Kassel Altmarkt ca. 1930-1939
Fachwerk, ganz viel Fachwerk am Altmarkt (ca. 1930-1939). Davon ist heute in Kassel nichts mehr übrig. Bild © Stadtarchiv Kassel, 0.501.139, Carl Eberth

Badeanstalten am Fluss, eine Skisprungschanze und ganz viel Fachwerk: Vor dem Zweiten Weltkrieg sah Kassel ganz anders aus als heute. Seltene Fotos aus dem Stadtarchiv, die nun in einem Bildband veröffentlicht wurden, lassen die historische Stadt wieder aufleben.

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zum hr-fernsehen.de Video Historische Fotos erzählen Kassels Geschichte

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Der Friedrichsplatz mit dem Preußischen Staatstheater, der Königsplatz mit dem Wochenmarkt, die idyllische Fachwerk-Altstadt oder die barocke Oberneustadt - diese Kasseler Orte wurden in der großen Bombennacht am 22. Oktober 1943 zerstört. Geblieben sind nur wenige Zeitdokumente und Fotos.

Buchcover Bildband "Alt-Kassel"
Buchcover: Frank-Roland Klaube "Alt-Kassel – Bilder, die Geschichte erzählen: Mit Fotografien von Carl Eberth" Bild © hr

Umso wertvoller ist die Sammlung der Familie Eberth: Vater und Sohn, beide Fotografen, hielten das Kassel der 1930er-Jahre fotografisch fest. Der ehemalige Stadtarchivar Frank-Roland Klaube hat über 50.000 Fotos aus dieser Sammlung gesichtet, eine Auswahl getroffen und daraus einen opulenten Bildband gemacht.

Heute kaum noch Spuren von der Skischanze

Im Habichtswald an der Kasseler Wilhelmshöhe etwa stand eine Skischanze. Das zeigen Fotos aus dem Jahr 1934. "Schon in den 1920er-Jahren wurde hier eine Skisprungschanze errichtet, wo Sprünge bis zu 30 Metern möglich waren", sagt Archivar und Buchautor Klaube. Eine Skisprungschanze in Kassel!

Nicht ganz ungefährlich: Eine Aufnahme zeigt mutige Kassler Jungs, die das Skispringen als Amateure betrieben. "Ziemlich urig muss das gewesen sein, denn das war ja eine schlichte Schanze aus Rundhölzern.“ Im Habichtswald ist heute von einer Schanze nichts mehr zu entdecken, kaum ein Kasseler weiß überhaupt, dass es sie gab.

Kassel war früher eine Fachwerkstadt

Auch am Altmarkt erinnert heute nicht mehr viel an die Zeit vor über 80 Jahren. Dort, wo heute jeden Tag hunderte Autos die Kreuzung passieren, standen vor dem Krieg viele Fachwerkhäuser. Das Kassel der 1930er-Jahre hatte etwa 200.000 Einwohner. Die Altstadt bestand aus vielen verwinkelten Gassen.

Die Fotos der Eberts haben das alltägliche Leben in den Fokus genommen. Sie waren Chronisten ihrer Zeit, auch noch, als die Nationalsozialisten an die Macht kamen. Vom alten Fachwerk ist in Kassel so gut wie nichts übrig, die Stadt hat heute ein komplett anderes Gesicht.

Sehr beliebt: Badeanstalten an der Fulda

Kassel, Auebad, ca. 1930-1939
Ein kühles Bad in der Fulda: Das Auebad in Kassel war etwa 1930 bis 1939 ein beliebter Treffpunkt im Sommer. Bild © Stadtarchiv Kassel, 0.502.000, Carl Eberth

Noch ein Ort, an den sich nur noch wenige Kasselaner erinnern: Die Flussbäder an der Fulda. Es gab private und auch städtische Anstalten. Letztere waren bei den Bürgern beliebter, weil sie wesentlich günstiger waren: "Meine Großmutter hatte fünf Kinder", erzählt Klaube. Das sei viel Geld gewesen, mit allen baden zu gehen. Deswegen gingen die meisten Bürger in die städtischen Anstalten und die privaten mussten nach und nach schließen.

Eines dieser privaten Bäder gibt es noch heute. Das Kurbad Jungborn. In den 1930er-Jahren kamen die Bürger für ihr heißes Wochenbad dorthin. Auf Pontons im Fluss waren die Umkleidekabinen untergebracht. Die Pontons sind zwar verschwunden, aber das Kurbad Jungborn hat den Krieg überstanden. Es ist ist heute ein Café und Museum.