Zwei Schattenfiguren stehen sich auf einer Wippe gegenüber und reden aufeinander ein.
Der Börsenverein fordert eine "neue Debattenkultur". Bild © Imago

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hat eine "neue Debattenkultur" gefordert. Zugleich verteidigt er den Stand des neurechten Verlags Antaios auf der Frankfurter Buchmesse. Der Verlag plant einige Veranstaltungen.

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hat eine "neue Debattenkultur" in Deutschland verlangt. "Wir haben komplett verlernt uns mit Themen auseinanderzusetzen, die uns nicht passen", kritisierte der Hauptgeschäftsführer des Dachverbands der deutschen Buchbranche, Alexander Skipis.

Er verteidigte zugleich den umstrittenen Stand von Antaios auf der Buchmesse - der rechts angesiedelte Verlag ist auf der weltgrößten Bücherschau in Frankfurt nach längerer Zeit wieder dabei. "Unsere Haltung ist glasklar", sagte Skipis. "Die Meinungs- und Publikationsfreiheit gilt für jeden. Deshalb akzeptieren wir Verlage und Bücher, solange sie nicht gegen bestehende Gesetze verstoßen. Antaios verlegt auch den umstrittenen Bestseller "Finis Germania" von Rolf Peter Sieferle.

Verlag plant bislang vier Veranstaltungen

Weil der Verlag einen Stand auf der Messe gemietet hat, ist es ihm auch möglich Veranstaltungen anzubieten. Im Veranstaltungskalender der Buchmesse finden sich aktuell vier Gesprächsrunden, die vom Antaios Verlag angeboten werden. Unter anderem wird Autor Akif Pirincci auftreten, der zuletzt als Redner bei rechtspopulistischen und islamfeindlichen Versammlungen für Diskussionen gesorgt hat.

Die Frankfurter Buchmesse hat im direkten Umfeld des umstrittenen Ausstellers die Amadeu-Antonio-Stiftung platziert, die sich gegen Rechtsextremismus und Rassismus wendet. Der Einladung der Buchmesse sei man sehr gerne gefolgt, erklärte Stiftungs-Pressesprecher Robert Lüdecke.

Börsenverein: Meinungsfreiheit ist nicht verhandelbar

Der Börsenverein werde immer seine Stimme gegen Rassismus und Intoleranz erheben - ob von rechts oder links, betonte Skipis. Im Kampf für die Meinungs- und Publikationsfreiheit in der Türkei beklagte Skipis einen Verlust an Werten bei den Eliten, sowohl in der Politik als auch in der Gesellschaft überhaupt. "Menschenrechte wie die Meinungsfreiheit sind nicht verhandelbar." Geschäfte dürften nur dann gemacht werden, wenn die eigenen freiheitlich-demokratischen Werte nicht gefährdet würden.

Der Börsenverein hat im vergangenen Jahr zur Freilassung der in der Türkei inhaftierten Schriftsteller und Journalisten eine Petition (#FreeWordsTurkey) initiiert. Der Aufruf ist inzwischen von rund 140.000 Menschen unterschrieben worden.