Annie Ernaux Buchcover

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Ruth Fühner (hr2-kultur): Annie Ernaux bezeichnet ihren Roman "Die Jahre" selbst als unpersönliche Autobiografie. Unpersönlich, weil es der Versuch ist, ihre eigene Lebenszeit als Epoche greifbar zu machen. Los geht es mit ihren frühesten Erinnerung in der unmittelbaren Nachkriegszeit und reicht bis in die Gegenwart, etwa ins Jahr 2007. Sie erzählt vom angeschlagenen Emaille-Geschirrt der später 40er über das Wuchern der Vorstädte in den 70er Jahren bis hin zu der Zunahme des Autobahnwesens und den Zynismus von Michel Houellebeq.

Ernaux ist eine Autorin, für die das Private schon immer politisch war und es ging ihr schon immer darum, ihr eigenes Innenleben einzuordnen in einen größeren Horizont. Das Schreiben ist eine Revolte gegen das, was ihr nicht gefällt in dieser Epoche.

Humorvoll ist zu viel gesagt, doch der Roman hat eine witzige, scharfe Lakonie, die sehr gut gefällt. Ernaux hat ein Beharren darauf, dass ein kritisches Gedächtnis kostbar ist und sie sagt klar, dass der Roman ihre Sicher der Dinge ist – und nichts über die Zukunft unserer Kinder aussagt.