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Tausende Kommentare aus sozialen Netzwerken hat der hessische Verfassungsschutz auf antisemitische Inhalte untersucht, das Ergebnis lässt die Alarmglocken läuten. Muslime und Rechte sind dabei gleichermaßen vertreten.

Der Anteil an antisemitischen Kommentaren mit muslimischem und derjenigen mit rechtem Hintergrund ist in sozialen Netzwerken ähnlich hoch. Zu dem Ergebnis kommt eine am Dienstag in Wiesbaden veröffentlichte Studie des hessischen Verfassungsschutzes.

Zehn Prozent der Kommentare antisemitisch

Für die Studie wurden etwa 7.000 Nutzerkommentare zu thematisch einschlägigen Beiträgen auf den Facebook- und Youtube-Kanälen großer deutscher Medien ausgewertet. Knapp zehn Prozent seien dabei als antisemitisch identifiziert worden, sagte die Leiterin der Analysestelle und Autorin der Studie, Ann-Christin Wegener, der Deutschen Presse-Agentur.

Die Expertin hatte die Kommentare vor allem auf politische und religiöse Hintergründe untersucht. Als Ergebnis der Auswertung habe sich eine zunehmende Bedeutung des Antisemitismus unter Muslimen bei gleichzeitig fortdauernder Existenz rechtspopulistischer und rechtsextremistischer Formen der Judenfeindschaft gezeigt, erklärte Wegener.

"Antisemitismus des Alltags darf uns nicht in Ruhe lassen"

Der Präsident des hessischen Verfassungsschutzes, Robert Schäfer, sagte, die Studie wolle für das Thema sensibilisieren - besonders für Judenfeindlichkeit im Alltag: "Antisemitismus gleich welcher Art hat in unserer freiheitlichen demokratischen Grundordnung keinen Platz". Gerade der "Antisemitismus des Alltags darf uns nicht in Ruhe lassen. Wir wollen keine Ängste entstehen lassen", betonte Schäfer.

Der Vorsitzende des Landesverbands der Jüdischen Gemeinden in Hessen, Jacob Gutmark, sagte, "die Studie bestätigt unsere Hypothese". Dieser Antisemitismus sei aber nicht das Problem der Juden, sondern ein gesellschaftliches Problem. "Das, was wir gespürt und wahrgenommen haben, wird jetzt wissenschaftlich belegt", ergänzte Daniel Neumann, Geschäftsführer des Verbands. "Es gibt eine ganze Menge, was unter der Schwelle des Strafbaren liegt."

"Existenzrecht Israels ist nicht verhandelbar"

Innenminister Peter Beuth (CDU) äußerte beim traditionellen Herbstgespräch des Landesamtes für Verfassungsschutz zum Thema Antisemitismus. "Jedem hier Lebenden muss klar sein: Das Existenzrecht Israels ist nicht verhandelbar", sagte er am Dienstagabend. Der Kampf gegen jegliche Judenfeindlichkeit gehöre zur DNA der Bundesrepublik Deutschland. Er müsse ein wesentlicher Bestandteil der Integrationsarbeit sein. "Einer Zuwanderung von Antisemitismus müssen wir entgegenwirken."

Die Studie hatte Nutzerkommentare zu Medienbeiträgen in drei einschlägigen Themenbereichen untersucht: "Juden und Judentum", "Israel und Nahostkonflikt" sowie "Antisemitismus". Bei Artikeln oder Videos zum Thema "Juden und Judentum" hielten sich die antisemitischen Kommentare von muslimischen und rechten Nutzern den Angaben zufolge in etwa die Waage.

Die antisemitischen Kommentare im Themenfeld "Israel und Nahostkonflikt" seien überwiegend mit muslimischem Hintergrund geschrieben worden. Bei Medienbeiträgen, die sich mit dem Thema "Antisemitismus" beschäftigen, hatten nach Angaben der Studienleiterin die meisten antisemitischen Kommentare einen rechten Hintergrund.

Sendung: hr-iNFO, 14.11.2017, 12:00 Uhr