Bärbel Schäfer
Bärbel Schäfer mit ihrem neuen Buch "Meine Nachmittage mit Eva". Bild © Kathrin Wesolowski

Mit "Meine Nachmittage mit Eva" verwebt die Moderatorin Bärbel Schäfer die Geschichte einer Auschwitz-Überlebenden mit der ihrer eigenen Familie. Ein Buch, das gegen das Schweigen auf beiden Seiten anschreibt.

Wenn sie ihre Großeltern nach dem Krieg fragte, habe sie keine Antworten, sondern Ohrfeigen bekommen, erinnert sich hr3-Moderatorin Bärbel Schäfer. In ihrem neuen Buch "Meine Nachmittage mit Eva" hat sie sich viel Zeit gelassen für Nachfragen - und viele Antworten erhalten. "Selbst die schlimmste Wahrheit ist besser als das Schweigen", sagt die Autorin.

Bärbel Schäfer Buchcover
Bild © Gütersloher Verlagshaus

Schäfer zeichnet in ihrem Buch die Gespräche mit der Auschwitz-Überlebenden Eva Szepesi nach. Es waren sicherlich keine einfachen Begegnungen. Schäfer erinnert sich an ein Treffen im kalten Winter.

Als sie einmal frierend zum Wagen zurückeilt, um sich Handschuhe zu holen, sagt Szepesi zu ihr: "Du weißt doch gar nicht, was Frieren ist. Frieren ist, wenn man 18 Stunden beim Appell barfuß auf Holzpantinen steht, ohne Unterwäsche, nur mit einem leinensackartigen Anzug bekleidet, durch den jeder Windzug durchgeht", erinnert sich Schäfer.

Aus Scham geschwiegen

Schäfer verwebt in dem Buch die Geschichte der Auschwitz-Überlebenden mit der ihrer eigenen Familie. "Das Gestern meiner Familie trifft auf das Gestern der Holocaust-Familie von Eva", sagt Schäfer. Was die beiden Erzählungen verbindet? "Beide Seiten haben geschwiegen", sagt Schäfer. "Die Opferseite aus Scham, die Täterseite sicherlich auch aus Scham." Vielleicht hätten sich die Menschen über die Generationen hinweg besser versöhnen können, wenn sie über die Vergangenheit ehrlich gesprochen hätten, sagt Schäfer.

Für Schäfer ist Auschwitz der Ort der Tränen, an dem Millionen Lebensgeschichten nicht zu Ende erzählt worden sind, "weil Menschen einer falschen Ideologie hinterhergelaufen sind." Und hier sieht die Autorin auch Bezüge zur Gegenwart.


Zu Deutschland gehört auch Hitler und Himmler

"Warum gibt es wieder so viele Menschen in unserem Land, die Minderheiten hassen und das sogar aussprechen und aussprechen dürfen? Sie sitzen in unseren Landtagen, sie sitzen im Bundestag, und wir haben das nicht verhindert. Woran liegt das?", fragt die Autorin.

Schäfer will ihr Buch auch als Lektüre für Neubürger verstanden wissen. Gerade Flüchtlinge wüssten häufig nicht viel über die Geschichte Deutschlands. "Wir haben neue Bürger in unserem Land, die wissen müssen, dass zu all den Popstars, Youtubern, Goethe und Schiller eben auch Himmler und Hitler gehören."