Kindergrab Ebsdorfergrund
Ein rund 7.000 Jahre altes Kindergrab wurde bei Vorarbeiten für die Ortsumgehung Ebsdorfergrund-Heskem (Marburg-Biedenkopf) gefunden. Bild © Landesamt für Denkmalpflege

Keramikgefäße, Tierknochen oder Mahlsteine - solche Dinge werden bei den Vorarbeiten der geplanten Ortsumgehung von Ebsdorfergrund-Heskem regelmäßig entdeckt. Doch nun überraschte der Fund eines Kinderskeletts aus der Jungsteinzeit.

Liebevoll gebettet, mit dem Kopf Richtung Westen und den Füßen Richtung Osten - so lag das Kinderskelett im Trassenbereich der geplanten Ortsumfahrung für Ebsdorfergrund-Heskem. Nach Angaben des Hessischen Landesamtes für Denkmalpflege vom Donnerstag ist das Skelett etwa 7.000 Jahre alt und damit der frühen Jungsteinzeit zuzuordnen. Es wurde bei archäologischen Voruntersuchungen für die neue Straße ausgegraben.

Es handele sich höchstwahrscheinlich um ein Mädchen, sein Alter werde auf vier bis acht Jahre geschätzt. Die Archäologen fanden das Kind mit angehockten Beinen, es lag auf der linken Körperseite, eine Hand war unter das Kinn gebettet, ganz so "als würde es nur schlafen", wie es in der Mitteilung des Landesamtes heißt.

7.000 Jahre alter Kinderschädel
7.000 Jahre alter Kinderschädel bei Straßenbauarbeiten ausgegraben Bild © Landesamt für Denkmalpflege Hessen

Ganz in der Nähe wurden noch weitere erwachsene Skelettreste gefunden, auch auf der Seite liegend, und auch mit dem Kopf Richtung Westen und den Füßen Richtung Osten gebettet. Nach Angaben der Denkmalpfleger wurden in der frühen Jungsteinzeit oft Kinder oder Alte innerhalb der Siedlungen und nicht unbedingt auf den Grabfeldern außerhalb bestattet. Offenbar ein Hinweis auf besondere emotionale Bindungen an diese Toten.

Neue Trasse führt durch frühgeschichtliche Siedlung

Dass es überhaupt Voruntersuchungen von Archäologen für die geplante neue Straße gibt, liegt daran, dass in der Gegend bereits verschiedene vor- und frühgeschichtliche Siedlungen ausgegraben und dokumentiert wurden: So hat man an der Oberfläche bereits Scherben von Keramikgefäßen, Tierknochen, Mahlsteine und Steinwerkzeuge sowie 23 Hausgrundrisse von so genannten Langhäusern gefunden. Alle stammen jeweils aus der Zeit von 5.500 bis 4.900 vor Christus.

Wie groß die Siedlung ursprünglich wohl war, lässt sich nach Angaben der Denkmalpfleger wegen der vorgegebenen Trasse für die Ortsumfahrung Ebsdorfergrund-Heskem nicht feststellen.

Weitere Informationen

Jungsteinzeit - Zeit des Wandels

Die älteste Jungsteinzeit (5.500 bis 4.900 v. Chr), benannt als Bandkeramische Kultur - nach der Verzierung auf den Keramikgefäßen - wurde durch einen Wandel in der Lebensweise der Menschen geprägt: Die ersten ortsfesten Siedlungen wurden angelegt und erstmals Ackerbau und Viehzucht betrieben, also die vorherige Lebensweise als Jäger und Sammler aufgegeben.

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Sendung: hr-iNFO, 9.11.2017, 18 Uhr