Margaret Atwood
Die Kanadische Autorin Margaret Atwood auf der Buchmesse 2017 Bild © picture-alliance/dpa

Klare Kante gegen Frauenunterdrückung und gegen Trump: Die neue Friedenspreisträgerin Margaret Atwood zeigt sich vor der Friedenspreis-Übergabe am Sonntag besorgt über totalitäre Tendenzen. Den Humor lässt sie sich trotzdem nicht nehmen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Warum Atwoods "Der Report der Magd" ein Comeback erlebt

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Margaret Atwoods Augen leuchten, als sie am Samstag vor Journalisten auf der Frankfurter Buchmesse mit feinem Humor die ernsten Themen unserer Gegenwart aufgreift. Die kanadische Autorin hat schon vor über 30 Jahren mit ihrem dystopischen Roman "The Handmaid's Tale" ("Der Report der Magd") ein ungutes Zukunftsbild der USA gezeichnet: Christliche Rechte verwandeln das Land darin in eine fundamentalistische Theokratie, Frauen werden unterdrückt und ausgebeutet.

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"Nein, ich kann die Zukunft nicht vorhersagen", sagt die 77-Jährige. Dabei lächelt sie verschmitzt und spannt schnell den Bogen in die Gegenwart. "Ich bin vielleicht die einzige Person, die von Trump profitiert." Tatsächlich liegt ihr Buch seit der Wahl in den USA - ebenso wie George Orwells "1984" - in den Buchläden wieder ganz vorne aus und verkauft sich so gut wie seit Jahrzehnten nicht. Eine aktuelle gleichnamige TV-Serie erhielt unlängst in Los Angeles einen Emmy. Als sie "The Handmaid's Tale" Mitte der 80er Jahre in Westberlin geschrieben habe, seien die USA als totalitärer Staat "quasi unvorstellbar" gewesen. Das sei heute anders.

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Verleihung des Friedenspreises

Am Sonntag um 11 Uhr erhält Margaret Atwood in der Paulskirche in Frankfurt den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

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Oft fällt der Name Trump, etwa wenn die zierliche Kanadierin sich über Fluch und Segen des Internets auslässt. Auf die Frage, was sie Trump sagen würde, könnte sie ihn denn sprechen, antwortet sie: "Er würde sicher gar nicht zuhören. Seinen Assistenten aber würde ich bitten, ihm seinen Twitter-Account wegzunehmen." Sie selbst twittere schon seit vielen Jahren, allerdings nerve sie das Internet auch häufig.

Dabei zitiert Atwood ihre eigene Formel, "alle menschlichen Dinge" zu bewerten. Alles habe drei Seiten: eine positive, eine negative und eine dumme. So sei es auch mit den Sozialen Medien - und die dumme Seite hierbei seien die zahlreichen Sex-Roboter, die ihrem Account folgten.

"Mägde-Protest" in den USA

Margaret Atwood in Frankfurt
Besorgt über "starke totalitäre Tendenzen": Margaret Atwood Bild © Imago

Wie aktuell das Thema "Unterdrückung der Frauen" in der Politik gerade wieder sei, könne man an den Protesten in den USA sehen, wo Frauen in der roten Tracht der Mägde, so wie Atwood sie in ihrem Buch beschreibt und sie in der Serie zu sehen sind, gegen Trumps offenen Sexismus und seine Unterdrückungsmechanismen protestierten. "Frauen sind immer Opfer von repressiven Regierungen." Auch Religionen - egal welche - unterdrückten Frauen und hätten ihnen immer zuerst die Rolle zugewiesen, "Babys zu bekommen, viele Babys". Deutschland sei tatsächlich derzeit beim Thema Frauen "ein Leuchtturm der Mäßigung und Vernunft - wer hätte das gedacht?"

"Mein Mann ist nie mein erster Leser"

Auch Atwood trägt am Samstag in Frankfurt viel rot, ein Schal in dieser Farbe liegt um ihren Hals, bedruckt ist er mit zarten, schwarzen Schmetterlingen. Die Tochter eines Insektenforschers ist seit Jahren auch als Umweltaktivistin bekannt. Gemeinsam mit ihrem Mann, dem Schriftsteller Graeme Gibson, kümmert sie sich um das Schicksal von Vögeln und den Erhalt der Artenvielfalt.

Ihr Mann sei der politischere von beiden und habe sie in dieser Hinsicht stark beeinflusst. An ihre Texte aber lässt sie ihn nicht ran. "Er ist nie mein erster Leser. Das wäre entweder zu unkritisch oder es würde die Beziehung in Gefahr bringen." Sie lacht. Bei allem Ernst der Themen und der Lage in der Welt ist Margaret Atwood doch noch zu Scherzen aufgelegt.

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Zur Person: Margaret Atwood

Über die Jahrzehnte hat die studierte Literaturwissenschaftlerin mehr als 50 Bücher geschrieben. Neben meist dystopischen Romanen veröffentlichte sie Gedichte, Kurzgeschichten, Essays, Theaterstücke, Drehbücher, Hörspiele, Opern-Libretti, Kinderbücher und Comics. Den internationalen Durchbruch schaffte sie 1985 mit dem düsteren Zukunftsroman "Der Report der Magd".

Atwood wurde 1939 in Ottawa/ Kanada  als Tochter eines Insektenforschers geboren und wuchs die ersten Jahre in der Wildnis Kanadas auf. Atwood gilt als naturverbunden und tritt auch als Umweltschützerin in Erscheinung.

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