Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron während der Eröffnungsfeier der Buchmesse
"Ohne Kultur kein Europa": Frankreichs Staatspräsident Macron bei der Eröffnungsfeier der Buchmesse Bild © picture-alliance/dpa

Bücher als Brücke, Bücher als Waffe: Frankreichs Staatspräsident Macron und Bundeskanzlerin Merkel haben zur Eröffnung der Frankfurter Buchmesse das Verbindende von Kultur und Literatur beschworen. Politisch wurde ein anderer Redner.

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Es ist die erste Auslandsreise für Frankreichs Staatspräsidenten, die ausschließlich der Kultur gewidmet ist: In Frankfurt hat Emmanuel Macron am Dienstagabend die 69. Buchmesse eröffnet - gemeinsam mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). "Europa ist nichts ohne Kultur", sagte Macron und forderte in seiner Rede mehr europäischen Austausch für Studenten und Auszubildende.

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Frankreich ist diesmal Gastland der weltgrößten Fachmesse, zu der mehr als 7.150 Aussteller aus 106 Ländern erwartet werden.

Macron für mehr Schüler- und Studentenaustausch

Bücher seien die besten Waffen gegen jene, die versuchten, Mauern zwischen Menschen zu bauen und Fanatismus zu schüren, sagte Macron. In einer Diskussion mit Studenten an der Frankfurter Goethe-Universität hatte er am Nachmittag schon den Zugang zu Kultur als Gegenmittel zur Radikalisierung junger Muslime bezeichnet.

"In der Literatur spiegelt sich die Seele unserer freiheitlich verfassten Gesellschaft wider, in der die Freiheit des Geistes und der Meinungsäußerung einher geht mit politischer Freiheit", sagte Bundeskanzlerin Merkel. Sie erinnerte an ihre eigene Erfahrung in der DDR: "Einmal erlebt zu haben, dass man nicht jedes Buch lesen kann, das man lesen möchte, bringt einen dazu dafür kämpfen, dass alle Leute alle Bücher lesen können, die sie lesen möchten."

Merkel und Macron auf der Buchmesse
Macron und Merkel üben sich als Buchdrucker. Bild © picture-alliance/dpa

Die Kultur könne Europa helfen, sich in einer Welt des Wandels zurechtzufinden. Autoren würden gebraucht als "Seismographen aktueller und denkbarer Entwicklungen, als Ideengeber und Brückenbauer", sagte Merkel. "Wir dürfen nicht zu Getriebenen der Globalisierung und der Digitalisierung werden, dabei kann uns die Literatur helfen." Auf der Nachbildung einer Gutenberg-Presse druckten Merkel und Macron im Anschluss an die Eröffnung die erste Seite der Menschenrechtserklärung.

Applaus für Aslı Erdoğan

EU in der Krise, inhaftierte Autoren und Journalisten in der Türkei, der Einzug der AfD in den Bundestag - all diese Themen wurden von Macron und Merkel nicht konkret angesprochen. Klare Worte kamen dagegen von Heinrich Riethmüller, dem Vorstand des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels: "Die Türkei ist noch immer das größte Gefängnis für Journalisten und Autoren weltweit." Das sei "eine Katastrophe für die Demokratie".

Als Riethmüller die türkische Schriftstellerin Aslı Erdoğan im Saal begrüßte, die im vergangenen Jahr zur Eröffnung der Buchmesse noch eine Botschaft aus der Haft nach Frankfurt geschickt hatte, brandete großer Applaus auf. Riethmüller appellierte direkt an Merkel und die künftige Bundesregierung, sich "noch entschiedener als bisher für die Meinungs- und Pressefreiheit einzusetzen". Freiheitliche, demokratische Werte müssten konsequent verteidigt werden. "Machen Sie sie nicht zum Verhandlungsgegenstand."