Von wegen gleicher Lohn für gleiche Arbeit: Im Schnitt erhalten Frauen in Hessen immer noch 14 Prozent weniger Geld als ihre männlichen Kollegen. Ein neuer Lohnatlas zeigt, in welchen Regionen es besonders ungerecht zugeht.

Die Karte zeigt, wo es die größten Unterschiede in der Bezahlung gibt.
Wo werden Frauen besonders benachteiligt? Die Karte macht es sichtbar. Bild © picture-alliance/dpa

Sie können die gleiche Ausbildung haben wie Männer, oder sogar eine bessere: Trotzdem verdienen viele Frauen noch immer weniger Geld. Vor allem auf dem Land sind die Einkommensunterschiede zwischen den Geschlechtern gravierend, wie aus dem am Mittwoch in Frankfurt vorgestellten "Hessischen Lohnatlas" des Sozialministeriums hervorgeht.

Demnach bekommen Frauen in einer Vollzeitstelle in Hessen durchschnittlich 14,1 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Für die Betroffenen wird es ein schwacher Trost sein, dass die Ungleichheit in ganz Westdeutschland mit einer Differenz von 17 Prozent noch größer ist als in ihrem Bundesland.

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  • Besonders schlecht sieht es für Frauen im Kreis Hersfeld-Rotenburg aus. Dort verdienen sie 23,4 Prozent weniger als Männer.
  • Auch im Kreis Waldeck-Frankenberg (23,3 Prozent) und im Schwalm-Eder-Kreis (23,1 Prozent) ist der Unterschied enorm.
  • Die mit Abstand geringste Differenz gibt es hingegen in der Stadt Offenbach. Dort beträgt die Lohnlücke lediglich 2,3 Prozent.
  • Auf dem zweiten Platz liegen Frankfurt (8,1 Prozent) und Wiesbaden (10,4 Prozent).

Minister: "Lohnlücken schließen"

"Die Bewertung von Arbeit muss sich an der Leistung und nicht am Geschlecht orientieren", forderte Sozialminister Stefan Grüttner (CDU). Das Ministerium hatte die 40.000 Euro teure Studie beim Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Frankfurter Goethe-Universität in Auftrag gegeben. "Der Lohnatlas leistet einen wesentlichen Beitrag dazu, bestehende Lohnlücken zu schließen", begründete der Minister den Vorstoß.

Die Lohnatlas-Autoren machen vor allem die unterschiedlichen Strukturen des Arbeitsmarktes für die Lage verantwortlich. So gebe es in ländlichen Regionen wegen der meist kleineren Betriebe in der Regel auch weniger Frauen in Führungspositionen, sagte IWAK-Geschäftsführerin Christa Larsen. Neben dem Geschlecht seien aber auch Staatsangehörigkeiten, Qualifikationen und Branchen wichtige Einflussfaktoren auf die Bezahlung.

DGB kritisch

Nach Angaben des Sozialministeriums ist Hessen derzeit das einzige Bundesland, das einen "Lohnatlas" herausgibt. Der DGB Hessen-Thüringen kritisierte die Studie, weil nur Daten für Beschäftigte in Vollzeit ausgewertet wurden.  Die Landesregierung müsse konkrete Schritte unternehmen, "um zu einer Beseitigung der Lohnungleichheit zu gelangen". Erste Ergebnisse des Berichts waren bereits Mitte März veröffentlicht worden.

Für den Lohnatlas sind die Daten aller sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen und Männer in Vollzeit aus dem Jahr 2015 ausgewertet worden. Grundlage sind Berechnungen des Statistischen Bundesamtes für sämtliche 26 Kreise und kreisfeien Städte. Honorare oder Gagen, wie sie etwa hochbezahlte Ärzte oder Juristen erhalten, sind nicht berücksichtigt.