Ausstellung "Lost Places"
Eine Zukunft hat dieses Gebäude wohl eher nicht... Bild © Jörg Udo Kuberek

Kaum zu glauben, aber wahr: Trotz Bauboom gibt es in Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet immer noch vergessene alte Gebäude. Zwei Fotografen dokumentieren ihren Verfall. Ihre Bilder dieser "Lost Places" sind jetzt in Frankfurt zu sehen.

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Für Jörg Kuberek hat Fotografieren etwas von Detektivarbeit: "Vor zwei oder drei Jahren bin ich auf einen Online-Artikel über ein leer stehendes Gewerbe-Gelände in Hanau gestoßen", erzählt er.

"Da stand, dass die Fabrikhallen dort in den kommenden Jahren abgerissen werden sollen, um Platz für Wohnungen zu schaffen." Kubereks Spürsinn war geweckt: "Es wurde keine Adresse angegeben, also hat es über ein Jahr gedauert, bis ich das Gelände gefunden hatte."

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Zu sehen gibt es die Fotos vom 21. Mai bis 4. Juni in der Naxoshalle (Waldschmidtstr. 19). Der Eintritt ist frei. Wer will, kann die Bilder in verschiedenen Größen auch kaufen.

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Am Ende packte Kuberek seine Kamera ein, schoss Fotos von den verfallenen Gebäuden und sagt heute stolz: "Es sind sehr schöne Bilder geworden." Zusammen mit dem Fotografen Jörg Rudolph stellt Kuberek jetzt rund 40 Bilder von solchen "Lost Places" in der Frankfurter Naxoshalle aus.

"Orte mit besonderem Charme"

Es sind Bilder von stillgelegten Industrieruinen, geschlossenen Schulen und verfallenen Handwerksbetrieben. Zum Teil sind sie überwuchert oder von Vandalen zerstört. "Wir wollen einen Einblick in die Vergangenheit dieser Orte ermöglichen", erklärt Kuberek. "Einblicke in Orte, an denen Menschen früher lebten, wohnten und arbeiteten." Für ihn haben diese Orte einen ganz besonderen Charme.

Kuberek und Rudolph sind beide Hobbyfotografen und Blogger, die sich erst virtuell, dann im echten Leben zunächst beim Graffiti-Fotografieren trafen. Irgendwann stellten sie fest, dass sie unabhängig voneinander dieselben "Lost Places" abgelichtet hatten.

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Die Idee zu einer gemeinsamen Ausstellung war geboren: "Es ist spannend zu sehen, wie dieselben Motive aus unterschiedlichen Blickwinkeln aussehen", sagt Rudolph und Kuberek ergänzt lachend: "Ich fotografiere schräger!"

Immer weniger "Lost Places" in Rhein-Main

Dass das Betreten dieser alten Anlagen nicht immer legal ist, wissen die beiden: "Wir versuchen immer erst, die Besitzer zu kontaktieren", sagen sie. Oft seien das aber ausländische Investmentgesellschaften, die nicht antworteten. "Auf jeden Fall brechen wir nirgendwo ein", betont Rudolph. "Wir gehen nur auf offen stehende Gelände."

Insgesamt werde das im Rhein-Main-Gebiet aber immer schwerer - anders als beispielsweise in Ostdeutschland gebe es schlicht immer weniger "Lost Places".

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Das Fotografieren von "Lost Places" überschneidet sich mit der so genannten "Urban Exploration", also dem Entdecken der Städte. Diese rund zehn Jahre alte globale Bewegung nahm ihren Ausgang wahrscheinlich im maroden Detroit, dessen verfallene Industrieanlagen so viele Fotografen begeisterten, dass in den Medien von "Ruinen-Porno" die Rede war. Die Explorer-Szene ist dabei gemischt: Es gibt Menschen, die sich ernsthaft für die Geschichte der Städte interessieren und die auch keine Spuren hinterlassen. Aber es gibt auch Partyhorden und Schrottdiebe. Umstritten ist bei Ruinen-Liebhabern, ob man im Internet sagen soll, wo die Fotos entstanden sind. (Quelle: dpa)

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