Robert Menasse
Robert Menasse ist für seinen Roman "Die Hauptstadt" geehrt worden. Bild © picture-alliance/dpa

Der Gewinner des Deutschen Buchpreises 2017 ist Robert Menasse. Er erhält die Auszeichnung für seinen Roman "Die Hauptstadt". "Vielschichtig, meisterhaft und eindringlich" - die Jury zündete ein Lobes-Feuerwerk.

Videobeitrag

Video

zum Video Deutscher Buchpreis geht an Robert Menasse

Ende des Videobeitrags

"Ich bin sehr gerührt. Ich habe keine Dankesrede vorbereitet, weil ich nicht gewusst habe, dass ich den Preis bekomme und ich schon seit langer Zeit nicht mehr für die Schublade arbeite. Aber was ich gewusst habe, dass jeder von uns Nominierten den Preis verdient hätte", freute sich der 63-jährige Österreicher.

Menasses Roman spielt in Brüssel - und setzt sich mit der Europäischen Union und all ihren Widersprüchen auseinander. Das Buch sei "ein vielschichtiger Text, der auf meisterhafte Weise existenzielle Fragen des Privaten und des Politischen miteinander verwebt und den Leser ins Offene entlässt", begründete die siebenköpfige Jury ihre Wahl.

Weitere Informationen

Menasses "Die Hauptstadt" auf hr2-kultur

"Die Hauptstadt" von Robert Menasse läuft als vollständige Lesung in 39 Folgen auf hr2-kultur morgens in der Lesezeit um 9.30 Uhr und nachmittags als Wiederholung in der Klassikzeit um 15.30 Uhr. Unter der Leitung von hr2-Literaturredakteur Ruthard Stäblein ist das vollständige Buch mit dem Sprecher Christian Berkel als Lesung und Hörbuch produziert worden.

Ende der weiteren Informationen
Audiobeitrag
Autor Robert Menasse

Sie können das Audio zur privaten Nutzung hier herunterladen oder im Systemplayer öffnen.

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Robert Menasse im Gespräch mit Gerd Scobel

Ende des Audiobeitrags

"Dramaturgisch gekonnt gräbt er leichthändig in den Tiefenschichten jener Welt, die wir die unsere nennen", so die Jury weiter. "Und macht unter anderem unmissverständlich klar: Die Ökonomie allein, sie wird uns keine friedliche Zukunft sichern können. Die, die dieses Friedensprojekt Europa unterhöhlen, sie sitzen unter uns – 'die anderen', das sind nicht selten wir selbst. Mit 'Die Hauptstadt' ist der Anspruch verwirklicht, den Robert Menasse an sich selbst gestellt hat: Zeitgenossenschaft ist darin literarisch so realisiert, dass sich Zeitgenossen im Werk wiedererkennen und Nachgeborene diese Zeit besser verstehen werden."

"Ich hoffe, dass wir im Sinne des Publikums und der Autoren eine gute Entscheidung getroffen haben", sagte Jury-Sprecherin Katja Gasser bei der Preisverleihung am Montagabend im Frankfurter Römer.

Sechs Titel der Shortlist

Zwei Autorinnen und vier Autoren aus Deutschland und Österreich hatten es mit ihren Büchern auf die Shortlist geschafft: Gerhard Falkner ("Romeo oder Julia"), Franzobel ("Das Floß der Medusa"), Thomas Lehr ("Schlafende Sonne"), Robert Menasse ("Die Hauptstadt"), Marion Poschmann ("Die Kieferninseln") und Sasha Marianna Salzmann ("Außer sich"). Alle Autoren der Shortlist können Sie hier besser kennenlernen.

Audiobeitrag
Robert Menasse "Die Hauptstadt"

Sie können das Audio zur privaten Nutzung hier herunterladen oder im Systemplayer öffnen.

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Robert Menasse "Die Hauptstadt"

Ende des Audiobeitrags

Alle sechs Titel verbinde das Bewusstsein, nicht im luftleeren Raum zu agieren. "Das ist Literatur, die um den Literaturkontext weiß - und das ist etwas Großes", sagte Gasser.

Ursprünglich hatten 106 Verlage 174 deutschsprachige Romane ins Rennen geschickt, hinzu kamen noch 26 Titel, die die Juroren nachgeordert hatten. Die Jury erstellte daraus zunächst eine 20 Titel umfassende Longlist, aus dieser ist im Anschluss die Shortlist entstanden.

Der Preis wird traditionell einen Tag vor Eröffnung der Frankfurter Buchmesse im Frankfurter Römer vergeben. Der Sieger erhält 25.000 Euro. Die übrigen fünf Autoren der Shortlist je 2.500 Euro.

Die Jury zum Deutschen Buchpreis 2017

Jury Deutscher Buchpreis 2017: v.l.n.r.: Tobias Lehmkuhl, Maria Gazetti, Katja Gasser, Lothar Schröder , Silke Behl, Mara Delius, Christian Dunker
Die Buchpreis-Jury (v.l.n.r.): Tobias Lehmkuhl, Maria Gazetti, Katja Gasser, Lothar Schröder , Silke Behl, Mara Delius, Christian Dunker Bild © Christina Weiß

Diese sieben Literaturexperten haben über den Deutschen Buchpreis 2017 entschieden: Silke Behl (Radio Bremen), Mara Delius (Die Welt), Christian Dunker (autorenbuchhandlung berlin), Maria Gazzetti (Casa di Goethe), Tobias Lehmkuhl (freier Kritiker) und Lothar Schröder (Rheinische Post). Jury-Sprecherin ist Katja Gasser (Österreichischer Rundfunk). Sie wählten aus Büchern aus, die zwischen Oktober 2016 und September 2017 erschienen sind.

Der Deutsche Buchpreis wird vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels seit 2005 vergeben. Er hat sich zur wichtigsten Auszeichnung der Branche entwickelt. Im vergangenen Jahr gewann Bodo Kirchhoff den Preis mit seinem Roman "Widerfahrnis".

Sendung: hessenschau, 9. Oktober 2017, 19.30 Uhr