Cover Karine Tuil Die Zeit der Ruhelosen

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Tanja Küchle (hr2-kultur): Im Roman von Karine Tuil herrscht Krieg. Wortwörtlich und im übertragenen Sinn. Wir sind in Afghanistan, wir haben Krieg in der französischen Gesellschaft und auch in der Paarbeziehung. Die vier Hauptfiguren sind alle mehr oder weniger ruhelos und fast alle werden zum Opfer der Gewalt, die sich Menschen in der Gesellschaft gegenseitig antun.

Tuil schreibt haarscharf an der Realität entlang. Für diesen Roman hat sie drei Jahre lang recherchiert. Aufgebaut ist der Roman in kurzen Kapiteln, es sind Szenen, die schnell wechseln. Es lässt sich gut und flüssig lesen, Tuils Stil ist locker, mündlich, fast schon ein bisschen schnoddrig. Die große Stärke des Romans ist, wie kenntnisreich und nah an der Wirklichkeit sie uns die verschiedenen Milieus der französischen Gesellschaft. Man bekommt ein tiefergehendes Verständnis davon, warum die Integration der Einwanderer aus den französischen Ex-Kolonien gescheitert ist. Wer verstehen will, wie es der französischen Gesellschaft jetzt gerade geht, der findet hier viele Antworten.