Cover Jean Echenoz "Unsere Frau in Pjöngjang"

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Ruth Fühner (hr2-kultur): "Unsere Frau in Pjöngjang" von Jean Echenoz ist eine verspielte Parodie auf die politischen Konflikte der Gegenwart und die Rolle der Geheimdienste darin. Ein Geheimdienstgeneral auf dem absteigenden Ast will eine Spionin nach Nordkorea schicken, um seinen letzten Coup zu landen. Möglichst hübsch, möglichst ahnungslos und leicht lenkbar soll sie sein. Dafür wird Constance entführt, die nach verschiedenen irren und kuriosen Wirrungen irgendwann in Pjöngjang auf einen Vertrauten des Diktators Kim Jong-un trifft.

Die Geschichte ist eine absurde Anhäufung von fehlschlagenden Plänen, ein einziger Anschlag auf die Psychologie des Genres. So ist da der Ehemann von Constance, der erpresst wird, darauf aber nicht reagiert und sich stattdessen mit einer anderen Frau vergnügt. Oder Constance, die sich gut mit ihren Entführern versteht.

Echenoz schildert die Verhältnisse in Nordkorea ungeschönt, dennoch bleibt immer der parodistische Ton – zumal der französische Geheimdienstobere davon überzeugt ist, dass das nordkoreanische Regime irgendwie dem globalen Gleichgewicht dient und man das auch nicht aus der Balance bringen sollte.

Das Thema des Romans ist ernst, der Erzähler lässt sich davon aber nicht weiter einschüchtern. Indigniert stellt er fest, es gäbe unwahrscheinliche Wendungen und wahrscheinlich Absurditäten, aber so sei eben die Wirklichkeit. Der Roman ist kein ernstes, sondern ein leichtgewichtiges Lesevergnügen.