Collage Mehlwurmburger, Würmerglas
Mehlwürmer können auch zum Lebensmittel werden - zum Beispiel zum Mehlwurmburger. Bild © picture-alliance/dpa, Sophia Averesch (hessenschau.de)

Würmer, die im Burger landen, ein Smoothie aus Aktivkohle. Lebensmittel der Zukunft, meinen die Absolventen der Frankfurter Bergiusschule. hessenschau.de hat eine Ernährungs-Expertin gefragt, was sie davon hält.

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"Mehlwurmburger" oder "Dark-Super-Fruit-Smoothie mit Aktivkohle", "Soja Frozen Joghurt" oder "Baguette mit veganem Leberwurstaufstrich" - geht es nach den Absolventen der Frankfurter Bergiusschule für Lebensmitteltechnik, könnten diese Gerichte tatsächlich bald auf Speisekarten von Restaurants stehen.

Acht Semester lang haben die rund 40 Studenten Lebensmitteltechnik studiert. Als Abschlussarbeit sollten sie neue Lebensmittel-Kreationen entwickeln. Dabei setzten die Studierenden vor allem auf nachhaltige und vegane Food-Trends. Das Ergebnis:

Doch wie gesund sind die neuartigen Kreationen tatsächlich? hessenschau.de hat die Ernährungswissenschaftlerin Sigrid Hahn von der Hochschule Fulda gefragt.

Mehlwurmburger: Insekten als Fleischersatz

Er ist saftig und glänzend braun gebraten: der Fleisch-Patty im Hamburger. Eigentlich wird das Herzstück des Burgers aus Rindfleisch gemacht. Üblicherweise. Es geht aber auch anders - aus Mehlwürmern. Längliche, wurmartig aussehende Larven des Mehlkäfers. Proteinhaltige Insekten, die zum Fleischersatz werden können - zum Beispiel für Burger.

Wie der schmeckt? "Konsistenz: eher matschig. Schmeckt ganz gut, würzig!", findet Dozentin Wiebke Beckmann, die sich freiwillig bereit erklärt hat, den Wurmburger zu testen.

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Auf dem Speiseplan in Asien, Afrika und Südamerika

Während die Mehlwürmer und Mehlkäfer in Europa bisher nur an Reptilien und Spinnen verfüttert werden, stehen die Insekten in Asien, Afrika und Südamerika schon fest auf dem Nahrungsplan. In Europa sei der Ekel vor dem Tier aber noch ziemlich groß, meint Student Maximilian Busse.

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Was ist drin? Der Burger-Patty besteht hauptsächlich aus Mehlkäfern, sagt Absolvent Maximilian Busse, der zusammen mit Daniel Terweiden den Burger entwickelt hat. Für einen Mehlwurm-Patty benötigt man etwa 80 Larven, der harte Chitinpanzer wird abgetrennt. Um den Geschmack noch abzurunden, haben die angehenden Lebensmitteltechniker noch Mehl, verschiedene Gewürze, Ingwer, Zwiebeln, Knoblauch und Zitrone zum Insekteneiweiß hinzugegeben.

Was ist der Vorteil? "Der Transport und die Lagerung der Mehlwürmer ist verhältnismäßig artgerecht. Die Zucht kann man platzsparend mithilfe von gestapelten Kisten vornehmen", sagt Busse. Für ein Kilogramm Rindfleisch brauche man 15.000 Liter Wasser, für ein Kilogramm Mehlwürmer ein Liter Wasser. Ginge es nach den beiden Studenten, dann wären Insekten die "alternative Proteinquelle" der Zukunft. "Ein Mehlwurm hat genauso viele Proteine wie Rindfleisch", sagt der 30-Jährige. Das sieht auch die Welternährungsorganisation FAO so. Sie geht davon aus, dass Insekten zur weltweiten Nahrungssicherung beitragen könnten.

Das sagt die Expertin: Vom Proteingehalt sind Insekten durchaus eine gute Alternative, findet Ernährungswissenschaftlerin Sigrid Hahn von der Hochschule Fulda. Trotzdem sei bei diesem Trend noch Vorsicht geboten: "Es muss unbedingt geklärt werden, welche Stoffe die Lebewesen neben Proteinen produzieren. Und ob die breite Masse die Proteine verträgt: Rufen sie Lebensmittelallergien oder Überempfindlichkeiten hervor?"

