Fotocollage
Szenen aus den eingereichten Videos Bild © hessenschau.de

Es wird zu viel über Geflüchtete gesprochen und zu wenig mit ihnen - findet die Darmstädter Stiftung gegen Rassismus. Um das zu ändern, hat sie zu einem Wettbewerb aufgerufen: Die Neuankömmlinge sollen zeigen, wie sie Deutschland sehen.

Omid ist 19 und lebt seit elf Monaten in Deutschland. In der zentralafghanischen Provinz Maidan Wardak war er Modedesigner, die Familie besaß einen Laden. Seit er 16 war, hat Omid dort gearbeitet. Sein Vater, ein Schneider, hatte aber große Probleme mit den islamistischen Taliban.

Deshalb musste die Familie fliehen. Schwester und Mutter blieben im Iran, Omid floh allein weiter bis nach Deutschland.

Das neue Leben beginnen

Doch eigentlich will Omid über all diese Dinge gar nicht sprechen. Manchmal bricht die Sorge um seine Familie zwar aus ihm heraus. Aber tagsüber kommt er oft gar nicht dazu, sich viele Gedanken zu machen – denn sein Kopf ist schon überfüllt. Genau wie sein Tag.

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Per Video ins Gespräch kommen

Geflüchtete sollen selbst erzählen, von ihrem Leben in Deutschland – das ist die Idee hinter dem Videowettbewerb "Aus meiner Sicht“. Den hat die Stiftung gegen Rassismus aus Darmstadt ins Leben gerufen. Und das Projekt ist ein großer Erfolg, erzählt Projektreferentin Paula Scherer: "63 Videos aus ganz Deutschland wurden eingereicht, darunter ganz kreative Projekte wie Raps, Lieder, Interviews und Porträts."

Wenig Kontakt mit Geflüchteten

Die Perspektive der Migranten sollte stärker wahrgenommen werden, findet Scherer. Denn viele Deutsche kämen sonst gar nicht in Kontakt mit der Lebenswirklichkeit der Geflüchteten. Und aus Unwissenheit könnten leicht Vorurteile entstehen.

Der Wettbewerb soll auch dem Abbau solcher Vorurteile dienen. Dabei zähle nur der Inhalt der Filme, versichert Paula Scherer. Die Qualität der Umsetzung sei nachrangig. Von der Resonanz auf das Projekt ist die Stiftung überwältigt: Zur Filmpremiere am kommenden Samstag in Mainz hätten sich schon über hundert Menschen angemeldet.

So sieht unser Leben aus

Die Gewinner der ersten drei Plätze bekommen Gutscheine im Wert von 1000, 500 und 250 Euro. Viel wichtiger dürfte aber vielen Geflüchteten sein: Ihre Geschichten, ihre persönlichen Eindrücke werden auf einer Homepage gesammelt und veröffentlicht. So kann jeder einen kleinen Einblick bekommen, wie es sich als Geflüchteter in Deutschland lebt.

In Omids Unterkunft, einer Turnhalle, leben 170 Männer. Sie drehen oft kleine Videos, aus Spaß. Aber Omid wollte unbedingt einen "richtigen“ Film drehen und zeigen, was ihn bewegt. Und er wollte den Leuten danken, die ihn unterstützen auf seinem Weg - allen voran seiner Klassenlehrerin Frau Ahorner.

Spannende Ansätze

Erste Einblicke in die Ergebnisse des Wettbewerbs gibt es hier: Diese Videobeiträge von Omid und anderen Teilnehmern hat die Stiftung gegen Rassismus hessenschau.de vorab zur Verfügung gestellt. Die Sieger werden dann am Samstag gekürt.

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Die Autorin hat Omid im Rahmen des Projekts kennengelernt und ihn beim Dreh und Schnitt seines Films unterstützt.