Übergabe der Ehrengastrolle von Frankreich an Georgien - von Paul de Sinety an Medea Metreveli
Übergabe der Gastrolle von Frankreich an Georgien - von Paul de Sinety an Medea Metreveli Bild © Johannes Gregor (hr)

Mit der Übergabe der Gastrolle von Frankreich an Georgien ist am frühen Sonntagabend die Buchmesse zu Ende gegangen. Mit Georgien präsentiert sich im kommenden Jahr ein Land, das viele Neuentdeckungen verspricht.

Welch enorme Bedeutung der Ehrengastauftritt für das kleine Georgien hat, wurde während der Feierstunde an vielen Stellen deutlich und für die Besucher stand am Ende fest: "Georgia, 12 Points!".

Dass Projektleiterin Medea Metreveli phasenweise vor Freude mit den Tränen kämpfte, sorgte für die erste Charmeoffensive. Außerdem hatte sich das Team zum Auftakt mit der georgisch-britischen Sängerin Katie Melua verstärkt. Sie sang - begleitet vom Gori Frauenchor - vier Titel, darunter ihr berühmtes "The Closest Thing To Crazy" und gab eine Kostprobe des polyphonen Gesangs, der in Georgien eine lange Tradition hat.

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Mit viel Applaus wurde auch das kurze Video "Georgia - Made by Characters" quittiert, das das offizielle Motto des Ehrengastauftritts vorstellte. Basierend auf dem einzigartigen Alphabet mit 33 Buchstaben, wurden erste Besonderheiten Georgiens dargestellt. Das weckte Vorfreude auf 2018, denn mit diesem Ehrengast dürfte es viel Neues zu entdecken geben, wie zum Beispiel Lelo, Osuri und Zhruanteli. Was das ist? Die Antwort findet sich im Video.

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Das gerade mal 3,7 Millionen Einwohner zählende Georgien habe viele Geschichten zu erzählen, hatte Kulturminister Mikheil Giorgadze bereits am Donnerstag bei der Vorstellungs-Pressekonferenz betont. "Georgien verfügt über eine für solch ein kleines Land unglaubliche Fülle an Kulturschätzen." Es sei ein modernes, lebendiges Land mit einer bis ins 5. Jahrhundert zurückreichenden literarischen Tradition.

Unter der sowjetischen Besatzung zwischen 1921 bis 1991 wurde georgische Literatur nach den Angaben von Projektleiterin Medea Metreveli nur sehr sporadisch übersetzt. Seit der Unabhängigkeit sei es der georgischen Literatur jedoch nach und nach gelungen, sich international zu etablieren.

Hände, die Bücher mit georgischer Schrift in ein Regal stellen.
Das georgische Alphabet mit seinen 33 geschwungenen Buchstaben ist UNESCO-Weltkulturerbe. Bild © picture-alliance/dpa

Seit 2010 wurden mehr als 65 georgische Bücher in deutschsprachigen Ländern veröffentlicht. Im Rahmen des Ehrengastauftritts seien weitere 90 Neuübersetzungen geplant. Als eines der bedeutendsten literarischen Werke gilt das Epos "Der Recke im Tigerfell" von Schota Rustaweli aus dem 12. Jahrhundert. Ein Text aus seinem Werk ziert auch die Gastrolle, die von Jahr zu Jahr um einen wichtigen Text aus dem jeweiligen Ehrengastland wächst.

Zu den derzeit bekanntesten Schriftstellern zählen Aka Morchiladse, Zaza Burchuladze und die in Hamburg lebende Nino Haratischwili. Diese schickte eine Videobotschaft, konnte sie doch krankheitsbedingt selbst nicht bei der Pressekonferenz anwesend sein. Haratischwili wünschte sich, dass "sich Georgien in Frankfurt in all seinen Widersprüchen und all seinen Extremen zeigt, in all seinen Fehlern und all seiner Pracht".

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Eine Frau läuft vor einem Stand mit "Georgia"-Schriftzug vorbei.

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Es könne sich lohnen, "die europäische Literatur um die georgische zu erweitern - weil die Vielfalt, die Koexistenz von Verschiedenem als Idee genau das ist, was für mich Europa ausmacht und was heutzutage leider oftmals in Frage gestellt wird". Eines ist gewiss: Mit seinen ersten Präsentationen machte das Organisationsteam Lust auf die Literatur- und Kulturszene Georgiens, die sich bis zum kommenden Jahr bei rund 500 Lesungen und Veranstaltungen im deutschsprachigen Raum vorstellen wird.