Mehlwurmburger
Er sieht aus wie ein normaler Hamburger - nur ist der Burger-Patty aus Mehlwürmern. Dozentin Wiebke Beckmann hat ihn probiert. Bild © Sophia Averesch (hessenschau.de)

Smoothie mit Aktivkohle: Entgiftung von Innen

Er ist dunkel, fast pechschwarz. Nicht ganz flüssig, aber auch nicht fest. Er sieht eher ungesund aus, soll aber den Körper von innen entgiften. Der Super-Fruits Smoothie mit Aktivkohle. Diese entsteht, wenn Holz, Torf, Braun- oder Steinkohle sowie Kokosnussschalen bei über 1.000 Grad verkohlt wird, wie Absolvent Ersin Yalcin erklärt, der zusammen mit Andrej Ruder den "Dark-Super-Fruit-Smoothie" entworfen hat.

Wie schmeckt der Smoothie? "Die Farbe ist zwar etwas gewöhnungsbedürftig, geschmacklich aber sehr gut", lautet das Urteil eines Testers. Auch in Hollywood sind Aktivkohle-Drinks angesagt.

Was ist drin? Wie in jedem Smoothie sind in dem Getränk neben der Aktivkohle pürierte Früchte: Bananen, Mango, Limetten, Erdbeeren, Ananas, Stachelannone. Als besonders vitaminreiche "Super-Fruits" kommen noch Acai-Beeren und Acerolakirschen dazu.

Was ist der Vorteil? "Die Aktivkohle hat eine Detoxwirkung auf den Körper, also eine entgiftende Wirkung. Die Aktivkohle zieht Bakterien automatisch an und bindet sie, sodass sie dann ausgeschieden werden", erklärt Absolvent Yalcin. Wenn man viel Fitness mache oder wegen gesundheitlicher Probleme häufig Medikamente nehme, empfehle sich der Smoothie.

Das sagt die Expertin: "Die Super-Fruits sollen ballaststoffreich und reich an Vitamin C sein. Wissenschaftliche Beweise, dass sie wirklich gesünder sind als herkömmliches Obst, gibt es aber nicht", sagt Expertin Sigrid Hahn. Allerdings rät sie davon ab, Aktivkohle zu nehmen, um den Körper vorbeugend zu reinigen. "Da mache ich mehr kaputt, als dass ich mir etwas Gutes tue. Aktivkohle sollte ich nur auf ärztliche Anordnung nehmen, wenn ich sicher Krankheitskeime in mir trage, die ich austreiben will." Denn Aktivkohle entziehe nicht nur die schädlichen Darmbakterien, sondern auch lebenswichtige Nährstoffe wie Calcium, Eisen oder Magnesium.

Super-Fruits-Smoothie mit Aktivkohle
In Hollywood total angesagt: Smoothies mit Aktivkohle. Bild © Sophia Averesch (hessenschau.de)

Vegane Leberwurst: Gemüse mit Wurstgeschmack

"Leberwurstaufstrich für Veganer": Eindeutig ein Widerspruch. Aber wieso sollen Vegetarier und Veganer auch auf den Fleischgeschmack verzichten, dachten die Absolventen. Die Lösung: Fleischgerichte aus Gemüse und Gewürzen so herstellen, dass sie fleischähnlich schmecken. Und nicht nur das: "Wie eine richtige Leberwurst - nur frischer!", meint eine Testerin.

Was ist drin? Kichererbsen, Austernpilze, Kartoffeln, Grünkern, Gewürze und Rote Beete - damit das Ganze die rote Wurstfarbe annimmt. Für den besonderen fleischähnlichen Geschmack sorgen die Austernpilze, erklärt Sandra Esser, die mit einem Kommilitonen den veganen Wurstaufstrich kreiert hat. Indem man die Austernpilze anbrate, entfalte sich das gewünschte Wurst-Aroma.

Was ist der Vorteil? "Die vegane Leberwurst ist ganz ohne tierische Erzeugnisse. Kein Tier wurde dafür gezüchtet und geschlachtet", sagt Esser. Der zweite Vorteil sei, dass die vegane Leberwurst deutlich fettreduzierter sei: Nur sechs Prozent Fett statt bis zu 38 Prozent bei normaler Leberwurst. Der Fleischgeschmack sei außerdem nicht so intensiv.

Das sagt die Expertin: "Das Geschmackserlebnis, das mit Fleisch einhergeht, soll durch vegane Wurstprodukte nicht aufgegeben werden. Die Industrie versucht, den Konsumentenwunsch zu erfüllen. Diese Produkte müssen dafür aber hochverarbeitet werden. Dadurch verlieren sie die natürlichen Nährstoffe", meint Sigrid Hahn. Die veganen und vegetarischen Produkte sollten lieber im weniger verarbeitetetem Zustand verzehrt werden. Gelegentlich auf die tierische Leberwurst zu verzichten und nur mäßig Fleisch zu essen, sei aber ratsam.

