Sieben Babys liegen nebeneinander.
In den letzten Jahren wurden immer mehr Babys in Hessen geboren. Bild © picture-alliance/dpa

In Hessen wurden 2016 so viele Babys geboren wie schon seit fast 20 Jahren nicht mehr. Dabei wurden im Werra-Meißner-Kreis nur 750 Babys geboren, in Offenbach dagegen 1.560 Säuglinge. Wir zeigen, woran das liegt.

Vergangenes Jahr erblickten im Werra-Meißner-Kreis nur 750 Babys das Licht der Welt, also etwa zwei pro Tag. Damit ist der Landkreis der geburtenärmste in Hessen. Dabei wurden 2016 in Hessen so viele Babys geboren wie schon seit fast 20 Jahren nicht mehr.

"Wir haben eine deutlich ältere Bevölkerung", begründet Jörg Klinge, Sprecher des Werra-Meißner-Kreises, die niedrige Geburtenzahl. Der Altersdurchschnitt betrage im Kreis etwa 50 Jahre. Menschen in diesem Alter bekämen in der Regel einfach keine Kinder mehr. Zudem sei die Bevölkerungszahl im Landkreis mit 100.000 Einwohnern einfach nicht so hoch.

Baby-Boom in Offenbach

In Offenbach wurden laut Statistischem Landesamt dagegen 1.560 Babys geboren (12,6 pro 1.000 Einwohner), so viele wie nirgendwo sonst in Hessen. Das liege zum Teil an der hohen Rate der Menschen mit Migrationshintergrund, sagt Fabian El Cheikh, Sprecher der Stadt Offenbach.

Über 60 Prozent der Offenbacher haben einen Migrationshintergrund, davon überwiegend einen polnischen oder einen türkischen. Familien mit Migrationshintergrund bekämen meist mehr Kinder als deutsche, sagt El Cheikh.

Geburtenentwicklung seit 1997
Bild © Statistisches Landesamt Hessen

Das bestätigt auch Martin Bujard, Forschungsdirektor des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung, in Wiesbaden. Generell kämen seit Jahren immer mehr Migranten nach Deutschland. Eine Frau mit Migrationshintergrund bekäme im Schnitt 1,9 Kinder.

Migrantinnen bekommen mehr Kinder als deutsche Frauen

Gerade immer mehr muslimische Frauen kämen nach Deutschland. Diese würden meist auch mehr Kinder gebären als deutsche Frauen. Frauen in Hessen bekommen laut Bujard durchschnittlich 1,5 Kinder.

Ein weiterer Grund für den Baby-Boom sei die Familienpolitik, die die Vereinbarkeit von Beruf und Familie auch in Hessen verbessert habe, sagt Forschungsdirektor Bujard. Dazu habe auch die höhrere Zahl an Kindergartenplätzen beigetragen. Deshalb bekämen in den letzten Jahren auch immer mehr Akademikerinnen Kinder. Bujard erkennt da eine Trendwende.

Baby-Boom der Baby-Boomer

Als dritten Grund sieht der Forschungsdirektor den sogenannten Baby-Boom der Baby-Boomer. "Die Müttergeneration bekommt Kinder", erklärt Bujard. Besonders die Jahrgänge zwischen 1981 und 1990 seien sehr geburtenstark gewesen. Die damals auf die Welt gekommenen Mädchen sind heute zwischen 27 und 36 Jahre alt.

Das bestätigt auch Diana Schmidt-Wahl vom Statistischen Landesamt. In Hessen gebe es besonders viele etwa 30-jährige Frauen, die Kinder bekämen. Auch durch die Einwanderung sei diese Altersstufe dichter vertreten.

Insgesamt wurden vergangenes Jahr 60.730 Babys in Hessen geboren.