Götze Buchautor
Karl Heinz Götze mit seinem Buch "Was aus der Heimat wurde, während ich lange weg war". Bild © Kathrin Wesolowski

Von Nordhessen nach Südfrankreich: Vor fast 40 Jahren verließ Karl Heinz Götze Deutschland. Warum er damals weg wollte und wie er seine Heimat Hofgeismar heute sieht, erzählt er im Buch "Was aus der Heimat wurde, während ich lange weg war".

"Auf dem Friedhof findet man die besten Antworten darauf, was Heimat ist", schreibt Karl Heinz Götze in seinem Buch. Denn nur auf dem Heimatfriedhof kenne man die Menschen und deren Geschichten, die nun unter der Erde ruhen. Diese Heimat ist für den Autor Hofgeismar (Kassel) in Nordhessen.

Götze sagt: "Woher wir kommen, das ist Heimat." Heimat hänge mit den Menschen zusammen, sei ein räumlicher und ein sozialer Ort. Es gäbe eine Sehnsucht danach, einen Ort, eine Verortung zu haben. Dennoch wollte Götze vor 37 Jahren aus seiner Heimat raus. Er mochte Hofgeismar nicht, er mochte Deutschland nicht.

"Das Schweigen war umfassend. Auf einmal gab es keine Nazis mehr", erzählt Götze von seiner Kindheit in den 50er und 60er Jahren. Die ganzen Mörder aus dem zweiten Weltkrieg seien noch da gewesen, doch über allem habe das Verschweigen des Themas gelegen. "Das war der tiefste Grund zu gehen", sagt Götze, "Der ganze Ort war so. Es waren nicht alle im Ort so, aber es waren ganz viele."

"Ich lebe lieber in Frankreich als in Deutschland"

Auch die Kultur Deutschlands habe ihm nicht gefallen: Es wurde schlecht gegessen, schlecht getrunken und Götze habe sich weder mit der DDR noch mit der Bundesrepublik identifizieren können. "Es wurde mir zu eng", sagt er. Er ging erst einmal für ein Jahr als Lektor nach Frankreich - und sollte dann für den Rest seines Lebens dort bleiben. Heute lebt er in einer Stadt in der Nähe von Aix-en-Provence.

Videobeitrag

Video

zum hr-fernsehen.de Video Rückkehr nach Hofgeismar

Ende des Videobeitrags

"Ich lebe lieber in Frankreich als hier", erzählt Götze ganz offen. Was ihm am besten gefalle? Essen, Trinken, Frauen. "Französische Frauen sind nicht schöner, aber es gibt ein selbstverständliches Verhältnis zum Frau sein, zum Anziehen, zum Körper - was sich einfach schön anschauen lässt."

Die Idee zu seinem Buch "Was aus der Heimat wurde, während ich lange weg war" sei ursprünglich gewesen zu beschreiben, wie sich Deutschland gegenüber dem Deutschland verändert habe, das er gekannt habe. "Es hat sich viel verändert, aber das habe ich erst gar nicht so gesehen", sagt Götze. Immer wieder habe er in den fast 40 Jahren seine Heimat besucht, aber nie wirklich darauf geachtet, was sich verändert habe. Bis heute.

Lieber Stadt als Land

Das Museum über Nationalsozialismus in Hofgeismar sei ein Schritt in die richtige Richtung, findet Götze. Es habe eine jüdische Abteilung und auch der Nationalsozialismus werde nicht mehr totgeschwiegen. Zudem sei die Zahl der Bauern gesunken, Landwirtschaft stehe nicht mehr im Vordergrund. Auch die Fassaden seien erneuert worden, neue Läden entstanden.

"Mein Buch lebt aus zwei Quellen - meine Erfahrungen und soziale Orientierung“, sagt Götze. Er wollte seine Eindrücke mit Quellen absichern. "Man täuscht sich, dass man verallgemeinern kann, was man erlebt hat", erklärt er. Auf dem Land will der gebürtige Nordhesse nicht mehr leben. Es habe zwar Vorzüge - jeder kenne jeden, man helfe sich gegenseitig. "Der Nachteil davon ist aber: Alle wissen alles über alle, und alle mischen sich überall ein", erklärt der Autor.

"Es hat tatsächlich geklappt, dass dieses Land eine Demokratie bekommen hat", zieht Götze ein Fazit. Zurückkehren in die Heimat wünschen sich viele, sagt er. Doch so wirklich funktioniere das nicht: "Wenn man mal weggeht, ist man weg."