Im Hessischen Hauptstaatsarchiv in Wiesbaden lagern die Akten des Frankfurter Auschwitz-Prozesses
Im Hessischen Hauptstaatsarchiv in Wiesbaden lagern die Akten des Frankfurter Auschwitz-Prozesses Bild © picture-alliance/dpa

Im Hauptstaatsarchiv in Wiesbaden stapeln sich die Verhandlungsakten des ersten Frankfurter Auschwitz-Prozesses. Sie könnten bald zum Unesco-Weltdokumentenerbe gehören. Auch ein zweiter Vorschlag aus Hessen ist im Rennen.

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Befreiung Auschwitz

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Akten zu Auschwitz-Prozess könnten Weltdokumentenerbe werden

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Das ganze Grauen wird hier dokumentiert. Rund 52.000 Seiten des ersten Frankfurter Auschwitz-Prozesses lagern hier im Keller des Hauptstaatsarchivs in Wiesbaden - konserviert bei 18 Grad, damit das Papier keinen Schaden nimmt, Dokumente, die schon bald zum "Gedächtnis der Welt" gehören könnten.

Anfang kommender Woche will die Unesco über Neuaufnahmen in das Weltdokumentenerbe entscheiden. Das sagte eine Sprecherin der deutschen Unesco-Kommission am Freitag. Ein internationales Komitee hatte in dieser Woche in Paris über diese und weitere Nominierungen beraten, die endgültige Entscheidung trifft letztlich die Generaldirektorin der UN-Kulturorganisation.

Zeugenaussagen von Auschwitz-Häftlingen

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Online-Special zu dem Frankfurter Auschwitz-Prozess

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Der Frankfurter Auschwitz-Prozess zwischen 1963 und 1965 war eine Zäsur in der deutschen Nachkriegsgeschichte. "Im Auschwitz-Prozess hat zum ersten Mal ein Gericht festgestellt, wie der Massenmord in Auschwitz genau vonstatten gegangen ist", sagt Sybille Steinbacher, Direktorin des Fritz-Bauer-Instituts und Inhaberin der ersten Professur für Holocaust-Forschung an der Frankfurter Goethe-Universität, zur weltgeschichtlichen Bedeutung der Prozessakten.

Zu den Akten im Wiesbadener Hauptstaatsarchivs gehören auch Tondokumente: 103 Tonbänder, auf denen unter anderem die Zeugenaussagen überlebender Auschwitz-Häftlinge zu hören sind - etwa die Beschreibung eines Häftlings, der bei der Hinrichtung seines Vater dabei sein musste. In dem Konzentrationslager Auschwitz starben über eine Million Menschen.

Der Frankfurter Generalstaatsanwalt Fritz Bauer hatte 1959 die Ermittlungen gegen die Auschwitz-Täter gegen viele Widerstände aufgenommen. Angeklagt wurden erst 24, später 22 SS-Männer. Die Schwierigkeit lag darin, ihnen die Taten nachzuweisen. Die Nationalsozialisten hatten viele relevante Dokumente vernichtet. Also wurden Zeugen gesucht, ehemalige Auschwitz-Häftlinge, aber auch Helfer der Täter.

Papyrus, der allen Bürger die gleichen Rechte garantierte

Neben den Dokumenten des Auschwitz-Prozesses gibt es aus Hessen noch eine zweite Nominierung, die gute Chancen hat, zum Weltdokumentenerbe zu werden: ein Papyrus aus der Römerzeit, der in der Universitätsbibliothek Gießen aufbewahrt wird. In dem Papyrus Gissensis I 40 aus dem Jahr 212 oder 13 nach Christus garantierte der römische Kaiser Marcus Aurelius allen Bürgern des Reiches die gleichen Bürgerrechte. Ein Novum in der Geschichte. Vorher war die Bevölkerung in Fremde und Römer eingeteilt.

Zum "Gedächtnis der Welt" gehören heute weltweit 348 Dokumente. 22 davon sind aus Deutschland - und sieben aus Hessen. Und zwar:

  • der literarische Nachlass von Johann Wolfgang von Goethe (heute in Weimar im Goethe-und-Schiller-Archiv)
  • das Lorscher Arzneibuch, das älteste medizinische Buch des abendländischen Mittelalters aus dem Kloster Lorsch (heute Staatsbibliothek Bamberg)
  • die Märchen der Brüder Grimm mit Notizen der Autoren in Kassel
  • der Stummfilm Metropolis von Fritz Lang, der von der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung in Wiesbaden restauriert wurde
  • ein kostbares Manuskript aus dem 11. Jahrhundert (genannt Reichenauer Handschrift) in der Landesbibliothek in Darmstadt.
  • eine Goldene Bulle aus dem 14. Jahrhundert in der Landesbibliothek in Darmstadt
  • die Archive des Internationalen Suchdienstes in Bad Arolsen, in dem die Schicksale von NS-Verfolgten dokumentiert sind