Portraits von Jenny Blaine Drogensüchtige
Jennifer Blaine veränderte sich im Laufe ihrer Drogenkarriere optisch . Bild © Ulrich Mattner

Wer sind die Drogenabhängigen im Frankfurter Bahnhofsviertel? Ulrich Mattner und Jennifer Blaine haben einigen von ihnen mit einer Fotoausstellung ein Gesicht gegeben. Dabei ist Blaine selbst drogensüchtig - und erzählt auch ihre Geschichte.

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Jennifer Blaines Freund ist vor 18 Jahren in ihren Armen gestorben - an einer Leberzirrhose. Er war abhängig von Alkohol, Kokain und Heroin. Blaine selbst ist mit 16 Jahren zunächst kokain-, dann heroinabhängig geworden. Heute ist sie 37 und nimmt seit zehn Jahren die Ersatzdroge Methadon.

Nach über 20 Jahren Leben mit der Sucht kennt Blaine die Situation, in der tausende von Drogensüchtigen in Frankfurt zurzeit sind. Mit dem Frankfurter Fotografen Ulrich Mattner und dem Promoter Fabian Parusel hat sie das Fotoprojekt "Lost Christmas - Weihnachtswünsche aus der Elbestraße" (ausgestellt im Frankfurter Kiosk Yok-Yok) ins Leben gerufen: Um Drogensüchtigen endlich ein Gesicht und eine Stimme zu geben.

"Die Neugier war viel größer"

Vor drei Jahren lernten sich Blaine und Mattner bei einem seiner Fotokurse kennen. Auch ihre eigene Geschichte erzählt sie inzwischen für das Projekt frei heraus. "Ich hatte nie Angst vor Drogensüchtigen," sagt die 37-Jährige. "Die Neugier war viel größer." Mit 16 Jahren hatte sie in einer Arztpraxis eine Ausbildung zur Arzthelferin begonnen. In der Praxis wurde Methadon abgegeben.

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DC Drogensüchtiger Fotoportrait

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Ihr Freund war damals 31 Jahre alt und hatte neben dem Methadonprogramm weiterhin Kokain konsumiert. Nach seinem Tod 1999 stieg Blaine in das Methadonprogramm ein. Doch immer wieder konsumierte sie nebenbei Kokain. Erst 2007 hörte sie damit auf.

Hardcore-Junkies fotografiert

Fotograf Mattner kennt die Vorbehalte gegenüber Süchtigen. "Alkoholkranke werden eher akzeptiert als Drogensüchtige", sagt er. Dabei sei Drogensucht ebenso eine Krankheit - und man müsse vor den Drogensüchtigen keine Angst haben. "Das Bild von der ganzen Szene ist falsch." Mattner sagt, dass nicht die Konsumenten, sondern die Dealer aggressiv und gefährlich seien. Da müsse man klar differenzieren.

"Die Drogensüchtigen dürfen zudem nicht für Fehler verantwortlich gemacht werden, die sie meist in ihrer Jugend begangen haben", sagt Mattner. Er habe Hardcore-Junkies fotografiert, die schon seit 20 bis 30 Jahren abhängig und nicht mehr therapierbar seien. Die Drogensüchtigen wollte er freundlich darstellen, nicht verwahrlost, wie sie sonst in Medien dargestellt werden würden.

Jennifers größter Wunsch

Den Kontakt zu den Drogensüchtigen hat Blaine hergestellt. Sie weiß, wie man mit ihnen umgehen und sprechen muss. "Gegenüber Medien sind sie natürlich meistens misstrauisch", erklärt sie. Weil sie meistens nur schlecht dargestellt werden würden - und nur über sie, aber nie mit ihnen gesprochen werde.

Für das Fotoprojekt haben Blaine und Mattner die Drogensüchtigen nach ihren Weihnachtswünschen gefragt. Unter anderem wünschen sie sich mehr Hilfsangebote und nicht mehr von der Straße verjagt zu werden. Jennifer Blaines größter Wunsch ist, dass sich die Situation für die Drogensüchtigen in Frankfurt endlich verändert und sie von der Straße runterkommen.

Weitere Informationen

Drogenkonsum in Frankfurt

  • Im vergangenen Jahr nutzten 4.700 Menschen die Drogenkonsumräume in Frankfurt. Die meisten konsumieren Heroin. Die Zahl derer, die zudem oder hauptsächlich zu Crack greifen, steigt jedoch.
  • Die Polizei geht von einer Drogenszene mit etwa 5.000 Menschen in Frankfurt aus, nicht alle wohnen auch in der Stadt. Laut Polizei sind täglich bis zu 250 dieser Menschen auf der Straße unterwegs. Mit maximal 40 von ihnen komme es zu Konflikten.
  • Die Zahl der Drogentoten in Frankfurt geht zurück: Im Jahr 2016 waren es 25, sechs weniger als im Jahr zuvor. Im Vergleich: In Hamburg nahm die Zahl der Drogentoten zuletzt um 27 Prozent zu, mit insgesamt 75 Toten im Jahr.
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