Robert Menasse "Die Hauptstadt"

Sie können das Audio zur privaten Nutzung hier herunterladen oder im Systemplayer öffnen.

Mario Scalla (hr2-kultur): "Die Hauptstadt" von Robert Menasse ist ein politischer Roman. Es geht um viele Geschichten in einer, so auch um das Jubiläumsprojekt für 50 Jahre europäische Union und Im- und Exporte. Der Roman handelt zudem von Entscheidungsfindung, dem Dschungel der Bürokratie und Lobbyismus.

"Zusammenhänge müssen nicht wirklich bestehen, aber ohne sie würde alles zerfallen", ist das Motto eines Kapitels und eigentlich auch des Romans, das sich auch auf die Form der EU übertragen lässt. Der Charme des Romans ist zudem, dass man nicht weiß, was Wahrheit und was Fiktion ist.

Die zweite Botschaft des Romans ist, dass das Unheil, das in der Bürokratie und in Brüssel angerichtet wird, immer geringer ist als das Unheil des Nationalismus. Würden wir mehr zusammenarbeiten, anstatt die Ellbogen auszufahren und nur um die Interessen des eigenen Landes zu kämpfen, wäre die EU viel stärker. Das Problem ist also nicht Europa, sondern es sind die nationalen Interessen. Am Ende des Romans ist man schon überzeugt, dass die EU ein politischer Fortschritt ist.