außerdem der Hinweis, dass die Plattform über Server in Atlanta (USA) betrieben wird.

Seit Tagen gehen jedenfalls beim Bistum tausende Mails ein. Das liegt wohl auch an einer Petition auf der rechtspopulistischen Seite patriotpetition.org, die kurz nach Veröffentlichung des Artikels auf katholisch.info online ging. Dort haben inzwischen über 6.000 Menschen eine Petition gegen die angebliche Abtreibungswerbung unterschrieben. "Jede Unterschrift generiert automatisch eine Mail an den Bischof", sagt Bistumssprecher Schnelle. Die Mails würden mittlerweile umgeleitet.

Bistum nimmt umstrittenes PDF aus dem Netz

Nichtsdestotrotz hat das Bistum auf die Kritik der Hardliner mittlerweile reagiert – das PDF-Dokument ist von der Homepage des Bezirks Hochtaunus verschwunden. "Es war im Vorfeld einfach nicht aufgefallen, dass das Ausstellen des Beratungsscheins so explizit genannt wurde", erklärt Bistumssprecher Schnelle. Und das stehe tatsächlich im Widerspruch zur katholischen Lehre. Das Dokument werde nun überarbeitet und wieder auf die Seite gestellt. "Die Überarbeitung ist überhaupt keine Kritik an der Arbeit der Diakonie", stellt Schnelle noch klar, man arbeite seit Jahren vertrauensvoll zusammen.

Der Anzeige der Deutschen Zentrumspartei schaut das Bistum im Übrigen gelassen entgegen und sieht das Recht auf seiner Seite. "Im Strafgesetzbuch heißt es, dass sich derjenige strafbar macht, der in grob anstößiger Weise oder für seinen Vermögensvorteil für Abbrüche wirbt", sagt Schnelle. Das solle dem Bischof erst einmal nachgewiesen werden. Und sollte entgegen aller Erwartung doch Post von der Staatsanwaltschaft hereinflattern, dann behalte sich auch das Bistum juristische Schritte vor.

Sendung: hr4, 22.11.2017, 12.30 Uhr