Untersuchung eines Grubenhauses Villa Arnesburg bei Lich
Untersuchung eines Grubenhauses in der Siedlung "Villa Arnesburg" Bild © M. Gottwald, Landesamt für Denkmalpflege Hessen

Für Archäologen ist die Ausgrabungsstätte "Villa Arnesburg" bei Lich eine einzigartige Fundgrube. Bei Grabungen stießen Studenten nun auf ein Stück, das die Forscher als "kleine Sensation" werten.

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"Es ist schon eine kleine Sensation, was wir diesmal gefunden haben", freut sich Archäologe Michael Gottwald vom Landesamt für Denkmalpflege. Eine Gewandspange mit plastischer Christusdarstellung ist das Highlight der diesjährigen Grabungskampagne.

Was den Fund so besonders macht? "Die Spange aus dem 10. oder 11. Jahrhundert ist nicht im deutschen Sprachraum gefertigt worden, sondern kommt wahrscheinlich aus dem byzantinischen Raum", erläutert Gottwald, also vom östlichen Mittelmeer.

Gewandspange mit Christusdarstellung
Die Gewandspange muss restauriert werden. Bild © Landesamt für Denkmalpflege Hessen

Studierende im Einsatz.

Wie das kunstvoll gearbeitete Stück nach Mittelhessen gekommen ist, ist unklar. Möglich wäre die Reise einer Person aus dem direkten Umfeld des Königshofs. Denn einst lebten die mächtigen Herren von Münzenberg in direkter Nachbarschaft.

Nach einer ersten Sondierung im Jahr 1993 finden seit 2014 jährlich in den Sommermonaten Ausgrabungen in der mittelalterlichen Siedlung "Villa Arnesburg" im Licher Stadtteil Muschenheim im Kreis Gießen statt. In diesem Jahr waren zehn Studierende aus den Niederlanden und Irland im Einsatz.

Übersicht mit Mittelalter-Steingebäude
Übersicht mit Mittelalter-Steingebäude Bild © M. Gottwald, Landesamt für Denkmalpflege Hessen

"Diese Siedlung ist so spannend, weil das Areal bereits seit dem 1. Jahrhundert nach Christus durchgehend bewohnt wurde", erklärt Grabungsleiter Gottwald. Was bisher gefunden wurde, sei nur ein kleiner Teil dessen, was noch alles auf die Forscher warte.

Durch die diesjährige Grabung wird die im Vorjahr gewonnene Erkenntnis untermauert, dass die Siedlung am Wetterufer im Mittelalter in enger Verbindung zur nur 250 Meter entfernt gelegenen Burg Arnsburg stand. Es sei keine rein bäuerliche Siedlung gewesen, vielmehr habe es sich um eine Art Versorgungszentrum gehandelt.

Putzen eines Profils bei den Ausgrabungen an der Villa Arnesburg
Putzen eines Profils bei den Ausgrabungen an der Villa Arnesburg. Bild © M. Gottwald, Landesamt für Denkmalpflege Hessen

Entdeckt wurden neun in den Boden eingetiefte Bauten, sogenannte Grubenhäuser, in denen handwerkliche Tätigkeiten ausgeübt wurden. Die Archäologen fanden Hinweise auf Textilherstellung und Eisenverarbeitung.

Doch nicht nur im Mittelalter war dieser Platz für Menschen als Siedlungsort attraktiv. Die frühesten Belege für die Anwesenheit von Menschen stammen aus der Altsteinzeit. Bei den aktuellen Grabungen wurden Funde gemacht, die die Nutzung des Areals im 4. und 5. Jahrhundert untermauern. Nach dem Abzug der Römer ließen sich die Germanen nieder.

"Im Grunde stehen wir erst am Anfang der Informationsfindung", fasst Michael Gottwald zusammen. Welche Schätze und damit verbundenen Erkenntnisse sich noch im Boden verstecken, werden die Grabungen in den nächsten Jahren zeigen.

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Germanisches Grubenhaus

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