Kinder spielen in einem Kindergarten.
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Wie finden Kinder eigentlich ihren Kindergarten? Was würden sie ändern? In einer bundesweit einmaligen Umfrage hat die Stadt Frankfurt Kita-Kinder nach ihrer Meinung gefragt. Die Vier- bis Fünfjährigen waren ausgesprochen kritisch.

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Kita Erzieher

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found "Wir sollten Kindern mehr zutrauen"

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Eins kann der sechsjährige Finn aus dem Kinderzentrum in der Frankfurter Willemerstraße gar nicht leiden: Wenn Erzieherinnen Regeln aufstellen und sie dann nicht durchhalten. "Wir hatten mal eine Erzieherin, die war nicht so nett", erzählt er. "Die hat manchmal Ausnahmen gemacht, dass wir eine Regel, die man nicht darf, dass man die heute ausnahmsweise darf."

Das Thema Regeln treibt viele kleine Kinder um: Sie möchten öfter über die Regeln im Kindergarten mitbestimmen. Das ist das Ergebnis einer Studie, für die die Stadt Frankfurt fast 550 Kinder im Alter von vier bis fünf Jahren befragt hat. "60 Prozent der Kinder, also über die Hälfte, sagen, dass sie keine Mitbestimmungschance haben, welche Regeln im Kindergartenalltag gelten", sagte Studienleiterin Susanne Feuerbach vom Frankfurter Kinderbüro am Freitag bei der Vorstellung der Ergebnisse.

Diskussionsbedarf beim Thema Essen

Befragt wurden die Kinder zu Themen wie Wohlbefinden, körperliche Selbstbestimmung, Chance auf Mitbestimmung oder wie die Erzieher mit Beschwerden umgehen. Heraus kam, dass die große Mehrheit (90 Prozent) der Kinder gerne in den Kindergarten geht. Viele Dinge dürfen die Kleinen auch mitentscheiden - zum Beispiel, was gespielt oder welches Buch vorgelesen wird. Nachholbedarf gibt es neben dem gemeinsamen Aufstellen von Regeln aber auch beim Thema Essen.

Weniger als ein Drittel der Kleinen darf mitentscheiden, was es zu Essen gibt. Und: "61 Prozent der Kinder sind im Kindergarten zu der Überzeugung gekommen, dass sie ihren Teller leer essen müssen", gibt Susanne Feuerbach zu bedenken. "Wir wissen jetzt nicht, ob eine einmalige Ermahnung oder eine regelmäßige Ermahnung oder vielleicht sogar das Aussprechen einer Strafe dazu geführt hat."

Auch Eltern einbezogen

Bundesweit einmalig an der Studie, die das Kinderbüro seit 2008 zu verschiedenen Themen regelmäßig durchführt, ist, dass auch die Eltern befragt wurden. Dabei wurden nicht nur Alter und Geschlecht, sondern viele zusätzliche Daten zum sozialen Hintergrund, zur Herkunft oder zur Ausbildung erfasst. Zusammen mit den Aussagen der Kinder sollen diese Daten wertvolle neue Erkenntnisse bringen.

Die Ergebnisse der Umfrage will das Frankfurter Kinderbüro jetzt mit allen Beteiligten diskutieren: mit Kindergärten, aber auch mit Schulleitungen und Elternbeiräten. Auch Fachtage will das Büro organisieren. Denn Kinder hätten das Recht, gehört zu werden, sagt Susanne Feuerbach: "Und die Erwachsenen haben die Aufgabe, eben Kinder ernst zu nehmen. Weil: Die Erwachsenen sind für den Rahmen einer Erziehung vor allem für eine gute, gewaltfreie Erziehung zuständig, nicht die Kinder."