Veganer Leberwurstaufstrich
"Leberwurst" für Vegetarier und Veganer - ohne Fleisch, ohne tierische Produkte. Nina Fischer findet es lecker. Bild © Sophia Averesch (hessenschau.de)

Soja Frozen Joghurt: Soja statt Milch, Joghurt statt Eis

Speiseeis ist weder vegan und eine Kalorienbombe noch dazu. Die gesündere Alternative: "Soja Frozen Joghurt", aus tiefgefrorenem Joghurt und Sojamilch anstatt der Kuhmilch.

Was ist drin? Sojamilch, die zu Joghurt gegärt ist, Zucker, Verdickungsmittel und Kokosnuss. Das schlichte Rezept sei gerade das Gute am Soja Frozen Joghurt, finden die Entwickler Cristopher Ritsert und Sina Schott.

Was ist der Vorteil? "Frozen Joghurt ist natürlicher. Wenn man Frozen Joghurt isst, fühlt man sich nicht so schuldig", meint Ritsert. Im Gegensatz zum Speiseeis sei Frozen Joghurt fettärmer und frei von Aromastoffen und Geschmacksverstärkern. "Jeder kennt Joghurt, da ist an sich nichts anderes drin außer Milch, die ein wenig säuerlich und dicker ist. Das ist ein sehr naturbelassenes Produkt."

Das sagt die Expertin: "Generell ist Joghurt ist ein sehr hochwertiges Produkt. Durch die enthaltenen Milchsäurebaktieren fördert es die Darmgesundheit", weiß Ernährungsexpertin Sigrid Hahn. "Indem man Kuhmilch durch Sojamilch ersetzt, fehlt dem Joghurt dann aber wertvolles Calcium." Als gelegentliche Alternative zur Kuhmilch komme Soja schon infrage. Allerdings: "Hohe Sojamengen können wegen der enthaltenen pflanzlichen Östrogene das Brustkrebsrisiko begünstigen." Soja sei außerdem ein Lebensmittel, das häufig Allergien hervorrufe.

Veganer Soja Frozen Joghurt
Die gesündere Alternative zum Speiseeis: Frozen Joghurt - dieser ist sogar vegan. Barbara Bill ist skeptisch. Bild © Sophia Averesch (hessenschau.de)

Ihre Kommentare Sind die "neuen" Lebensmittel eine Alternative für Sie?

7 Kommentare

  • Ich bin für naturbelassene Lebensmittel und der vegatarischen Küche aufgeschlossen.
    Einen Mehlwurmburger öchte ich nicht essen. Da verzichte ich lieber ganz auf Fleisch .
    In veganer Leberwurst oder ähnlichen Produkten sind mir viel zu viele Zusatzstoffe drin. Da ziehe ich unbehandeltes Gemüe und Obst pur vor.

  • Also einen Mehlwurmbürger würde ich tatsächlich probieren.

    Den Soja-Joghurt und die vegane Wurst finde ich nicht so interessant, aber eine kleine Portion zum Probieren würde ich nicht ausschlagen.

    Von "Detox" oder "Entgiftung" im Zusammenhang mit Ernährung lasse ich lieber die Finger. Der Körper verfügt doch über Organe, die problematische Stoffe entfernen (z.B. Leber und Niere). Alles was durch die nicht entfernt werden kann, ist ein Fall für den Arzt.

  • geniesser 2017

    grundsätzlich gibts für genießer nur 2 kriterien ; lecker oder gesundheitsschädlich , anders sieht es bei ideologen aus , und gegen dummheit kämpfen götter selbst vergeblich . Veganes z.b., smoothies aber nein, normales obst und gemüse , aktivkohle aber ja beim flotten heinrich ; vegane leberwurst, sie schmeckt so würzig, erstaunlich was glutamat würze nicht alles hinbekommt ; mehlwürmer , warum nicht als burger oder steak mit salz, pfeffer, thymian, rosmarin, auch heuschrecken in honig geröstet wie wiener mandeln lecker : und achja soja joghurt gefroren , der eisersatz , nun ja wer gerne gen soja vom braunen feld mit reichlich " round up " besprüht , wem das nicht reicht , dann gibts gratis die sojaeigenen phytohormon , nur bitte 20 gramm pro tag ( brustkrebsgefahr ) bevorzugt , wer also glaubt mit soja sich etwas gutes zu tun , dem wünsche ich guten appetit

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